Bewegende Trauerfeier für Opfer der Loveparade-Panik

  • Hunderte versammelten sich zum Trauermarsch für die Opfer der Loveparade vor dem Bahnhof in Duisburg. Foto: ddp
Eine Woche nach der tödlichen Massenpanik auf der Duisburger Loveparade hat die Stadt Abschied von den Opfern genommen. "Uns alle lässt das Geschehene nicht los", sagte NRW-Ministerpräsidentin Kraft. Zum Gedenken hat auch Thüringens Regierungschefin Lieberknecht Trauerbeflaggung angeordnet.
Erfurt/Duisburg. In der Duisburger Salvatorkirche haben rund 500 Trauergäste, darunter viele Helfer und Politiker, Abschied von den Opfern der Massenpanik bei der Loveparade genommen. Dazu läuteten in der Ruhrgebietsstadt sämtliche Totenglocken. Am Nachmittag setzte sich vom Hauptbahnhof aus ein Trauermarsch zur Unglücksstelle in Bewegung.

  • Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) spricht in der Salvatorkirche: Die Bilder der Katastrophe in Duisburg machten "betroffen, hilflos und manche auch wütend". Foto: ddp
Sichtlich bewegt hat bei der Trauerfeier auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) der 21 Opfer der Loveparade gedacht. Es sei schwer, angesichts des Todes Worte zu finden, sagte Kraft am Samstag in der Duisburger Salvatorkirche. Das Leben junger Menschen sei grausam und jäh beendet worden, sie seien aus ihren "Hoffnungen und Träumen, aus ihren Zukunftsplänen, Familien und Freundeskreisen" gerissen worden.

Die Ministerpräsidentin sicherte eine lückenlose Aufklärung der Loveparade-Katastrophe zu. Die Fragen nach Schuld und Verantwortung "müssen und werden eine Antwort finden", sagte die Regierungschefin. Kraft sprach im Anschluss an den ökumenischen Trauergottesdienst für die Todesopfer. Bei der Massenpanik waren am vergangenen Samstag auf der Loveparade in Duisburg 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden verletzt.

Zu den Trauergästen zählten Bundespräsident Christian Wulff, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Wulff sagte im Zusammenhang mit der Trauerfeier, er wolle die Helfer vom Loveparade-Unglück ehren: "Ich werde die ehrenamtlichen Helfer, die Leben gerettet und Menschen geholfen haben, nach Berlin einladen und auszeichnen."

Zahlreiche Bürger versammelten sich auch vor der Kirche, um den Gottesdienst zu verfolgen. Zur Live-Übertragung der Trauerfeier im Fußballstadion des MSV Duisburg kamen deutlich weniger Menschen als erwartet: Im Stadion versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 1.500 Teilnehmer. In Thüringen ordnete Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht Trauerbeflaggung für alle öffentlichen Gebäude an.

Oberbürgermeister wollte nicht provozieren

Allen unmittelbar Betroffenen und Zeugen der Katastrophe "sind wir es schuldig, das Geschehene und Unfassbare aufzuklären", sagte NRW-Ministerpräsidentin Kraft. Behörden und Veranstalter stehen seit Tagen unter Druck, nach der Massenpanik für Aufklärung zu sorgen und Verantwortung zu übernehmen.

Seine Teilnahme abgesagt hatte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU), der in den vergangenen Tagen massiv in die Kritik geraten war und durch seine Teilnahme am Gottesdienst nicht provozieren wollte. Sauerland wird vorgeworfen, das Sicherheitskonzept für die Loveparade abgesegnet zu haben, obwohl es Lücken aufgewiesen habe.

  • Ein Notfallseelsorger versuchte nach dem Ende des Trauergottesdienstes für die Opfer der Loveparade, die erschütterten Gäste zu trösten. Foto: ddp
Bei der Trauerfeier sprach Kraft den Angehörigen der Getöteten ihre Anteilnahme aus. "Es ist schwer, Worte zu finden angesichts des Todes", sagte sie. Jede Katastrophe werfe die Frage nach dem "Warum" auf. "Für diese Katastrophe gilt das in besondere Weise", sagte Kraft. 21 junge Frauen und Männer aus ganz Deutschland seien ums Leben gekommen, aus Australien, Bosnien-Herzegowina, China, Italien, den Niederlanden und aus Spanien.

Wie am Samstag herauskam, sollen bei der verhängnisvollen Loveparade nur 150.000 Menschen auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs gewesen sein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus". Anhand von Luftaufnahmen gehe die Polizei intern von dieser Zahl aus, heißt es in einer Vorabmeldung.


01.08.10 / epd; ddp
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