Barrierefreies Wohnen in der Worbiser Braustraße

  • Mit dem Kran war der Baum, ein Apfeldorn, schnell auf das Dach gehievt. Dachdecker und Gartenbauer pflanzten ihn gemeinsam ein. Foto: Eckhard Jüngel
Wohl kein anderer Baum in Worbis wächst so hoch wie der Apfeldorn, der heute auf der Dachterrasse des neuen Wohnhauses in der Braustraße gepflanzt wurde. Mit einem Kran haben ihn die Bauarbeiter hinauf gebracht.
Worbis. Die künftigen Bewohner werden es jedoch bequemer haben. Für sie gibt es einen Fahrstuhl. Die Aussicht ist grandios. So wie es Architekt Ottmar Stadermann versprochen hat, genießt man vom Dach des neuen Wohnhauses im Stadtzentrum, das aus dem ehemaligen Landratsamt entstanden ist, einen Rundumblick auf Worbis. Die Hardt, das Krankenhaus, Kirchen, Bahnhof, das frühere Gasthaus am Iberg, die neue Umgehung und sogar erste Häuser von Kirchohmfeld hat man hier oben im Blick. Zumindest für die Wohnungen der oberen Geschosse gilt also tatsächlich der Slogan "Wohnen über der Stadt".

Noch wichtiger dürfte für den Großteil der künftigen Mieter aber sein, dass sie ihre Wohnungen barrierefrei erreichen können. Das gilt für 25 der insgesamt 27 Einheiten. Lediglich zwei Wohnungen im Erdgeschoss setzen voraus, dass man vier, fünf Stufen steigen kann. Alle anderen sind bequem per Fahrstuhl zu erreichen. Für den Notfall oder sportliche Bewohner gibt es natürlich auch ein Treppenhaus. Das ist dieser Tage stark frequentiert. Von den Bauarbeitern, die letzte Arbeiten erledigen, und auch schon von künftigen Mietern, die es kaum erwarten können, im August hier einzuziehen.

Auf einigen Etagen werden schon die Fenster geputzt. Die neuen Mieter messen bereits fleißig ihre Zimmer aus und überlegen, wo welche Schränke am besten hinpassen. Die Dachterrasse mit dem Baum, der nun sprichwörtlich in den Himmel wachsen kann, gehört zu einem Büro, das die Städtische Wohnungs GmbH an eine Computerfirma vermietet hat. Der Apfeldorn steht in einem großen, mit Erde befüllten Betonbecken, wird künstlich bewässert und natürlich ordentlich festgemacht, damit er beim nächsten Sturm nicht wegfliegt.

Gleich nebenan in der obersten Etage zieht das Deutsche Rote Kreuz ein. Und auch die knapp 100 Quadratmeter große Penthouse-Wohnung mit drei Zimmern und teils überdachter Terrasse - ebenfalls mit Blick über ganz Worbis - hat schon einen Interessenten gefunden, informierte Geschäftsführerin Barbara Hahn. Aber die Zwei-Raum-Wohnungen in den anderen Etagen seien noch nicht alle weg, kann sie Leuten Hoffnung machen, die vielleicht ebenfalls auf der Suche nach einer besonderen Wohnung sind: mit 45 bis 65 Quadratmetern Grundfläche großzügig geschnitten, mit geräumigen Bädern und Fluren, eigenem Abstellraum auf der Etage und natürlich mit einem Balkon.

Das Ganze zentrumsnah, also Einkaufsmöglichkeiten, Busbahnhof, Stadtverwaltung, Ärzte und Kirche gleich nebenan. Mitte September zieht auch eine Physiotherapie-Praxis aus der Nachbarschaft mit ins Haus ein. Dann wird der Verbinderbau am Friedensplatz abgerissen und der Hinterhof des alten Landratsamtes auch in diese Richtung geöffnet. Mit der neuen Mehrzweckhalle, welche die Stadt auf dem Klostergelände bauen will, wird zudem die alte Turnhalle in der Braustraße überflüssig. Auch sie wird abgerissen und macht dann Platz für ein schöneres Umfeld, um das sich die Stadt nach Fertigstellung des Hochhauses kümmern will.

Bürgermeister Gerd Reinhardt erklärte vom Dach aus, was in den kommenden Monaten passiert, wo zum Beispiel die Wipperquellen freigelegt und Straßen saniert werden sollen. Und er sinnierte, dass auch der alte Worbiser Bahnhof wunderbar zum Wohnen geeignet wäre. Gekauft hat ihn die Kommune schon. Am 14. August ist aber erstmal Tag der offenen Tür in der Braustraße. Von 10 bis 13 Uhr kann jeder Interessierte das Haus besichtigen, insbesondere natürlich die Wohnungen anschauen und sich von einem betriebstüchtigen Fahrstuhl überzeugen. Barbara Hahn ist sicher, dass es an diesem Tag so einige Besucher geben wird.

Denn solch ein Objekt zeige beispielhaft, wie Wohnen im Alter aussehen kann, wenn das große Einfamilienhaus samt riesigen Garten einfach nicht mehr zu bewältigen ist. Oder man von vornherein Wert darauf legt, zu Hause wirklich zu entspannen, und den Vorzug zu schätzen weiß, in einer Stadt mit all ihren Annehmlichkeiten zu wohnen. Das nächste große Bauprojekt rückt für Barbara Hahn - als Geschäftsführerin der Wohnungsbau- und Verwaltungs GmbH Leinefelde - schon in Reichweite.

Die "Lindenhöfe" in der Geschwister-Scholl-Straße in Leinefelde sind auf dem Reißbrett so gut wie fertig und sollen ebenfalls ein Mieterklientel ansprechen, das hochwertig und gleichzeitig sehr bequem wohnen will. Ein Informationsabend für interessierte Bürger hatte schon gezeigt, dass barrierefreies Wohnen im Stadtzentrum ein Thema für alle Altersgruppen ist.


Natalie Hünger / 26.07.10 / TA
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