Betty Heidler holt Gold mit ihrem Hammer

  • Betty Heidler wurde ihre Favoritenrolle gerecht und gewann den dritten EM-Titel für das deutsche Team. Foto: Matt Dunham
Die deutschen Frauen sind die Medaillenbank in Barcelona. Hammerwerferin Betty Heidler wurde Europameisterin. Die Stabhochspringerinnen Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih holten Silber und Bronze. Überraschend auf Platz zwei landete 1500-m-Läufer Carsten Schlangen.
Barcelona. Nachdem gestern die Hymnen für 100-m-Siegerin Verena Sailer und Speerwerferin Linda Stahl bei der Siegerehrung verklungen waren, setzten die Frauen die Medaillenserie bei der EM in Barcelona fort. Im zweiten Versuch packte Betty Heidler den Hammer aus, der die Konkurrenz schockte. 75,92 m bedeuteten Saisonbestleistung, die die selbstbewusste Weltmeisterin von 2007 im fünften Durchgang sogar noch auf 76,38 m verbesserte. Die polnische Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk - sie hatte Heidler bei der WM im heimischen Berlin noch bezwungen - konnte als Drittplatzierte nicht kontern.

Nur einmal musste die 26-jährige von Eintracht Frankfurt noch zittern. Doch der weiteste Wurf der Russin Lysenko, die wegen Dopings schon zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen war, landete bei 75,65 m - Platz zwei. Heidler durfte ihren ersten EM-Titel feiern.

"Nachdem die Saison bislang so gut gelaufen war, wusste ich, dass was ich kann und hatte auf Gold gehofft", bekannte die freudestrahlende Siegerin. "Ich bin wirklich zufrieden: Saisonbestleistung und Titel - was will ich mehr?" Jetzt will sie den Blick in Richtung Olympische Spiele 2012 in London richten.

Heidler hat sich binnen zweier Jahre von der wankelmütigen Athleten, die mehrfach als Favoritin scheiterte, zuletzt als Fünfte bei Olympia 2008 in Peking, zur zuverlässigsten Athletin der Werfer-Nation gewandelt. "Betty hat ihre Lektion gelernt", sagt Trainer Michael Deyhle schmunzelnd, der die gebürtige Berlinerin durch viele Täler nun zu neuen Höhen führte.

Mit Yoga-Übungen brachte sich Silke Spiegelburg im Mannschaftshotel in die richtige Verfassung für den wichtigsten Wettkampf ihrer Karriere. Mit Erfolg. Bis zur Höhe von 4,70 m nahm die Leverkusenerin alle Höhen im ersten Versuch. Doch dann zeigte die Russin Swetlana Feofanowa, dass sie an die Stelle der in diesem Jahr pausierenden Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa treten wollte. Mit 4,75 m glänzte die Russin.

Aber auch Spiegelburg und die in Omsk geborene Lisa Ryzih durften mit 4,65 m über Silber und Bronze jubeln. Spiegelburg hatte nach Platz vier bei der WM in Berlin ebenso wie ihre völlig erschöpfte 21-jährige Teamgefährtin aus Ludwigshafen erstmals das große Podest erreicht. Spiegelburg war trotzdem nicht ganz zufrieden: "Ich habe doof gerissen, konnte meine Technik abrufen können."

Der Berliner Carsten Schlangen hat den größten Erfolg seiner Karriere gefeiert und völlig überraschend EM-Silber über 1500 m gewonnen. Der 29-Jährige musste sich nach einem taktisch klugen Rennen in 3:43,52 Minuten nur dem spanischen Sieger Arturo Casado geschlagen geben, der 3:42,74 lief. Im Fotofinish verwies Schlagen den zweiten Spanier Manuel Olmedo (3:43,54) auf Rang drei.

Nach dem Geraer Thomas Blaschek, bei der EM 2006 Zweiter geworden war, stand mit Alexander John wieder ein Thüringer im Finale der 110 m Hürden. Der 24-Jährige vom LAZ Leipzig, der aus Zeulenroda stammt, wurde trotz Blitzstarts in 13,71 s nur Achter. Der Sieg ging an Routinier Andy Turner aus Großbritannien, der die zehn Hürden in 13,28 Sekunden überquerte. "Ich habe leider nur mein Minimalziel erreicht. Ich wollte zeigen, dass ich in Europa konkurrenzfähig bin, das ist mir leider nur bis zur dritten Hürde gelungen", sagte John enttäuscht.

In der Vorbereitung hatte sich das Talent, das einst in der Jenaer Hürdenschule von Stefan Poser groß wurde, mit einer Gesäßmuskelzerrung herumgequält. Da hätte ich die Saison fast vergessen können", sagte der Thüringer, der auch vorm Finale noch Schmerztabletten brauchte. Doch der Sportsoldat biss sich durch. Im Halbfinale stürzte neben ihm ein Kroate. "Das hat mich irritiert, aber nicht umgeworfen", sagte John, der als Dritter mit 13,56 s direkt in den Endlauf einzog. Im Finale konnte er sich nicht mehr steigern. "Die schwache Zeit im Endlauf hat mich geärgert."

Zum Sprintkönig von Barcelona krönte sich derweil Christian Lemaitre trotz eines verschlafenen Starts über 200 m. Mit einer unglaublichen Energieleistung fing der französische 100-m-Europameister den Briten Malcom in 20,37 s noch um eine Hundertstelsekunde ab. Lemaitre, der als Junior gegen den nicht für die EM qualifizierten Jenaer Robert Hering um Medaillen lief, strebt nun mit der Staffel nach dem dritten Gold.


Dirk Pille / 30.07.10 / TA
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