Sondershausen: Attraktive Stadthäuser als Ziel

  • Mit Geld und Ideen können hässliche Neubaublocks zu solch tollen Stadthäusern wie in der Crucisstraße werden. Foto: Nico Kiesel
Allein in der Kernstadt Sondershausen müssen tausend Wohnungen zurückgebaut werden. Diese Erkenntnis reifte in den 1990er-Jahren, weil die Abwanderung und der demografische Wandel schmerzhafte Realität wurden. Jetzt geht das Schleifen im "Wippertor 1" weiter.
Sondershausen. Im jüngsten Stadtrat wurde einstimmig beschlossen, den aktualisierten Bebauungsplan für das "Wohngebiet Wippertor I" öffentlich auszulegen, um die Bevölkerung frühzeitig über die Zwecke und Ziele zu informieren und mögliche Einsprüche zuzulassen. Auch die Behörden und sonstige Träger öffentlicher Belange sind im Vorfeld an den Veränderungen zu beteiligen. Und die sind gerade im Wippertor oder dem sogenannten Quartier enorm. Die Wohnungsbaugenossenschaft "Fortschritt" hat nach dem erfolgreichen städtebaulichen Ideenwettbewerb in der Crucisstraße 1 bis 12 schon mal gezeigt, was an Gestaltung möglich ist.

Doch mit dem Bau der attraktiven Stadthäuser wurden auch Wohnungen zurückgebaut. Das Schleifen der Plattenbauten ging und geht weiter, weil viel zu viele gerade in diesem Wohngebiet leer stehen. Sicher auch deshalb, weil die zu DDRZeiten so beliebten Neubauwohnungen heute einfach nicht mehr den Ansprüchen an ein modernes Wohnumfeld gerecht werden. Dabei verlieren die unsanierten Plattenwohnungen noch einmal, auch wenn sie gerade als Sozialwohnungen für Hartz-IV-Empfänger eine recht preisgünstige und machbare Lösung sind.

Kurz und gut: Die drei in diesem Sondershäuser Viertel vertretenen Wohnungsbauunternehmen "Wippertal", "Glück Auf" und "Fortschritt" werden bis zum völligen Umbauabschluss insgesamt 630 Wohnungen allein in dem Stadtteil geschliffen haben. Die neu geplanten Stadthäuser im Wippertor werden allerdings etwas anders aussehen als die in der Crucisstraße. Denn hier war das Herausschneiden von Bauelementen mit dem damit verbundenen anschließendem Stabilisieren viel zu aufwändig und teuer. Also hat man das Konzept des prämierten städtebaulichen Ideenwettbewerbes etwas abgeändert, erklärte Vize-Bürgermeisterin Conny Kraffzick (SPD) dazu im Stadtrat. Die neuesten Vorstellungen gehen dahin, die Blöcke im gesamten Quartier auf eine einheitliche Geschosshöhe zurückzubauen.

Auch das farbliche Gestaltungskonzept soll einem einheitlichen Bild folgen. Doch entgegen der ersten Stadthäuser wird künftig nur rechts und links von den Blocks etwas herausgeschnitten, um die Statik nicht zu sehr zu verändern. Im Inneren verschwinden zudem einige Blocks vollständig, während der äußere Ring erhalten bleiben soll. Um den Eindruck von Stadthäusern in einem attraktiven Wohnumfeld möglichst optimal zu erzeugen, sollen vor allem die hässlichen Kellereingänge verschwinden, Balkone attraktiver und das Gelände insgesamt angehoben werden.

Die heutige Länge der um zwei Ebenen runtergebauten Blocks soll möglichst erhalten bleiben. Auch Laubengänge sind geplant. Jedes der drei Wohnungsunternehmen habe hier eigne Vorstellungen. Gestaltungsspielraum ist da, aber nur im Rahmen des angestrebten attraktiven städtebaulichen Bildes des von Bund und Land geförderten Ideenwettbewerbes. Kraffzick warnte davor, vieles zu schnell zu erwarten. Bis das gesamte Wohnviertel wie geplant umgebaut ist, werden noch Jahre ins Land gehen.

Denn das Ganze ist mit enormen Kosten verbunden. Erfreulich sei, dass die Wohnungsbaugenossenschaft "Fortschritt" bereits seit einiger Zeit dabei sei, in der Weizenstraße 2 bis 8 moderne, behindertengerechte Wohnungen zu errichten, die zudem über einen Aufzug verfügten. Die Nähe zur Wipper werte das Wohnumfeld auf und locke hoffentlich begeisterte Mieter an, die sich sogar in einem eigenen Mietergarten treffen könnten.


Renate Rusche / 24.07.10 / TA
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