Neonazis und Flüchtlinge prügeln sich bei Demo vor dem Landtag

  • Neonazis griffen die Flüchtlinge vor dem Landtag in Erfurt an. Foto: Sascha Fromm Neonazis griffen die Flüchtlinge vor dem Landtag in Erfurt an. Foto: Sascha Fromm
Plakate wurden entrissen, Fäuste flogen: Vor dem Thüringer Landtag in Erfurt kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Flüchtlingen und Neonazis. Bei ihrem Protestmarsch von München nach Berlin wollen die Flüchtlinge auf ihre Situation mit Residenzpflicht und anderen Reglementierungen aufmerksam machen. Bei einer Pressekonferenz vor dem Landtag kam es zu dem Eklat.
Erfurt. Rechtsextremisten haben bei einer Kundgebung von Asylbewerbern am Landtag in Erfurt einen Zusammenstoß provoziert. Neun Sympathisanten des rechten Spektrums störten am Dienstag mit Flugblättern und Transparenten, deren Inhalte Bezug zur NPD hatten, die Demonstration von mehr als 50 Teilnehmern, wie ein Polizeisprecher sagte. Bei der Aktion kam es zu Handgreiflichkeiten. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Die Flüchtlinge, die vor einer Woche zu einem einen Protestmarsch von Würzburg nach Berlin aufgebrochen waren, hatten die Kundgebung vor dem Landtag angemeldet. Mehr als 20 Asylbewerber und zahlreiche Unterstützer forderten die Schließung von Asylbewerberheimen, die Aufhebung der sogenannten Residenzpflicht, eine Arbeitserlaubnis und das Ende des Gutscheinsystems.

Mitglieder des NPD-Bundesvorstands hatten zum Protest gegen den Marsch aufgerufen. Während der Kundgebung kamen Augenzeugenberichten zufolge die Rechten plötzlich auf die Teilnehmer zugelaufen. Unter ihnen waren Teile der Parteiführung der Thüringer NPD, wie die Linkspartei mitteilte.

"Nach Informationen unserer Zeitung sollen die Neonazis ihren Angriff im Internet angekündigt haben. "Davon ist mir bisher nichts bekannt, aber wir werden das natürlich prüfen", sagte Dirk Sauter von der Landespolizeidirektion auf Anfrage von Thüringer Allgemeine Online. Auch ob es Verletzte gegeben hat, ist bisher nicht klar.

Rechte Parolen auf Transparenten

Teilnehmer der Demonstration stellten sich laut Augenzeugen den Rechten entgegen und nahmen ihnen die Transparente ab. Dabei sei es zu Rangeleien gekommen. Die Polizei soll die Gegendemonstranten nicht aufgehalten haben. Es seien anfangs lediglich drei Beamte vor dem Landtag gewesen.

Die Polizei habe nach der Auseinandersetzung die Personalien der Rechten aufgenommen, sagte der Polizeisprecher. Gegen sie werde wegen Störung der Versammlungsfreiheit ermittelt. Die Demonstration der Flüchtlinge wurde am Nachmittag durch die thüringische Landeshauptstadt fortgesetzt.

Der Vorsitzende der Thüringer Linksfraktion, Bodo Ramelow , erinnerte in diesem Zusammenhang an den geplanten Protest am Donnerstag (20. September) vor dem Landtag "gegen den braunen Ungeist". Weiter sagte er: "Die NPD hat heute erneut ihren zutiefst rassistischen und antidemokratischen Charakter gezeigt." Für Donnerstag haben Gewerkschaften, Initiativen und Parteien zu Protesten gegen eine NPD-Veranstaltung im Umfeld des Landtages aufgerufen.

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Astrid Rothe-Beinlich , zeigte sich schockiert über den Vorfall. Für das Verhalten der Polizei habe sie keinerlei Verständnis und forderte Aufklärung. Der FDP-Innenexperte Dirk Bergner nannte es beschämend, dass Flüchtlinge Opfer nackter Gewalt würden.

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Jan Hollitzer und unsere Agenturen / 18.09.12 / TA/dapd
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Kommentare
18.09.12 - 16:20
Kuschel
Wer heute alles Aktivist ist!!! Ich kenne nur einen und das ist Adolf Hennecke!
18.09.12 - 16:15
Karl Meyerbeer
> Wenn der Auftritt der Nazis im Internet > angekündigt wurde, warum gab es keine > massive Polizeipräsenz? Hat sich > Thüringen noch nicht genug zur > Lachnummer der Nation degradiert? Vielleicht ist die Erfurter Polizei noch dabei, zu prüfen, ob bei der NPD ein rechter Hintergrund vorliegt.
18.09.12 - 16:09
Birgit
Genau richtig, das Propagandamaterial den Nazis gleich wegzunehmen. Sie sollen ihre Hassparolen gar nicht erst verbreiten können. Übrigens, der Marsch ist von Würzburg nach Berlin, nicht von München aus.
18.09.12 - 16:06
@Querdenker
Anmerkung der Redaktion: Dieser Kommentar verstieß gegen die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und wurde deswegen entfernt.
18.09.12 - 16:03
Querdenker
Es dreht wohl eher die Mitte am Rad, welche Politik einfach geschehen lässt und in seltsamer Agonie erstarrt. Genau das ist gefährlich für eine Demokratie und nicht wenn "linke" und Flüchtlinge für Politik auf die Straße gehen. Und es ist doch wohl klar, dass Flüchtlinge die von der Abschiebung bedroht sind nicht einfach Neonazis zuschauen wie sie ihre Hassparolen verbreiten. Wir sprechen hier von Neonazis... ist euch das klar? Wenn man anfängt Rassisten zu tolerieren gefährdet man eben dadurch alles demokratische. Ist ja nicht so, dass hier keine NSU die auch Kontakte zu vielen NPDlern hatte einfach Menschen exekutierte... Die unter euch die meinen Nazis offen gegenüber zu treten hätte was mit Intoleranz zu tun den Frage ich: Wie man denn faschistischen Bewegungen dann begegnen soll? Antirassismus Unterschriftenaktionen von Frau Merkel und die Arbeit des Verfassungsschutz tragen sicherlich nicht dazu bei. Wer trotz aller rassistischen Gewalt hier in der BRD Toleranz für Faschisten predigt, der sollte sich noch einmal mit der Geschichte des Faschismus befassen. Denn gibt es erstmal Macht für solche Gruppierungen ist die Hetzjagt schon nicht mehr abwendbar. Und noch eins: Wer Demokratie befürwortet muss auch Menschen die aus undemokratischen Verhältnissen fliehen Asyl bieten. Alles andere wäre scheinheilig. Also deutscher Michel leg doch mal die BILD weg und engagiere dich lieber gegen Antidemokratische Bewegungen anstatt das "pseudomoralische Recht-Links-Extremismus ist beides schlecht" vor sich hin zu predigen. Wer ist denn überhaupt diese moralisch immer korrekt handelnde Mitte? Wo hilft sie gegen Rassismus und schützt Minderheiten? Wo war sie in Rostock und Hoyerswerda? Ach stimmt... da hat die Mitte zusammen mit Faschisten Asylheime angezündet! Das Problem ist das eben nicht alle am Rad drehen, weil diese sich selbst idealisierende Mitte denkt, dass Demokratie durch einen Automatismus funktioniert. Ich empfinde diese "Mitte" auch als "extrem"!
18.09.12 - 15:59
Dirk
Wenn der Auftritt der Nazis im Internet angekündigt wurde, warum gab es keine massive Polizeipräsenz? Hat sich Thüringen noch nicht genug zur Lachnummer der Nation degradiert?
18.09.12 - 15:59
@@Gerscher Patriot
Das würdest Du dir aber dann nochmal gut überlegen,wenn Du mich dann siehst...hihi
18.09.12 - 15:55
@Gerscher Patriot
Anmerkung der Redaktion: Dieser Kommentar verstieß gegen die Allgemeinen Nutzungsbedingungen und wurde deswegen entfernt.
18.09.12 - 15:55
Redaktion
Sehr geehrte Nutzer, wir bitten Sie dringend um einen sachlichen Tonfall. Die Redaktion sieht keine andere Möglichkeit als die Kommentarfunktion zu sperren, wenn Sie nicht wieder zu einer objektiven Diskussion zurückfinden.
18.09.12 - 15:50
asdf
Endlich passiert mal was, endlich setzt sich jemand zur Wehr gegen die braune Pest!
18.09.12 - 15:32
@ Axl Dope
Halloooooo?! Lass uns mal normales Niveau beibehalten. Siehe zweites Bild...kreisförmiges Symbol mit rot-schwarzer Fahne...antifaschistische Aktion. Ist nicht der linken Szene zuzuordnen?! Hm,dann bin ich wohl falsch informiert...
18.09.12 - 15:32
Gerscher Patriot
Hoffentlich haben, die Anstifter und Helfer der sog.Flüchtlinge,ordentlich was auf die Glocke bekommen! Den Gegendemonstranten mein Dank. Gut zu wissen,es gibt noch Leute,denen unser Land nicht egal ist.
18.09.12 - 15:17
Axl Dope
Heißt es nicht immer -Angriff ist die beste Verteidigung-?! Was die Faschos im Sinn hatten dürfte jedem mit wenigstens einer funktionstüchtigen Gehirnzelle klar sein. Und seit wann sind Flüchtlinge bitte automatisch links?! Oô
18.09.12 - 15:08
Karl Meyerbeer
Endlich wehrt sich mal einer gegen den ständigen Nazistress!
18.09.12 - 14:59
uwe ostertag
so wie ich aus dem erlese, da haben die "asylbeantrager" die prügelei praktisch angefangen. noch fragen? es steht drinnen, dass die neonazis abgeführt wurden, aber nicht die asylbewerber...das verstehe ich noch weniger.
18.09.12 - 14:54
an den Naiven#2
"Mein Haus, mein Auto und meinen Hof putze ich, kein Ausländer." Schön das du ein Haus hast. "Aktuell ist in Deutschland jeder Fünfte von Armut bedroht, egal ob Deutscher oder Ausländer." Liegt wohl am System. "Jeder verfolgte Ausländer ist hier absolut willkommen" Schön das du so offen bist. ", sofern er willig ist sich hier auch zu integrieren." Solang er sich keine Lederhosen anziehen soll und Christus und sein Geschwafel ehren soll, schön und gut und ja nicht zu vergessen das Deutschtum.. "Alle anderen sollen bitte wieder gehen." steht ja für sich "Was hat das mit Rassismus zu tun?" Ne Mengele. Fahr mal nach Bremen und besuche den Miri Clan. Mal sehen wie weit du dort mit singen und tanzen dort kommst... Blablabla, komm du mal auf den ins Nazi und Spießerghetto und lauf mit ner Roten Fahne rum. Sarkasmus aus.Z
18.09.12 - 14:52
Außenstehender
Warum heißt es,dass die Neonazis den Angriff angekündigt haben?! Sie haben doch nicht angegriffen,laut Berichterstattung griffen die Flüchtlinge die Neonazis an... Man muss aufpassen wer hier schuldig ist, die linke Szene ist mittlerweile genauso gefährlich wie die Rechte. Denn auch im Rahmen der Berichterstattung Michaelisstr. und Umfeld wurde einiges verdreht... Ob Rechts oder Links...die drehen aktuell alle am Rad.
18.09.12 - 14:51
Axl Dope
@kein Nazi: Weil jemand sagt das es so war, war es also auch so?! Ach stimmt, es gab ja auch nie 'ne Mauer, denn Ulbricht sagte ja das niemand vorhätte eine solche zu bauen. -.-' Warst du dabei um die Aussage des Fotografen zu stützen?! Falls nein, Klappe halten.
18.09.12 - 14:44
kein Nazi
@nie wieder extremismus wer lesen kann ist klar im Vorteil, es steht geschrieben, "als die Flüchtlinge die Gruppe sahen, rannten sie in deren Richtung." Also wollten die doch Streß, sonst wären sie doch in die andere Richtung gerannt und hätten vielleicht auch durch die Polizei geschützt werden können. Wenn jemand auf mich zurennt darf ich mich verteidigen, Noitwehr heißt das im deutschen StGB. Punkt um, so ist es nun mal, auch wenn es dem ganzen linken Geprassel nicht paßt !
18.09.12 - 14:33
Nie wieder Extremismus!
Die Kommentare hier sind mal wieder fantastisch... Werte Kommentatoren, bitte verdrehen Sie doch nicht den Artikel! Es ist klar zu lesen, dass die Flüchtlinge der Presse ein Interview gaben, als eine Gruppe Neonazis auf sie zu kam. Dann (und erst dann) "rannten" die Flüchtlinge "in deren Richtung" und es kam zur Konfrontation. Wenn Sie schon die Darstellung der Zeitung kritisieren, sollten Sie den Artikel auch gelesen haben. Außerdem: Dass Sie hier nur kommentieren, weil Sie die Darstellung im Artikel für widersprüchlich halten, eigentlich ja niemanden in Schutz nehmen wollen etc., ist - mit Verlaub - so unglaubwürdig, dass ich bei einem weniger ernsten Thema herzlich darüber gelacht hätte!
18.09.12 - 14:25
unglücklich
Entschuldugung, es heißt natürlich: "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen" (Max Horkheimer)
18.09.12 - 14:21
an den Naiven
Mein Haus, mein Auto und meinen Hof putze ich, kein Ausländer. Aktuell ist in Deutschland jeder Fünfte von Armut bedroht, egal ob Deutscher oder Ausländer. Jeder verfolgte Ausländer ist hier absolut willkommen, sofern er willig ist sich hier auch zu integrieren. Alle anderen sollen bitte wieder gehen. Was hat das mit Rassismus zu tun? Fahr mal nach Bremen und besuche den Miri Clan. Mal sehen wie weit du dort mit singen und tanzen dort kommst...
18.09.12 - 14:14
Recht Schreibung
Frage ans Qualitätsmedium: Was sind den Fäsute?
18.09.12 - 14:10
Wer war der eigentliche Angreifer?
Zitat OTZ: "Als die rund 19 Flüchtlinge der Presse Auskunft über Vorhaben gaben, kamen von der Johann-Sebastian-Bach-Straße etwa 10 Neonazis und Mitglieder der NPD. Als die Flüchtlinge die Gruppe sahen, rannten sie in deren Richtung." Wieso wurden die Flüchtlinge nicht abgeführt, wo sie doch den Angriff offenbar starteten? Ich will in keinster Weise eine der beiden Gruppen verteidigen oder schützen, aber die Frage muss man sich doch stellen.
18.09.12 - 14:10
>RUND< 19 Flüchtlinge???
Wieso Angriff der Neonazis? Ihr schreibt doch selbst "Als die Flüchtlinge die Gruppe sahen, rannten sie in deren Richtung." Objektivität ist was anderes.
18.09.12 - 14:10
unglücklich
"Gegen Nazis sein, aber Ausländern konsequent Rechte absprechen" Wenn das mal keine rassistische Einstellung ist weiß ich auch nicht weiter. Dein "sauberes Deutschland" besteht aus einem friedlichen Haufen deutscher Menschen, die nur so gut miteinander können, weil die bösen Ausländer, Linken und Nazis "verschwunden" sind? Denk mal drüber nach und lies ein Buch! "Wer aber vom Faschismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen" (Max Horkheimer)
18.09.12 - 14:06
@beideseiten
Wenn ich sowas schon wiederlese! Warum soll ein Ausländer der in diesem Land leben möchte/muss da er "Zuhause" von Krieg und Armut bedroht ist nicht hier in Deutschland leben können und sich für Deutschland und für einen anderen Umgang mit Ausländern engagieren soll. Ich meine wer putzt denn bitte dein Haus, Auto und deinen Hof! Rassismusscheiße hier, ich hasse dieses deutsche "Verständnis"
18.09.12 - 14:01
Herr Schmidt
Das die Polizei nichts gweußt haben will ist schon ein starkes Stück. Selbst in den Pressemitteilungen zum Zug war davor gewarnt worden. Die PIRATEN beispielsweise schrieben: "Piraten aus ganz Thüringen werden vor Ort sein, um die Protestierenden zu unterstützen. Dringend notwendig ist dies nicht zuletzt, weil den Asylbewerbern auf ihrem Weg nach Berlin besonders gefährlicher Widerstand angekündigt wurde: Die NPD hat auf ihrer Webseite zum "kreativen Protest" gegen die Aktion aufgerufen. Deswegen ist es umso wichtiger, sich solidarisch zu zeigen und den Zug zu begleiten" http://www.piraten-thueringen.de/2012/09/piraten-thuringen-unterstutzen-und-begleiten-menschen-fur-die-menschlichkeit/
18.09.12 - 13:26
Beide Seiten
Diese Neonazis gehören in den Knast. Ohne irgendwelche Disussionen. Was mich aber auch stört ist, wieso fordern irgendwelche Asylanten hier in Deutschland irgendwelche Rechte ein? Wenn ihnen das Land mit seinen Regelungen nicht passt, dann haben sie sich das falsche Land ausgesucht. Bitte verlasst uns und alle Seiten leben in Frieden. Es wird Zeit, dass hier auch einmal die Daumenschrauben wie in anderen Ländern angezogen werden. Dort muss man Eintritt in fünfstelliger Höhe bezahlen. Die tun sich das nicht an, djeden Querulanten aufzunehmen.
 
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