Autobahnbauer Deges will altes Unterpörlitzer Bad umbauen

  • Aus dem Badeparadies ist eine Wasserruine geworden. Die Deges will das Gelände renaturieren. Foto: Ralf Ehrlich
Um in Unterpörlitz ein Bad zu nehmen, war kein Weg zu weit. Ganze Familien pilgerten an den Wochenenden in die einmalig schöne Anlage mitten im Wald. Doch seit der Wende teilt das große Wasserbecken das Schicksal von vielen: Es verödet. Als Ausgleich für den nahen Autobahnbau soll das ehemalige Bad schon seit Jahren zum Naturteich umgebaut werden. Nur so richtig glaubt im Ort niemand mehr daran.
Unterpörlitz. In Unterpörlitz macht ein Satz die Runde, der ziemlich deutlich zeigt, dass mancher die Hoffnung auf eine Sanierung der ehemaligen Freiluft-Badeanstalt im Wald längst aufgegeben hat: "Wahrscheinlich machen die das erst, wenn die Autobahn das erste Mal saniert wird", heißt es.

Die - das ist in diesem Fall die "Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau" GmbH, kurz Deges. Seit im Dezember 2002 der Autobahnabschnitt zwischen Ilmenau Ost und West freigegeben wurde, wird im beschaulichen Unterpörlitz auf die Einlösung einer Vereinbarung gewartet. Denn zum Ausgleich für den Eingriff in die Natur wurde den Ortsbewohnern die Renaturierung ihres alten Bades in Aussicht gestellt. Und das dauert.

Von etlichen Schriftwechseln berichtet Ilmenaus Bauamtsleiter Uwe Wolf, "der Baubeginn wurde uns bislang jedes Jahr versprochen", sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Sogar persönlich sei Ortsbürgermeisterin Ute Oberhoffner schon in Berlin gewesen, erinnert sich der Unterpörlitzer Ortschronist Horst Bradsch. Nur getan hat sich immer noch nichts - die Ortschefin ist urlaubsbedingt nicht zu erreichen.

Anruf in Berlin. Mögen die Unterpörlitzer auch weiterhin skeptisch sein die Deges immerhin versichert gegenüber TA, das Vorhaben in diesem Jahr bereits ausgeschrieben zu haben. "Die Baudurchführung soll von Mitte September 2010 bis etwa Mai 2011 unter Berücksichtigung der Witterungsverhältnisse erfolgen", kündigt Deges-Sprecherin Etta Schulze an. Geplant sei die "Herstellung eines naturnahen Gewässers mit Einbindung in die Umgebung. Dazu werden die Betonplatten der Schwimmbadsohle, die Betonwände, Fundamente etc. abgerissen und entsorgt", erklärt die Mitarbeiterin. Die Kosten dieses Vorhabens werden auf rund 220 000 Euro geschätzt, hinzu kommt der Aufwand für die Entsorgung der alten Materialien.

Auch Horst Bradsch kann die Ankündigung noch nicht ganz glauben. "Die Unterpörlitzer sind seit Jahren dauernd vertröstet worden", weiß der Geschichtsschreiber im Ort.

Das Bad selbst ist 1936 aus einem Fischteich entstanden, hat der Ortschronist alten Aufzeichnungen entnommen. "Das Ufer wurde mit einfachen Fichtenstämmen befestigt. Dadurch konnte der Sandboden rundherum trotz ständiger Wasserbewegung einigermaßen erhalten werden", blickt er zurück. Allerdings musste diese Bauweise Jahr für Jahr einer Erneuerung unterzogen werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage das, was Horst Bradsch ohne Übertreibung ein "Badeparadies" nennt: "Die Gemeinde war ein beliebter FDGB-Urlauberort. Deswegen beschloss 1960 der Gemeinderat, den Badeteich neuesten Vorschriften anzupassen." Im Nationalen Aufbauwerk (NAW) half fast die ganze Dorfbevölkerung von 1966 bis 1968 mit Hacke und Schaufel. "Sogar der benötigte Zement wurde in der Maxhütte Unterwellenborn bei Samstagseinsätzen im Werk selbst erworben, damit die Betonmauer errichtet werden konnte", erinnert sich Bradsch.

Kleine Anekdote am Rand: Für jeden Einsatz spendierte die Gemeinde eine Flasche Bier. So entstand schließlich ein 80 mal 25 Meter großes Badebecken - sogar einen Sprungturm hatten die Unterpörlitzer zu bieten. Dass in dem Bad zu Spitzenzeiten im Sommer bis zu 2500 Gäste gezählt wurden, war nicht verwunderlich: "Das Bad hatte eine schöne Lage und speiste sich zudem aus dem damals guten Quellwasser", berichtet Horst Bradsch.

Vorbei. Geblieben ist der Naturrahmen um das brach liegende Gewässer - das ab nächstem Jahr wieder ein Teich sein soll.


Arne Martius / 29.07.10 / TA
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