Simsons Vogelserie lebt in Suhl weiter

  • Besuch des Oberbürgermeisters Jens Triebel bei der Firma MZA Meyer Zweiradtechnik Ahnatal. Foto: Rüdiger Galle
Simson lebt. Und das ist ganz erstaunlich zwanzig Jahre nach der Wende. Denn eine kleine Firma hat vor sieben Jahren nicht nur die Markenrechte, sondern auch große Lagerbestände und den einmaligen Maschinenpark des einstigen Mopedherstellers erworben. Seitdem verbucht die Firma satte Zuwächse.
Suhl. "Es ist ein kleines Wunder", sagt Falko Meyer. Er ist Geschäftsführer der Firma Meyer Zweiradtechnik Ahnatal (MZA). Immerhin hat sich die Zahl der Beschäftigten von 4 mittlerweile auf 12 gesteigert und der Umsatz klettert pro Jahr zwischen 10 und 20 Prozent nach oben. Und dafür sorgt Simson. Meyer: "Achtzig Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Simson, den Rest mit anderen Oldtimern aus der DDR." So ist MZA auch sehr gut durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gekommen. Der Oldtimer-Markt war davon unbeeindruckt, der Ersatzteilhandel blühte wie eh und je, heißt es. Denn in Garagen und Scheunen stehen noch hunderttausende Simson-Fahrzeuge. SR 2, Spatz, Star, Habicht oder Sperber und S 50/51 gammeln nicht vor sich hin. Viele werden aufgearbeitet, zu Schmuckstücken, aber was Firmenchef Meyer zunehmend auffällt, die Mopeds werden im Alltag genutzt.

Es sei drei Jahre nach der Wende gewesen, als die Nachfrage nach Ersatzteilen für die Vogelserie plötzlich sprunghaft stieg. Simson selbst hatte den Ersatzteilmarkt vernachlässigt. Das Unternehmen MZA erwarb Waren- und Lagerbestände, Werkzeuge und Urheberrechte nach der Insolvenz von Simson. Dazu kam das Recht für die Vermarktung des Namens Simson. Heute ist MZA Lieferant von Ersatzteilen für eine geschätzte Zahl von rund einer Million Simson-Mopeds, die noch auf den Straßen der Welt unterwegs sind.

Das erstaunte auch den Suhler Oberbürgermeister Jens Triebel (parteilos), der sich bei einem Betriebsbesuch in der Firma alles genau erklären ließ. MZA sitzt nicht irgendwo, sondern in einem der Gebäude, wo Simson früher produziert wurde, in der Meininger Straße 222 in Suhl. Die Hallen sind riesig, die Lager reichen bis unter die Decke und sind vollgestopft mit Ersatzteilen. Meyer: "Dennoch können wir viele tausend Artikel nicht oder noch nicht liefern." Einiges wird mittlerweile nachgebaut, nach alten Plänen. Historische SR 2 und SR 1 wurden beispielweise angekauft, um Ersatzteile nach den originalen Vorlagen zu bauen. Das alte Simson-Händlernetz existiert immer noch, wenn diese heute natürlich auch viele andere Zweiräder im Angebot haben. Aber an diese Fachhändler liefert MZA die Ersatzteile, einen Verkauf im Betrieb selbst gibt es nicht. Insgesamt werden 60 000 Produkte, vom Bowdenzug bis zum kompletten Motor, pro Jahr versendet. Auch nach Polen und Ungarn, zu DDR-Zeiten Hauptabnehmer für Simson-Zweiräder. Der Umsatz mit 10 Millionen Euro pro Jahr kann sich sehen lassen.


Frank Buhlemann / 15.06.10 / TA
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