Spendenidee aus Ruhla: Für jeden Fußball-WM-Treffer ein Geldbetrag
Porträt
Pfarrer Gerhard Reuther aus Ruhla und die örtliche Kirchgemeinde rufen auf: Für jedes Tor bei der Fußball Weltmeisterschaft in Südafrika ein fester Geldbetrag als Spende für ein Kinder- und Jugendzentrum in Ruanda. Reuther erklärt sein Anliegen jungen Fußballern der Spielgemeinschaft Ruhla und Wutha-Farnroda Foto: Sven-Uwe Völker
Ein torreiches Turnier in Südafrika wünscht sich der Eine-Welt-Kreis im Erbstromtal. Er startet eine Aktion, mit der in Ruanda geholfen wird. Für jedes WM-Tor, das fällt, zahlen Teilnehmer einen freiwilligen Geldbetrag. Wie viel, das legt jeder selber fest.
Ruhla. "Zehn Cent pro Tor sollten es bitte mindestens sein." Gerhard Reuther organisierte bereits in seiner Zeit als Pfarrer in Stendal Unterstützung für notleidende Menschen in Afrika. Die Begeisterung für die erste Fußballweltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent möchte er nutzen. "Millionen feiern und fiebern mit ihren WM-Helden." Zugleich sei das Sportereignis ein riesiges kommerzielles Geschäft. "Es werden Millionen Dollar und Euro für Fanartikel und Fernsehgeräte ausgegeben." Reuther und seine Mitstreiter vom Eine-Welt-Kreis wünschen sich, dass das Interesse an Afrika auch das Interesse an Problemen der Bewohner erhöht. Tore für Menschen so heißt die Sache. Anmelden kann man sich übers Internet. Hier füllt man einen Vordruck aus: Name, Adresse und der selbst gewählte Spendenbetrag.
"Von Fußball habe ich herzlich wenig Ahnung. Allerdings bin ich trotzdem glühender Fan von Erzgebirge Aue", schreibt ein Rentner aus Arnstadt, der sich als einer der ersten angeschlossen hat. Vor einigen Wochen hatte er ein Konzert in der Winkelkirche in Ruhla besucht und von der Idee erfahren. Das "Afrika Requiem" erinnerte an die vielen Menschen, die bei der Flucht in Booten übers Mittelmeer nach Europa starben. Auch Daria Franke macht mit. Die Ergotherapeutin aus Ruhla bedauert: Die Aktion sei so toll, habe es aber schwer, sich gegen die kommerzielle WM-Reklame durchzusetzen. Mehrere Studenten der Universität Friedensau bei Magdeburg haben sich vor wenigen Tagen angeschlossen. Mit einem Schlag gibt es Teilnehmer aus Georgien, Burma, Ghana, Äthiopien und Österreich. Während der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland sind 147 Tore geschossen worden. Bei zehn Cent Einsatz hätte die Spende 14,70 Euro ausgemacht. Das Geld wird verwendet für das Kinder- und Jugendzentrum in Nyagatare. Erst im Februar überbrachte Reuther 18 000 Euro. Die Gruppe aus Ruhla und umliegenden Orten hatte lange dafür gesammelt. "Wir sind einen großen Schritt weiter. Die Berufsschule in Nyagatare ist im Rohbau fertig", berichtet Reuther. Der Pfarrer aus Ruhla steht in einem engen persönlichen Kontakt zu den Helfern vor Ort. Die Berufsschule soll Jugendliche fürs Leben fit machen, die infolge des Völkermords 1994 ihre Familien verloren haben. "Sie lernen Tischler, Schlosser und solche sehr praktischen Berufe."