1.Thüringer Kaninchensport Jena e.V. Kaninhop: Zu sportlichen Höchstleistungen erzieht Lina Deppner ihr Haustier. Hier beobachtet sie, wie Kaninchen Watte über das Hindernis springt. Foto: Tino Zippel
In Jenalöbnitz trainiert der erste Kaninchensportverein Deutschlands.
Jenalöbnitz. Einen Moment nur bleibt "Zuckerwatte" vor dem Hindernis stehen. Dann legt sie den Kopf schief, schaut kurz skeptisch, springt und überwindet die Hürde mit Leichtigkeit. "Viel zu einfach" , sagt Claudia Fehlen vom Kaninhop Jena. Dabei hat ihr weißes flauschiges Kaninchen mit dem klangvollen Namen gerade einen riesigen Satz von einem Meter getan. Die Ansprüche sind eben hoch in Jenalöbnitz. Immerhin ist man schon seit vier Jahren im Training und damit der erste Kaninchensportverein Deutschlands. Angefangen hat alles mit zwei Blumentöpfen und einem Brett darauf. Ganz klein also, irgendwann 2007 mit Claudia Fehlen und ihrem Kaninchen. Irgendwann habe sie spitzgekriegt, dass es genauso schlau sei wie ihr Hund, erzählt sie, und dann eben angefangen ihm verschiedene Tricks beizubringen. "Im Kreis laufen lernen und solche Sachen gingen ganz schnell, aber das war mir irgendwie zu wenig.", Sie forschte im Internet und stieß dabei auf Kaninhop eine Sportart, die in Deutschland noch fast unbekannt ist, sich aber in skandinavischen Ländern wie Dänemark und Schweden schon großer Beliebtheit erfreut. Vier Jahre ist das jetzt her und seitdem hat sich Einiges getan. 13 Mitglieder hat der Verein, auch die Hürden haben sich verändert. Alle sind selbst gebastelt und liebevoll bemalt, riesige Möhren sind da, auch Körbchen mit bunten Ostereiern, ein Wassergraben und eben der Weitsprung, Zuckerwattes Liebling. Dazwischen liegen jeweils Plastikrohre oder ebenso bunt bemalte Holzstangen auf, sie legen die jeweilige Höhe oder Weite der Hürde fest. Darunter hat Claudia Fehlen blaurot gemusterten Teppich gelegt, damit den Krallen nichts passiert und sich die Tiere nicht an den Pfoten verletzen. Sie springen ganz ohne Leine über die Hürden. "Kaninchen springen in der Natur von sich aus sehr viel. Der Sport ist also vollkommen artgerecht", erklärt sie.
"Stall- und Wohnungskaninchen sind ohnehin unendlich dankbar für diese Bewegung im Grünen", sagt sie, "gerade heute wo die Sonne scheint und keine Wolke am Himmel zu sehen ist." Zusätzlich als Belohnung gibt es zwischendurch Kraulen, durchs Fell streicheln, gutes Zureden, auch mal ein extra Leckerli aus der Futterbox. Zuckerwatte scheint heute besonders gut drauf zu sein. Das Zwergwidder-Löwenköpfchen setzt sein Training selbst dann unbeirrt fort, als der Nachbarshund sich mit lautem Gebell nähert, dreht weiter seine Runden im Parcour. Überhaupt: Zuckerwatte von der Kumuluswolke der Name könnte nicht besser passen, findet seine Besitzerin. "Sie sieht aus wie Zuckerwatte und springt bis in die Wolken", sagt Claudia Fehlen und lacht: "Spitzensportler brauchen auch Spitzennamen. Und den haben sie bei uns fast alle." Neben der Zuckerwatte warten am Rand der Trainingsstrecke auch noch Holle Dê la Crême, C`est la vie Napoleon, Snoopy und Cäsar neben einigen Anderen. Wie gut die Tiere dann tatsächlich springen können, ist Trainingssache und Sache des Vertrauens zum Besitzer. Es gehört für ein Kaninchen Einiges dazu, beim Wettkampf in fremder Umgebung zu springen und sich nicht umzudrehen vor dem Start, zurück zu rennen und an den Besitzer fest zu krallen. "Kaninchen sind von Natur aus Fluchttiere. Für sie ist es schwierig über ein undurchsichtiges Hindernis zu springen ohne zu wissen, was dahinter wartet", weiß Claudia über ihre Sportler zu berichten. Auch unter Kaninchen gibt es Hochspringer und Weitspringer, die eben das Eine oder Andere besser beherrschen. Beim Wettkampf erfolgt die Klasseneinteilung nach gerader Bahn und Parcour, nach Höhe in den Kategorien leicht, mittelschwer und schwer. Zwischen acht und zwölf Hürden gilt es zu überwinden und dabei möglichst wenige zu reißen. Zwei Durchläufe müssen die Kaninchen bestreiten: einen nach Fehlern und einen nach Zeit. Bisher wird Kaninchensport in Deutschland meist in Zuchtvereinen betrieben, meist von einer kleinen Gruppe von Jugendmitgliedern. "Der in Jena ist der erste reine Sportverein", sagt Claudia Fehlen nicht ohne Stolz. Sie und die anderen Mitglieder bestreiten bundesweit Wettkämpfe und Auftritte, und bewerben dabei den Kaninchensport. In diesem Jahr stehen unter anderem Turniere in Wolfenbüttel und Döbeln sowie ein Auftritt beim Sommerfest der Jenaer Kinderklinik an. Dort will Kaninhop Jena allen zeigen: "Kaninchen können mehr als hübsch und niedlich aussehen."