Smoke on the Zither

  • Urviech: Wenn Willy Astor loslegt, hat das Publikum kaum Zeit, alle Gags zu erkennen und zu belachen ? ein aussichtsloser Wettlauf. Foto: Lutz Ebhardt
Willy Astor war am Samstagabend zum zweiten Mal im Kulturhaus und hat die dankbaren Zuhörer mit seinem unversiegbar scheinenden Wortwitz beglückt.
Gotha. Was macht der eigentlich? Kabarett? Ohne Bezug zur Politik geht nicht. Comedy? Dazu sind seine Einfälle viel zu intelligent. Ist Astor ein Komiker? Das allein wäre zu kurz gegriffen. Eine derb-volkstümliches Ernst-Jandl-Gewächs? Könnte was dran sein. Wortakrobat? Wie der unsere Muttersprache und ihre regionalen Abarten um- und umwendet, sie zerstückelt und in einem Wahnsinnstempo neu zusammenflickt, das verschlägt einem den Atem.

Nach einer Aufwärmübung im Dialog mit dem Publikum (Die würd' ich mir a bisserl aufheben, die kommt wieder, die Jacke) feuert er ein paar Papst-Kalauer von der Bühne ins Publikum. Da liegt der Oberhirte also am Strand, einem sehr kleinen ein Mini-Strand ist das eher, also ein Ministrant und liegt so lange in der Sonne, bis weißer Rauch aufsteigt. Dabei lauscht er seinem Lieblingslied von den Beatles: Oblati-Oblata. Ach ja, eine E-Mail-Adresse hat der Heilige Vater auch: urbi@orbi.

Als Astor auf die kleinen, dafür beinahe unbezahlbaren Wohnungen in seiner Münchener Heimat kommt, zitiert er singend Bettina Wegner: Sind so kleine Wände, winzige Zimmer drin, darf man nicht drin atmen . . . Und träumt von einem Haus in New Orleans.

Mit Vergnügen hört man die Sprache aufschreien, wenn er sie schöpferisch malträtiert: Pausenlos produziert er die Leiden der jungen Wörter. Zeit, die Kalauer als flach zu empfinden, hat man als Zuhörer aber nicht, dazu ist man viel zu sehr damit beschäftigt, all die hintergründigen, politisch unkorrekten Anspielungen erst mal zu sortieren.

Taktgefühl, sagen die Franzosen, bestehe darin, genau zu wissen, bis zu welchem Punkt man zu weit gehen darf. Doch darum schert sich Willy Astor nicht, als er Konstantin Weckers berühmtes anklagendes Lied vom Willi parodiert: Willy (diesmal mit Ypsilon) steht nicht gern früh auf. Und deshalb: Gestern hob' i mein' Wecker derschlogn ... un heit, un heit wird e begrobn.

Willy Astor veranstaltet einen irrwitzigen, schier endlosen Hindernislauf durchs Dickicht unserer Muttersprache, wobei er sich nicht scheut, die traditionelle Häme der Völkerschaften unterschiedlicher Kontinente im Umgang miteinander anzustacheln: Bayern, Franken, Hessen, Sachsen, Berliner . . . Und häufig tut er's singend, begleitet von Gitarre oder Keyboard. Da rappt er schon mal als Fasermacker, dem Sticken wichtiger ist als Kicken. Manchmal, wenn auch nur kurz, denkt man an Rainald Grebe. Egal, Willy Astor ist ein Musiker, der sein Handwerk versteht.

Das wird besonders deutlich in seinem abschließenden Programmblock, der mehr ist als nur eine Zugabe. Da wird seine Gitarre unversehens zu einer volkstümlichen Zither: Schrammelmusik. Doch plötzlich wummern die harten Sounds von Smoke on the Water. Noch sind wir nicht fertig damit, uns zu wundern, das spielt Deep Purple a Wiener Musi.

Zum wirklichen Schluss gibt das Multitalent auf der E-Gitarre eine Kostprobe aus dem Repertoire seiner Band Sound of Island und zeigt sich von einer ganz anderen Seite: Nautilus erklingt ein anspruchsvolles phantasievolles Stück, das uns träumend in unwirkliche Welten gleiten lässt.


Dieter Albrecht / 18.03.10 / TA
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