Stadt Weimar begründet Tempo-20-Falle am Burgplatz
Porträt
Überraschung: Über Nacht machte die Stadt aus der Drei eine Zwei und kassiert. 366 Fahrer wurden bereits geblitzt. Foto: Christoph Heß
Mehr als einen Tag brauchte die Stadtverwaltung, dann konnte sie sich zu Auskünften an die Leserschaft über die neue Tempo-20-Zone am Burgplatz durchringen. Sie begründet die Änderung mit Touristen-Beschwerden und hält Information für überflüssig.
Weimar. Bereits seit Mitte Juni hat die Stadtverwaltung aus der Tempo-30-Zone am Burgplatz klammheimlich eine Tempo-20-Zone gemacht. Das räumte das Rathaus gestern auf Anfrage der Redaktion ein. Zunächst sei die Zone zwischen Burgplatz und der Einfahrt zum Grünen Markt ausgewiesen worden, seit Anfang Juli habe man diese bis zur Puschkinstraße erweitert. Als Begründung führt die Stadt "vielfache Beschwerden von Passanten" und Touristengruppen an, dass eine sichere Querung der Fahrbahn besonders an der Bastille und an der Bibliothek kaum möglich sei. Deshalb habe man sich nach Vorgesprächen mit dem Landesverwaltungsamt und der Polizei-Inspektion für eine Tempo-20-Zone entschieden. Eine Nachfrage der Redaktion bei der Polizei-Inspektion ergab die Auskunft: Der Bereich erfülle nicht die Kriterien eines Unfallschwerpunkts. Nach Auffassung der Verwaltung steht die Tempo-20-Zone sogar in Übereinstimmung mit dem Verkehrsentwicklungsplan. Dieser fordere, "die Barrierewirkung zwischen Altstadt und Park deutlich herabzusetzen". Warum die vorherige Tempo-30-Regelung, wie sie in Weimar an Schulen oder Seniorenheimen üblich ist, diesen Maßstab nicht erfüllen konnte, dafür machte die Stadt keinen Erklärungsversuch.
Eine besondere Information der Bürger über eine solche Änderung hält das Rathaus nicht für notwendig. "Bei Aufstellung von einzelnen Verkehrsschildern ist eine weitere Information nicht notwendig und auch nicht üblich", heißt es in dem Schreiben wörtlich. Dabei müsste es die Behörde besser wissen. Etwa zum gleichen Zeitpunkt hatte sie das von vornherein auffälligere Umkehren der Fahrtrichtung in der Windischenstraße nämlich durchaus veröffentlicht. Die Geschwindigkeitmessungen werden von Verkehrsteilnehmern vor diesem Hintergrund als hinterhältig empfunden. Für die Verwaltung sind sie dagegen normal: Die Eingewöhnungszeit belaufe sich auf 14 Tage. Die Messungen sprechen eine andere Sprache: So wurden am 12. Juli binnen zwei Stunden 674 Fahrzeuge gemessen, jedes vierte war zu schnell. Am 29. Juni gab es bei 268 Fahrzeugen 98 Überschreitungen.