Der Film "Löwenzahn - Das Kinoabenteuer" wird auch in Thüringen gedreht
Porträt
Der Schauspieler Guido Hammesfahr spielt auch im Kinofilm "Löwenzahn" den Fritz Fuchs. Foto: Sascha Fromm.
In der zweiten Drehwoche entsteht auf der Burg Ranis in Ostthüringen derzeit der Film "Löwenzahn - Das Kinoabenteuer". 2011 soll der Streifen, der auf der erfolgreichen ZDF-Kinderserie gleichen Namens aufbaut, Premiere haben. Gestern gewährte man Journalisten einen Zutritt auf der in diesen Tagen für Besucher verschlossenen Burganlage.
Ranis. Der Schauspieler Dominique Horwitz, der ohne Zweifel ein Star ist, wird in diesem Film nur wenig Sympathie ernten. Gewiss mit seinem grauen Anzug, himmelblauen Oberhemd und grauen Budapestern, ist er sehr elegant gekleidet. Allerdings ist er auch der Bösewicht. "Ich bin der James-Bond-Bösewicht für Kinder", räumte er gestern während einer Drehpause ein, um dann zu großer Form aufzufahren: "Selten erhält man die Gelegenheit, so Ekel erregend zu spielen. Selten erhält man die Aufgabe, Kinder zu erschrecken." Ob Dominique Horwitz als Kinderschreck taugt, wird man spätestens 24. März 2011 sehen, wenn der Film in die Kinos kommt. Von den ersten Aufnahmen - so war es gestern zumindest zu vernehmen - waren die Produzenten von ZDF und Studio.Tv.Film begeistert. In dem Kinostreifen stehen sich mit Roman Zenkert, gespielt von Dominique Horwitz, und dem Löwenzahn-Protagonisten Fritz Fuchs, gespielt von Guido Hammesfahr, zwei Figuren gegenüber, die sich bekämpfen, dereinst aber Schulfreunde gewesen sein müssen. Um einen Schatz zu heben, entführt Roman Zenkert, der mit düsteren Geschäften zu Reichtum kam, drei Welpen und von Fritz die Pläne einer seiner Erfindungen. So begibt sich Fritz auf die Suche. Die Verfolgungsjagd führt quer durch das Land, auch zu Zenkerts Wohnsitz - einer Burg. Dieses Gemäuer haben die Produzenten ausgerechnet in Thüringen ausfindig gemacht. "Wir haben nach einer Burg gesucht, die die Patina der Zeit mitbringt und noch nicht so gut saniert ist", sagte gestern Regisseur Peter Timm. Bis zu acht Thüringer Burgen sollen zur Auswahl gestanden haben. Doch Peter Timm entschied sich für die Wehranlage in Ranis, die über einen Rittersaal mit modernem Design verfügt und nunmehr als Wohnung für den überspannten Bösewicht Robert Zenkert dient. Ein Beweggrund für die Burg mag auch die finanzielle Unterstützung des Projektes durch die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) gewesen sein. Immerhin gibt die MDM rund 500.000 Euro für diesen Film, erklärte Britta Marcianiak. "Für das Kindermedienland Thüringen ist das genau der richtige Film." Ob sich so erklärt, dass 50 Prozent des Films in Thüringen gedreht werden, führte die MDM-Mitarbeiterin indes nicht aus. Nach der Burg Ranis wird inden folgenden Wochen in Kranichfeld, in Tambach-Dietharz, in den Feengrotten in Saalfeld sowie in Günthersleben-Wechmar gedreht. Einige Szenen sollen auch in Studios auf dem Gelände des Kinderkanals entstehen, sagte Peter Timm. Der berühmt-berüchtigte Bauwagen von Fritz Fuchs, den man als Zuschauer aus dem Fernsehen kennt, werde allerdings nicht nach Thüringen gebracht. Er verbleibe für Aufnahmen in Brandenburg.
Dennoch habe man mit Thüringen "wie immer sehr gute Erfahrungen" gemacht, versichert Produzent Albert Schäfer, der einst Programmgeschäftsführer der Ki.Ka war. Thüringen sei ein unverbrauchter Drehort. Ob dies in der Kombination mit einem Markenzeichen wie der Serie "Löwenzahn" einen Erfolg im Kino garantiert, ist hingegen offen. "Wir machen nicht nur einen längeren Fernsehfilm, sondern ein Kinoabenteuer der anderen Art", entgegnet Filmmanager Albert Schäfer. Fast 30 Jahre gibt es "Löwenzahn" schon, und 2006 verabschiedete sich mit dem Präsentator Peter Lustig eine Fernsehlegende. "Manchmal braucht es eine Reifezeit, ehe man einen derartigen Film wage", sagte Regisseur Peter Timm. Dass der Film ein außergewöhnlicher Kinderfilm sei, davon ist auch Albert Schäfer überzeugt. Im Gegensatz zu den bisher vorliegenden deutschen Familenfilmen seien die Hauptakteure größtenteils Kinder, die sich in Cliquen versammelt hätten. In "Löwenzahn" sei aber nur eine Rolle mit einem Kind vorgesehen. Es ist Laila, die von Ruby O. Fee gespielt wird. Sie begleite Fritz Fuchs bei seinen Abenteuern. Auch Guido Hammesfahr selbst sieht in dem Film mehr als nur ein Spin-Off der Serie, wie man in der Unterhaltungsindustrie ein derartiges TV-Derivat nennt. In der Fernsehserie würden meterlange Versuchsreihen aufgebaut. Im Film dagegen sei viel mehr Action zu sehen. "Es geht wirklich um Leben und Tod", sagte Guido Hammesfahr im TA-Gespräch. Die Actionszenen habe er manchmal sogar selbst übernommen. Und vermutlich wird er dabei wieder von den Freunden aus der Serie unterstützt, die bei den Dreharbeiten allesamt auf Burg Ranis vertreten sind. So spielt auch der unvergleichliche Helmut Krauss wieder den grantelnden Nachbarn Paschulke, Sanam Afrashteh die bezaubernde Yasemin und Sabine Orléans die freundliche Briefträgern. Das ZDF will den Film natürlich auch im Fernsehen zeigen. Wann es so weit sein wird, das ist noch offen, erklärte gestern eine ZDF-Redakteurin. Auf alle Fälle zu Weihnachten; ob nun 2011 oder 2012.