Dr. Thomas Martens (links) bereitet die geologischen Grabungen in Tambach bei Gotha gemeinsam mit Harry Rudolph vor. Foto: Lutz Ebhardt
Dieser Tage schickt das Tourismus-Amt Tambach-Dietharz besonders gern Urlauber zum Bromacker hinauf. Die allsommerlichen Ausgrabungen an der Ursaurier-Fundstätte kommen nämlich in Gang.
Tambach-Dietharz. Dem internationalen Trupp von Paläontologen bei den Ausgrabungen über die Schultern schauen kann man aber erst ab dem Wochenende. Am Samstag wird Dr. David Berman vom Carnegie Museum of Natural History Pittsburgh anreisen, gefolgt von Prof. Stuart Sumida von der California State University in San Bernardino. Die beiden Wissenschaftler aus den USA lassen es sich nicht nehmen, wie jeden Sommer seit 1993 das Gestein nach Lebensspuren aus dem Perm abzusuchen. Es gibt in den USA zurzeit keine vergleichbare Fundstelle, sagt Dr. Thomas Martens, Paläontologe vom Museum der Natur Gotha, auf dessen Initiative und unter dessen Leitung die Grabungen vorgenommen werden. Seit Montag bereiten er und der Tambach-Dietharzer Harry Rudolph die etwa 40 bis 50 Quadratmeter große Grabungsstelle vor. Verwitterte Schichten müssen abgetragen und aus der Grube geräumt, ein Weg direkt zur Grabungsstelle angelegt werden. Rudolph ist seit Jahren ehrenamtlicher Ausgräber, früher arbeitete er im Steinbruch nebenan. Ihm ist es zu verdanken, dass an der Universität Göttingen eine 20 Tonnen schwere Sandsteinplatte mit Ursaurierspuren vom Bromacker steht. Rudolph hatte den Fund beim Abbau rechtzeitig bemerkt. Studentische Helfer wie Biologie-Studentin Susann Kämpf, deren zehnter Grabungssommer es ist, werden kommen. Mit 8 bis 10 Leuten rechnet Martens, auch mit seinem Kollegen Andrej Cernansky aus der Slowakei. Mit Hammer und Meißel werden sie die Gesteinsplatten der ca. anderthalb Meter dicken Schicht freilegen und begutachten. Dafür nehmen sie jedes Wetter in Kauf. Bei den Temperaturen dieses Sommers kann es in der Grube heiß wie in einem Backofen werden, meint Martens.
Die Fundstätte Bromacker ist so attraktiv, weil sie mit Superlativen belegt ist. Versteinerungen und Abdrücke von 13 Tierarten, die vor 300 Millionen Jahren lebten, sind bisher gefunden worden. Sensationelles kann jederzeit wieder zu Tage kommen. Keiner weiß, ob es in diesem Sommer so sein wird, aber die Möglichkeit ist groß, die Funddichte einmalig. Das macht den unwiderstehlichen Reiz für die Suchenden aus. Dieses Jahr bleiben nur zwei Wochen Zeit, die in der Formation erstaunlich gut bewahrte Zeugnisse der Entwicklungsgeschichte der Landwirbeltiere ans Tageslicht zu befördern. Am 13. August werden wir erfahren, ob sich die Grabung gelohnt hat. Bis zu 500 Besucher, vornehmlich Großeltern mit ihren Enkeln, finden im Sommer den Weg zum Bromacker, wenn die Ausgräber da sind. Sie kriegen alles erklärt und werden sogleich ins Museum der Natur nach Gotha zur Ursaurier-Ausstellung verwiesen.