Bau der Riethhalle beginnt am Freitag offiziell

  • Wenn der Ersatzneubau im nächsten Jahr steht, wird die mehr als 30 Jahre alte Riethhalle zurückgebaut. Foto: Peter Riecke
Seit Jahren ist sie Gesprächsthema, mangels fehlender Mittel aber immer wieder beiseite geschoben worden. Mit der feierlichen Übergabe des Fördermittelbescheids für den Ersatzneubau der Riethhalle nimmt heute eine fast unendliche Geschichte ein Ende und läutet ein neues Sport-Zeitalter im Erfurter Norden ein.
Erfurt. Der Bau-Container steht bereits seit Donnerstag in der Essener Straße, Metallzäune sind gestellt, blaue Leitungsrohre und Bauholz künden vom Beginn eines nicht nur für Erfurt einzigartigen Projekts. Dort, wo am gestrigen Nachmittag noch Autos entlang des Sportplatzes parkten, wird in rund einem Jahr fünf Meter tief in der Erde eine Dreifelderhalle als Ersatz für die nunmehr mehr als 30 Jahre alte Riethhalle stehen. Finanziert durch eine sogenannte öffentlich private Partnerschaft, durch die erstmals in Thüringen ein Vorhaben umgesetzt wird.

Das bedeutet für Erfurt: Ein Unternehmen baut die Riethhalle und betreibt sie. Die Stadt zahlt über einen Zeitraum von 25 Jahren für die Nutzung eine Art Miete und bekommt das Objekt nach Ablauf in einem festgeschriebenen Zustand übergeben.

Rund elf Millionen Euro soll das Vorhaben Ersatzneubau kosten. Es beinhaltet allerdings nicht nur den Bau einer modernen und bis zu 1500 Zuschauer fassenden Halle, die Erfurt seit Jahren benötigt. Der nebenan von einer Aschebahn gesäumte Rasenplatz, der unter anderem Heimat der Fußballer des FC Rieth und des Football-Teams der Indigos ist, wird ebenfalls kräftig aufgewertet mit einer Leichtathletikanlage Typ A. Dahinter verbirgt sich beispielsweise eine Kunststoffbahn mit sechs Sprintgeraden.

Funktionalität steht im Vordergrund der neuen Riethhalle. Die soll nicht nur allen bisher in der alten Halle trainierenden Vereinen eine moderne Heimstätte bieten. In ihr werden künftig auch die in die erste Bundesliga ausgestiegenen Volleyballerinnen des SWE-Teams ihre Partien austragen. Die Dreifelderhalle am Sportgymnasium genügt keinen Erstliga-Ansprüchen.

Die Ausnahmegenehmigung, mit der SWE-Volleyballerinnen ab Herbst ihre Partien in der bisherigen Spielstätte austragen dürfen, ist für Oberbürgermeister Andreas Bausewein ein gewichtiger Gund für die Realisierung des millionenschweren Vorhabens gewesen. Dass sich das Land allerdings mit 40 Prozent beteiligen wird, ist für ihn das "unschlagbare Argument".

"Damit haben wir die Chance, ein seit Jahren auf dem Plan stehendes Projekt umzusetzen." Nach der Sanierung des vor kurzem fertiggestellten Nordbad werde so das gesamte Gebiet unheimlich aufgewertet. "Unter sportlichen Gesichtspunkten ist das Projekt für den Norden Erfurts Gold wert", so Bausewein. Geplant ist die Fertigstellung bis zum Schuljahresbeginn 2011. Im Anschluss wird die alte Riethhalle Parkplätzen weichen.

Den Zuschlag im europaweiten Ausschreibungsverfahren hat Billfinger Berger bekommen. Künftiger Betreiber der Halle ist laut TA-Informationen die HSG Zander. Das Unternehmen mit Sitz in Neu-Isenburg verwaltet und bewirtschaftet bundesweit zahlreiche Gebäude, technische Anlage und Einrichtungen. Im Sportbereich und dem von Veranstaltungsstätten unter anderem die Commerzbank Arena in Frankfurt/Main oder die Lanxess Arena in Köln. Die Justizvollzugs in Burg-Madel (Sachsen-Anhalt) oder das Justizentrum in Chemnitz bewirbt das Unternehmen auf seiner Internetseite als Referenzobjekte in Sachen PPP-Modell.

In der öffentlich privaten Partnerschaft (engl.: Public Private Partnership) sieht Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein nicht unbedingt den Stein des Weisen für Kommunen mit klammen Kassen. Für ihn ist das Pilotprojekt ein "Test in überschaubarer Größenordnung". Einer, der sich in der Praxis vielleicht erst für Erfurt und Thüringen bewähren muss, aber einen Gewinn für den Erfurter Sport darstellt. "Bei der Haushaltslage wie jetzt hätten wir das Projekt noch für einige Jahre strecken müssen", sagt Bausewein.


Steffen Eß / 30.07.10 / TA
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