Arbeitslosigkeit im nördlichen Ilmkreis ist im Juli gesunken
Porträt
Im nördlichen Ilmkreis ist die Arbeitslosigkeit im Juli gesunken. Foto: Archiv
Im Juli ist die Zahl der Arbeitslosen in Mittelthüringen leicht angestiegen. Eine Ausnahme in der Region um Erfurt macht der nördliche Ilmkreis. Hier waren 2995 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 80 weniger als im Juni und 767 weniger als vor einem Jahr.
Arnstadt. Der nördliche Ilmkreis hat im Juli knapp eine einstellige Arbeitslosenquote verpasst. Diese sank von 10,4 Prozent im Juni auf nunmehr 10,1 Prozent. Damit ist die Quote innerhalb eines Jahres um 2,5 Prozentpunkte gesunken. "In unserer Region meldeten sich weniger Menschen nach einer Beschäftigung arbeitslos. Die meisten hatten eine Aus- oder Weiterbildung beendet. Erfreulich ist, dass im Juli deutlich mehr Menschen eine Arbeit aufnehmen konnten - 30 Prozent mehr als vor einem Jahr", beschreibt Martina Lang, Leiterin der Geschäftsstelle Arnstadt, die Vorgänge, die sich hinter den Zahlen verbergen. Für Zuwachs bei den Arbeitslosen sorgten in diesem Monat vor allem Jüngere wie Schulabgänger und Absolventen einer schulischen oder betrieblichen Ausbildung. Und das, obwohl der Personalbedarf der Arbeitgeber weiterhin groß ist. Seit Jahresbeginn wurden dem Arbeitgeberservice 1314 freie Stellen gemeldet. Das sind 22 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2009. "Im Juli wurden wir 208 Mal mit der Personalsuche beauftragt. Arbeitgeber suchen derzeit vor allem flexible Fachkräfte in der Ernährungsbranche, im Hotel- und Gaststättensowie im Automobilzuliefererbereich", sagt Martina Lang. Benötigt werden zudem dringend Kraftfahrer, Pflegepersonal, Kindergärtner und Mitarbeiter in der Solarbranche. Auch Zeitarbeits-Angebote seien dabei, "aber inzwischen überwiegend für Arbeit in der Region". Man merke endlich in Arnstadt, dass das Industriegebiet greift, freut sich die Agentur- Chefin. "Manchmal muss man auch Geduld haben, vorgeschaltete Bildungsmaßnahmen und Umschulungen brauchen einfach ihre Zeit."
Besonders interessant ist im Sommer immer auch der Blick auf den Ausbildungsmarkt. 350 Jugendliche waren in Arnstadt für eine Ausbildungssuche gemeldet. Täglich ändern sich momentan die Zahlen. Waren in der Vorwoche noch 104 junge Damen und Herren ohne Ausbildungsplatz, vermeldete die Arnstädter Arbeitsagentur gestern aktuell noch 62 Suchende. "Nicht immer passen die Berufswünsche der Jugendlichen mit dem Angebot überein. So sind Ausbildungsstellen für Büroberufe und Warenkaufleute sehr begehrt, es sind dafür aber kaum noch freie Stellen gemeldet", erklärt Martina Lang das Hauptproblem. Doch es gibt auch Branchen, in denen ein Überangebot an Ausbildungsplätzen herrscht - in Ernährungsberufen wie Bäcker und Fleischer sowie im Handwerk wie Metallbauer und Anlagenmechaniker. Außerdem ist auch noch nicht in jedem Betrieb die Entscheidung über die Bewerber gefallen. Auch die Arbeitgeber müssen sich umstellen. "Wir weisen seit Jahren auf den demografischen Wandel hin. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem vielen Firmen merken, dass man auch Jugendliche eine Chance geben muss, die nicht auf den ersten Blick geeignet erscheinen", sagt die Arnstädter Leiterin. Die Agentur für Arbeit bietet Unterstützung, um junge Menschen durch Praktika zu testen, aber auch ausbildungsbegleitende Hilfen.