Liberale vermitteln zwischen Thüringen und Thüringen

  • Eine Thüringer FDP-Delegation mit Fraktionschef Uwe Barth (4. v. r.) und dem Abgeordneten Heinz Untermann (3. v. r.) weilt "bi üs do z Thürig" in Österreich. Foto: Jens Panse Eine Thüringer FDP-Delegation mit Fraktionschef Uwe Barth (4. v. r.) und dem Abgeordneten Heinz Untermann (3. v. r.) weilt "bi üs do z Thürig" in Österreich. Foto: Jens Panse
Die FDP-Landtagsfraktion will einer Voralpen-Gemeinde bei der Partnersuche im Freistaat helfen.
Thüringen. "Bi üs do z Thürig" - den Titel des gemeindlichen Mitteilungsblattes musste sich die Landtagsdelegation aus dem fernen Erfurt erst einmal übersetzen lassen. "Bei uns da in Thüringen" erscheint monatlich und wird an alle Haushalte der vorarlbergischen Kommune verteilt. "Thürig" - so nennen die Einheimischen ihr Dorf im Dreiländereck zwischen Liechtenstein, der Schweiz und Österreich noch heute, auch wenn das Ortseingangsschild seit mehr als hundert Jahren in reinem Hochdeutsch von "Thüringen" spricht.

Von der Namensgleichheit angelockt, stieß die sechsköpfige Delegation der FDP-Fraktion im Thüringer Landtag in der vergangenen Woche auf ein Bilderbuchidyll dörflichen Lebens. Geschätzte 700 Häuser lagen weitläufig im Tal der Lutz. Dazwischen lagen Kühe im Gras. Im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der Alpen.

Thüringens Bürgermeister Harald Witwer nahm die freistaatlichen Liberalen mit auf einen kurzen Rundgang durch den Ort und die heimische Wirtschaft. Etwa ins örtliche Werk eines international bekannten Herstelles von Elektrowerkzeugen. "80 der 500 Angestellte sind Lehrlinge", berichtete Werkleiter Peter Bühl. Die Lehrwerkstatt wurde 2009 zum besten Lehrbetrieb Österreichs gekürt.

Die Energie für die heimische Wirtschaft hofft Witwer künftig am Ortsrand zu generieren. Eine Millionen Kilowattstunden Strom will Thüringen einem 78 Meter hohen Wasserfall abtrotzen. "Das Projekt ist eingereicht, wir hoffen, dass wir noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen können", so Bürgermeister Witwer. Geplant ist mit einer Nachbargemeinde auch, einen gemeinsamen Bauhof aufzubauen und den kommunalen Fuhrpark nach und nach auf Elektrofahrzeuge umstellen zu können. Die beiden Bürgermeister fahren bereits heute schon rein elektrisch.

Überhaupt setzt Thüringen "auf interkommunale Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden", erläuterte Witwer den Freidemokraten um Fraktionschef Uwe Barth . Das zeigt sich auch im integrierten Pflegeheim im benachbarten Ludesch. Die Einrichtung wird von neun Gemeinden in der Region als Kooperationsprojekt betrieben. "Wir wollen alle stationären und ambulanten Dienste vernetzen und Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger schaffen", erklärte Geschäftsführer Dieter Jenny.

Umso weniger stationäre Pflege erforderlich sei, umso weniger Kosten würden letztlich entstehen. Vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung im ebenfalls ländlich geprägten Freistaat Thüringen nannte Barth diese Form der Zusammenarbeit "beispielhaft".

Doch längst blicken die Thüringer in Österreich über ihren lokalen Tellerrand hinaus - wenn auch bislang vergebens. Eine internationale Partnerschaft steht schon seit längerem auf dem Wunschzettel der Alpen-Thüringer. Und natürlich käme eine passende Kommune aus dem Freistaat sehr gelegen. Doch die bisherigen Kontakte auf offizieller Ebene liegen offenbar so weit in der Vergangenheit zurück, dass der örtliche Dorfchronist Richard Nigsch darüber Auskunft geben musste.

"Anfang der 90er-Jahre hat es schon einmal intensive Kontakte mit dem Land Thüringen gegeben", erinnert er sich. Medienvertreter und später auch ein paar Beamte der Staatskanzlei hätten sich um Kontakte bemüht. Doch dabei blieb es dann.

Bei der Suche nach einer Partnergemeinde will nun die FDP-Landtagsfraktion behilflich sein - erste Kandidaten hat Barth bereits angesprochen.


Matthias Thüsing / 15.05.12 / TA
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