Buchgroßhändler will bis zu 600 neue Arbeitsplätze schaffen

  • Das Baugelände im Erfurter Norden. Foto: Marco Schmidt Das Baugelände im Erfurter Norden. Foto: Marco Schmidt
Eine Stuttgarter Firma plant die Investition von 100 Millionen Euro für das Logistikzentrum in Erfurt, das bereits nächstes Jahr eröffnen soll.
Erfurt. In der Landeshauptstadt bahnt sich eine neue Großansiedlung an: Der Stuttgarter Buchgroßhändler Koch, Neff & Volckmar (KNV) verhandelt derzeit über den Bau eines Logistikzentrums in der Kühnhäuser Straße im Norden Erfurts. Nach Angaben von Wirtschaftskreisen in Erfurt sollen bis zu 600 neue Arbeitsplätze entstehen und rund 100 Millionen Euro investiert werden.

Nach der Ansiedlung des Internet-Händlers Zalando wäre dies die zweitgrößte Investition in Erfurt und eine der größten in Thüringen nach der Wende. Zalando hatte sich kürzlich für eine Standorterweitertung im Erfurter Güterverkehrszentrum entschieden.

KNV-Geschäftsführer Oliver Voerster bestätigte am Freitag unserer Zeitung entsprechende Gespräche. Bis zu einem Vertragsabschluss müssten aber noch "ein paar Dinge klargemacht" werden. Voerster betonte, der Standort Erfurt stehe ganz weit oben auf der Liste und sei die "favorisierte Alternative".

"Wir wären gern an den bestehenden Standorten geblieben, stoßen aber in Stuttgart und Köln an unsere Leistungsgrenzen", sagte Frank Thurmann, geschäftsführender Gesellschafter von KNV. Man suche einen Ort in der Mitte Deutschlands, an dem man moderne, leistungsfähige und flexible Technik einsetzen wolle.

Bereits in den kommenden zwei Wochen könnten die Verträge unterschrieben werden, berichteten Wirtschaftskreise.

Nach einem möglichen Vertragsabschluss soll das Logistikzentrum bereits im nächsten Jahr seine Arbeit aufnehmen. KNV wolle sowohl hoch- wie niedrigqualifizierte Arbeitsplätze schaffen, hieß es in Wirtschaftskreisen.

Der Buchgroßhändler KNV hat nach eigenen Angaben etwa ein Viertel aller deutschsprachigen Bücher im Bestand und beliefert Buchhandlungen. Zugleich ist das Unternehmen Dienstleister für Verlage.

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) wollte sich am Freitag mit Verweis auf eine Verschwiegenheitsklausel zu der geplanten Ansiedlung nicht äußern. Jedoch verwies er auf zahlreiche Gespräche mit Investoren "zum Wohle der Stadt". "Als Verwaltung versuchen wir immer, alle Unwägbarkeiten aus dem Weg zu räumen."

Auch Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) hielt sich bedeckt, bestätigte jedoch, dass es "ernsthafte und positive Gespräche" mit KNV gebe. Die Entscheidung wäre "hoch erfreulich" für den Standort. "Bei uns stehen für das Projekt alle Ampeln auf Grün."

Machnig verwies in diesem Zusammenhang auf die positive wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Monate. So zeige ein Vergleich der Förderzahlen der neuen Bundesländer, dass Thüringen im vergangenen Jahr die meisten Investitionen und Arbeitsplätze angeschoben habe.

In Thüringen seien 2011 mehr als 1,3 Milliarden Euro gewerblich investiert worden, das fast doppelt so große Land Sachsen sei hingegen auf 1,2 Milliarden Euro gekommen.

Wer ist der Buchgroßhändler KNV?

  • Der Buchgroßhändler Koch, Neff & Volckmar besteht seit mehr als 180 Jahren und wirkt als Bindeglied zwischen Verlagen und Buchhandlungen.
  • Nach eigenen Angaben führt das Unternehmen mehr als 510.000 Bücher, Landkarten, Spiele und weitere Artikel.
  • Jeder dieser Titel ist in einer Computer-Datenbank erfasst. Es besteht auch für Privatnutzer die Möglichkeit, im Internet Bücher zu suchen und zu bestellen.
  • Die Auslieferung erfolgt dann ausschließlich über eine der Partnerbuchhandlungen von Koch, Neff & Volckmar.

Kai Mudra und Peter Rathay / 18.08.12 / tag
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Kommentare
23.08.12 - 17:52
Thorsten Berger
Erde an Umlaufbahn, Erde an Umlaufbahn! Erwarten sofortige Landung zwecks Realitätscheck und Neujustierung!
22.08.12 - 16:56
Orbital
Haha, die lieben Nörgler und Besserwisser wieder... nichts ist gut genug, nie kann etwas dem Genügen, was "ja wohl das Mindeste ist". Niemand in meinem Bekanntenkreis regt sich ernsthaft über neue Arbeitsplätze auf. Und von den Gewerbesteuern können Kulturangebote, Straßen oder Schulden bezahlt werden. Wem das alles nichts ist, soll bitte selber ein Geschäft aufmachen und Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.
22.08.12 - 10:46
Der Afghane
"Um alle unsere Kunden aus einer zentralen Logistik beliefern zu können, müssen wir in die Mitte von Deutschland gehen. Dort wollen wir eine moderne, hochleistungsfähige und flexible Technik einsetzen und über 850 Arbeitsplätze neu schaffen." So hiess es vor einem Jahr. Jetzt sind es 600. Wenn es so weitergeht, snd es nächstes Jahr 350...
21.08.12 - 07:50
Anonym2012
Schön das sich schon Gedanken gemacht werden was an 900 Mitarbeiter für Gehalt gezahlt wird in Erfurt....Schonmal daran gedacht wer das Gehalt von den 900 Mitarbeitern zahlt die dann in Köln & Stuttgart auf der Straße stehen!!!!!
20.08.12 - 11:27
anonymax
Wieder ein Fall von Subventions- Tourismus von der EU gefördert, so wie einst die Abwanderung von Nokia nach Rumänien oder die Abwanderung von Müller- Milch nach MPV, wo Herr Müller, einer der grösten NPD- Sponsoren, für die Vernichtung von Arbeitsplätzen im Alt- Bundesgebiet noch belohnt wurde mit einer Millionen € pro eingespartem Arbeitsplatz. Hinzu kommt das in Thüringen die Niedriglöhne gesichert sind. Einigen Kommentatoren hier schein nicht bewußt zu sein, dass ein durchschnittlicher Armutslohn schon unter der Grenze von 1801,00€ Brutto beginnt und erst ab einem Lohn von 1600,00 Brutto volle Rentenanwartschaften erzielt werden. Wenn die Subventionen abgeschöpft sind ziehen die Begünstigten weiter, vielleicht mit neuen Subventionen in der Tasche, so funktioniert Klientelwirtschaft/Politik.
20.08.12 - 11:03
@ Christian
Welche von den Blockfläten-Parteien hat Sie den hierher geschickt? Sie reihen ja Phrase an Phrase. Schade, dass es hier kein Phrasenschwein gibt. Was sagen Sie? Der Sozialismus ist vorbei? Lach, Lach. Die Subvionsionitis, die in Thrüringen, aber auch in D betrieben wird ist Staatslenkung und Planwirtschaft pur. Ganz zu schweigen von der dazugehörenden Schönfärberei. Der Unterschied zur DDR ist aber, dass man damals von den mickrigen Löhnen Miete und Lebenshaltung aus der eigenen Tasche zahlen konnte. Heute dürfen sich die Billiglöhner zur Belohnung von Jobcenter / Arge / BA drangsalieren lassen ... zwecks Aufstockung. So sieht Ihre hochgelobte, nicht-sozialistische Marktwirtschaft aus. Und übrigens: in dem Sie Meinungsäußerungen als "Dauerjammern" bezeichnen, verhalten Sie sich nicht anders als die besserwisserischen Mitglieder des ehemaligen Politbüros.
20.08.12 - 07:49
Top Region Altenburg - klar wissen wir, was in Mosel und Espenhain an Investentscheidungen anstehen
Der Größte Zukauf dieses Familientunternehmens war die LKG aus Espenhain. Die LKG ist ein Unternehmen, welches aus einer Kooperation der Gruender beider Unternehmer hervorging. Die Investitionsentscheidung für ein neues zentrales Lager ist nicht neu. Eine Bewerbung war nur aussichtsreich, wenn man einen Anforderungskatalog erfüllt. Die LEG hatte hier so etwas nicht vorbereitet. Eine Investition in der Nähe des bisherigen Standortes folglich auch ausgeschlossen. Den Rest kennen Sie.
19.08.12 - 21:18
Christian
Es ist ja lustig wie sich einige bei positiven Meinungen angegriffen fühlen. 20 Jahre Dauerjammern hat bei einigen Spuren hinterlassen. Industriearbeitsplätze gibt es u.a. am Erfurter Kreuz. Arbeitsplätze für geringqualifizierte werden in Logistikzentren geschaffen. Besser 1500 Brutto als 350 Euro Hartz4. Jeder ist für sein Glück selbst verantwortlich und kein Minister oder Bürgermeister oder sonst wer.Der Sozialismus ist vorbei. Wem es nicht passt der sucht sich halt etwas anderes oder lässt es bleiben. Bitte aber nicht für alle Erfurter in der Jammermentalität sprechen. Das ist ja peinlich.
19.08.12 - 20:12
ErfurtMeineStadt
900 Arbeitsplätze in Stuttgart und Köln werden abgebaut, dafür 600 subventionierte Arbeitsplätze in Erfurt angesiedelt. Nicht nur dass hier die Löhne niedriger sind, nein auf unser aller Kosten werden Steuergelder einer Firma reingeschoben, die schon heute nicht mehr tarifgebunden ist. Herr Oberbürgermeister, so etwas wollen wir Erfurter Bürger nicht!
19.08.12 - 14:26
ich
leider stimmt es auch hier wie bei zalando. die löhne sind wirklich sehr niedrig. heutzutage muss man von einem gesamtdeutschen durchschnittslohn im mittelstand von 1500 netto als single ausgehen, verheiratet etwas mehr. in solchen lagern verdient man hierzulande leider deutlich weniger. aber eine chance für langzeit-arbeitssuchende menschen ist das schon und das sollte man so auch akzeptieren. allerdings ist es auch nicht so einfach so einen job zu bekommen, wie man denken mag. ich gehe davon aus, dass auch hier schon tausende bewerbungen schon lange eingegangen sind. wenn man da nicht einer der ersten ist, hat man in aller regel meistens pech. trotz einfacher tätigkeit wird oftmals auch entsprechende vorbildung vorausgesetzt. ich gehe auch davon aus, dass hier mit raffinierten werkverträgen gelockt wird.
19.08.12 - 12:55
der E
Hach ja und wieder ein Unternehmen, was die Billiglohnstruktur Thüringens nutzt. Juhu, sowas brauchen wir echt hier. -.-
19.08.12 - 10:47
@ christian
is ja wirklich ne echt tolle diskussion dort :-) ein einziger beitrag, echt viel niveauvoller :-) glückwunsch..
19.08.12 - 10:33
Thorsten Berger
@Christian: Genau solche Leser wie Sie braucht Raue: bei jeder Jubelmeldung unreflektiert mitjubeln. Ich hab mal auf der von Ihnen erwähnten Seite nach niveauvollen Diskussionen zum Thema gesucht. Gefunden habe ich diese drei Links: http://www.buchmarkt.de/content/51997-neuer-knv-standort-steht-wohl-fest-kuehnhaeuserstrasse-in-erfurt.htm http://www.buchmarkt.de/content/51351-knv-und-kno-va-logistik-neuer-standort-steht-wohl-fest-bleibt-aber-geheim.htm http://www.buchmarkt.de/content/47064-auslieferungen.htm - - - - - Die Diskussion? Null Kommentare. Wenn das Ihr Niveau ist, sei es Ihnen unbelassen.
18.08.12 - 21:09
Christian
Hoffentlich klappt es. Würde mich freuen.Die Sache wird ja schon länger auf Buchmarkt.de diskutiert. Dort allerdings niveauvoller, als von einigen hier.Danke an die Verantwortlichen und die TA für die Informationen. Weiter so!
18.08.12 - 19:43
@ Nathan der Weise
Sie sollten vielleicht einmal Fachliteratur zum Thema Logistik lesen. Dort werden Sie herausfinden, dass der Inhalt eines Lagers (und ein Logistikzentrum ist ein Lager) als "totes Kapital" betrachtet wird.
18.08.12 - 19:36
alles auf die halde
@ Peter, haben die in Erfurt überhaupt schon den Betrieb aufgenommen? Ich habe nichts Derartiges gehört. Auch wurde in einer ZDF-Doku Herr Bausewein interviewt, der behauptete, es würden Löhne ab 1400 euro gezahlt. Eine Nachfrage bei der Landesregierung ergab, dass die Höhe der Löhne bei den Investitionsverhandlungen kein Thema waren. Wer hat nun Unrecht? Herr Bausewein oder die Landesregierung? Die Zustände in der bestehenden Brandenburger Niederlassung sprechen jedenfalls Bände. Ein Heer von Billiglöhnern aus Polen und verdreckte Tioletten mitten in der Packhalle (igitt). Zudem eine hohe Rate an Rücksendungen. @ Andrea P, warum finden Sie meinen Kommentar daneben? Für die Abwicklung der Halden von Überproduktion stellt man eben auch nur Billiglöhner ein. Und keiner kann leugnen, dass wir Zeugen einer Überproduktion sind. Wir werden uns bald wiedersprechen, denn eine Überproduktionskrise ist wirtschaftlich gefährlicher als eine Mangelwirtschaft.
18.08.12 - 16:55
Peter
Ehrlich gesagt, die Kommentare hier sind teilweise... naja. Zalando zahlt hier in Erfurt keine Hungerlöhne, momentan gibt es keine Zeitarbeiter in Erfurt. Was soll das Ganze in den Kommentaren unten. Sie stimmen einfach nicht. Meine Frau arbeitet dort und das gern und hoffentlich längere Zeit. Das Arbeitsklima ist bisher sehr gut, man wird gut eingearbeitet und wenn es Probleme gibt,kann man sie offen ansprechen. Ich bin bestimmt kritisch, aber die Kritik muß berechtigt sein und das ist sie bei Zalando zumindest nicht!
18.08.12 - 16:27
qwrff@gmx.de
na zum glück gibts ja jetzt die werkverträge. das sind quasi zeitarbeiter, die offiziell keine sind, sondern nur einen sogenannten "werksvertrag" haben, weil man dann nicht die lohnuntergrenze für zeitarbeiter einhalten muss. die kann man dann noch weit unter 7,01 €/h bezahlen. das ist dann sozusagen die unterste kaste im sytem. übrigens die riesigen produktionshallen die mit erheblichen investitionsmassnahmen (zalando 22 mio €!!) errichtet werden, gehören nichtmal den firmen sondern ausländischen partnern. bei zalando z.b. einer holländischen firma.
18.08.12 - 15:56
Andrea P.
@alles auf die Halde: Finde den Kommentar auch völlig daneben. Viel bemerkenswerter erscheint mir, dass Erfurt zunehmend Zentrum der Logistiker wird, die ihre Beschäftigten mit Hungerlöhnen abspeisen, für ihre Investitionen aber Millionen Steuergelder abkassieren.. Investitionstourismus..., wer zahlt am Besten? Die Hallen sind in ein paar Jahren abgeschrieben und dann zieht die Karawane weiter. Bis dahin wird der Windmüller Machnig vielleicht schon in Berlin sein Unwesen treiben und jede Schuld weit von sich weisen. Was solche Traumtänzer wert sind, zeigt gerade aktuell der politische Aufsichtsrat am Großflughafen Berlin-Brandenburg. Keiner hat Schuld, wie immer......
18.08.12 - 15:17
Nathan der Weise
Da investiert man nun endlich wie am Schnürchen im unlängst unter Wert dargestellten Osten/Mitte Deutschlands und was passiert? Diese zwei nörgelnden Elemente unter mir suchen nur wieder ein Haar in der Suppe. Überproduktion in Blechkästen, oh wie schlimm, und wenn sie unterirdisch umgeschlagen würde, dann würde es da wieder Sprüche geben. Außerdem muss es ja ein Ort geben, von dem alles verteilt wird, das als Überproduktion darzustellen, ist schwach. Dann doch lieber 15 Jahre auf den Trabant warten, Hauptsache keine Überproduktion, nicht wahr?
18.08.12 - 14:56
alles auf die halde
In den 1920er Jahren hat man die Überproduktion ins Meer oder in den Straßengulli geschüttet. Heute nutzt man dazu riesige Blechkästen vor der Stadt. P...onic lädt seine Eletro-Überproduktion (die keiner kaufen will) in Erfurt ab. Z...ndo lädt die Klamotten-Überproduktion (die keiner kaufen will) in Erfurt ab. Und ein Buchhändler lädt bald seine Ladenhüter (die keiner kaufen will) in Erfurt ab. Alles sponsored by Machnig und Bausewein. Vereinte Inkompetenz. Wieviel totes Kapital wird wohl zukünftig noch in Erfurt abgeladen, auf Steuerzahlerkosten?
18.08.12 - 11:59
Thorsten Berger
Ich weiss, "Recherche" ist ein Fremdwort, auch in Raues zu Grunde gerichteter TA. Trotzdem: hat sich jemand in dieser Redaktion schon mal die Mühe gemacht, die abgedruckten Jubelmeldungen nach einiger Zeit nochmal einem Realitätscheck zu unterziehen? Also mal nach drei oder sechs Monaten schauen, ob wirklich die "bis zu xxx Jobs" geschaffen wurden? Oder ist das bei bestellten Jubelstücken nicht üblich? Ich weiss: rhetorische Frage, die sich selbst beantwortet...
 
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