Bundestagsvize Thierse verteidigt die geplante Papstrede

Mit Unverständnis hat Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) auf die Forderung einiger SPD-Abgeordneten reagiert, die Rede von Papst Benedikt XVI. im Bundestag zu boykottieren. Mit dem 68-jährigen Politiker, der Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist, sprach Peter Rathay.
Der Bundestagsabgeordnete Rolf Schwanitz will die Papstrede boykottieren - hat Sie dieser Vorstoß überrascht?

Wir sollen die Äußerung eines Fraktionsmitglieds der SPD nicht überschätzen. Ich weiß, dass Rolf Schwanitz ein kämpferischer Atheist ist - und wir leben in einem freien Land.

Angeblich gibt es bereits 146 Bundestagsabgeordnete, die das Vorhaben unterstützen.

Das ist eine Falschmeldung. Herr Schwanitz hat einen Brief an die 146 SPD-Abgeordneten geschrieben. Bei den meisten Kollegen stößt seine Attacke aber auf Ablehnung.

Schwanitz begründet seinen Vorstoß mit der zwingenden weltanschaulichen Neutralität des Staates. Können Sie das Argument zumindestens nachvollziehen?

Überhaupt nicht. Die weltanschauliche Neutralität des Staates wird nicht beschädigt, wenn dieser Gast im deutschen Bundestag auf Einladung des Bundestagspräsidenten auftritt.

Schon häufiger haben Päpste vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen gesprochen, auch vor vielen anderen Parlamenten. Und dort gab es nie Bedenken. Das ist eine besondere Angst von Rolf Schwanitz.

Weitere Vorwürfe sind, die Kirche habe durch ihre Missionierung eine Mitschuld an der Unterdrückung von Millionen Menschen?

Das sind absurde bis ins Lächerliche gehende Behauptungen, sofern sie die Gegenwart betreffen.

Am Ende sind alle Abgeordneten frei in ihren Entscheidungen...

Natürlich. In Deutschland gilt die Religions- und Meinungsfreiheit. Wir haben viele Menschen, die einer Kirche angehören und es gibt Menschen, die keiner Kirche angehören - alle haben das Recht, sich zu äußern. Einige mögen und respektieren den Papst, andere lehnen ihn ab und verachten ihn.

Was erwarten Sie als Katholik von der Rede des Papstes?

Ich hoffe sehr, dass er etwas sagt über die geistigen Grundlagen des Zusammenlebens in einer globalisierten Welt. Er ist Oberhaupt einer Weltkirche, die sozusagen selber eine globale Institution ist und die deshalb mit wichtigen Themen in besonderer Weise vertraut ist.

Glauben Sie, dass das Treffen des Papstes mit Spitzenvertretern der Evangelischen Kirche in Erfurt ein besonderes Zeichen ist?

Er besucht das Land der Reformation und dass er da mit Vertretern der evangelischen Kirche zusammenkommt, ist ein begrüßenswerter und zugleich sehr normaler Vorgang.

Zeigt die interne Diskussion um den Boykott einmal mehr auf, in welchem unruhigen Fahrwasser sich die SPD und ihr Vorsitzender Sigmar Gabriel derzeit befinden?

Nein, überhaupt nicht. Sie zeigt nur, dass die SPD eine wirkliche Volkspartei ist, in der eben Menschen unterschiedlicher weltanschaulicher und religiöser Überzeugung zusammenarbeiten.


Peter Rathay / 29.06.11 / TA
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Kommentare
24.07.11 - 19:47
Aufdecken statt vertuschen
Lieber Herr Thierse, langsam wird es aber ungemütlich. Spiegel online schreibt am 24.7.2011 erneut: "Kirche vertuschte Missbrauchsfall". Joseph Ratzinger ist der Hauptverantwortliche der Vertuschungen, was neue Verbrechen begünstigte. Die irische Regierung erwägt deswegen, die diplomatischen Beziehungen zum Vatikan abzubrechen. Und die deutschen Bundestagsabgeordneten? Wie lange wollen sie die Verantwortung ihres "Staatsgastes" noch vertuschen?
30.06.11 - 18:35
Jens
Ihr Engstirnigen, Ihr hört doch gleich immer die Glocken klingen. Der Heilige Stuhl ist Völkerrechtssubjekt genau wie das Rote Kreuz und alle z.Z. wohl so 200 Staaten dieser Erde. Der Papst ist Vertreter eines völkerrechtlichen Subjektes, ebenso wie Merkel, Sarkozy oder jedes andere Staatoberhaupt. Kofi Annan sprach im Bundestag, Jaces Chirac,Mandela, Bush, sen. und auch Shimon Peres. Nicht nur die gestählten ewig Gestrigen unten euch werden sich an letztere Aktion erinnern. Warum sollte man dem Staatsoberhaupt eines weiteren, wenn auch flächenmäßig erheblich kleineren Landes dieser Erde, eine Rede vorm BT verbieten? Mit Laizismus hat das etwa so viel zu tun wie Kuchen backen mit Popobacken.
30.06.11 - 07:35
unbequem
Oh man, was hat denn Herr Thierse geraucht um einen solchen Mist von sich zugeben?
29.06.11 - 09:26
nerz
Herr Rathay,ein Interview mit Herrn Thierse ist im Hinblick auf sein Wirken und seine Fauxpass in seinem Hohen Haus vollkommen überflüssig.Der Oberpfaffe in unserem Parlament eine Zumutung für jeden aufgeschlossenen Menschen.Welch Pfaffengazette dieses Blatt "TA" darstellt,konnte man vor Kurzem in dem Beitrag über den Weg des Pfaffen im Augustinerkloster bewundern.Kein Bürger kann ihn auf diesen Weg begleiten!!
29.06.11 - 07:03
L.Gleichmann
Pabstrede=himmelskomischer Schwachfug. Den Müll braucht niemand.Ratz, verpiss Dich.
 
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