Tanzlehrer aus aller Welt unterrichten an Erfurter Tanzschule
Porträt
Professionell: Für die Tanzkurse von Julie Pecquet (im Vordergrund) sind Vorkenntnisse unverzichtbar. Foto: Jens König
"Five, six, sieben, acht und Plié!" Zum Glück verstehen sich Tänzer auch ohne viele Worte. Denn auf dem 19. Internationalen Erfurter Sommertanzprojekt herrscht ein babylonisches Sprachengewirr.
Erfurt. 203 Teilnehmer verteilen sich in den Räumen der Tanzschule Tanzkreation diese Woche auf 28 Kurse und zehn Tanzlehrer und -pädagogen. Der Modern Jazz-Kurs von Tanz-Koryphäe Julie Pecquet ist dabei einer der beliebtesten. Die Choreografin hat aus ihrer Zeit als Jurorin der TV-Castingshow "You can dance" den Ruf einer knallharten Trainerin. Und so geraten auch die geübten Tänzerinnen bei ihren Aufgaben ins Schwitzen. Die Lehrerin ist trotzdem zufrieden: "Ihr habt heimlich geübt", vermutet sie lachend. Viele der Tänzer hätten das gar nicht nötig: Obwohl das Projekt auch Amateuren zugängig ist, sind die meisten seiner Teilnehmer schon seit Jahren dabei. "Ich habe Jazzdance, Modern Dance, klassischen und Bühnentanz trainiert, seit ich sieben Jahre alt war", zählt die 15-jährige Anne Münzner auf. Sie nimmt an einem der Hiphop-Kurse teil, die im Rahmen des SummerDanceCamps für Kinder und Jugendliche angeboten werden. Während es das Sommertanzprojekt schon seit 1992 gibt, wird das Programm für die jungen Teilnehmer erst zum zweiten Mal angeboten. "Es entstand letztes Jahr, weil unsere Schüler in den Sommerferien nicht aufs Tanzen verzichten wollten", berichtet Tanzpädagogin und Organisatorin Cornelia Aurich. Fast die Hälfte der Tänzer und Tänzerinnen in den Workshops, 99 von ihnen, sind jünger als 15 Jahre. Doch sie nehmen ihre Arbeit genauso ernst wie ihre älteren Kollegen: "Es ist super anstrengend", gibt Anne Münzner nach dem Kurs zu und zeigt auf ihre nass geschwitzte Hose. "Aber die eineinhalbstündige Anreise hat sich total gelohnt. Die Musik ist toll und die Stimmung in den Workshops wirklich gut." Dass die Teilnehmer einmal sogar aus China kommen würden, hätten die Organisatoren vor 19 Jahren nicht gedacht. Geplant war das Projekt als Weiterbildungsmöglichkeit für Tänzer und Tanzlehrer. Doch sein Ruf eilt dem Internationalen Erfurter Tanzprojekts mittlerweile weit voraus. Cornelia Aurich sagt: "Heute melden sich lange vor Beginn Tanzlehrer und Fitnesstrainer bei uns, um einen unserer Workshops leiten zu dürfen." Denn wer einmal dabei war, kommt immer wieder, weiß sie. So etwa Manuela Kreutzahler: Zum fünfzehnten Mal zog es sie dieses Jahr aus Frankfurt am Main nach Erfurt. "Am Anfang habe ich Salsa getanzt. Dann habe ich Jazz ausprobiert. Danach kam Ballett dazu und dieses Jahr probiere ich es wieder mit Jazzdance", beschreibt die gebürtige Erfurterin.
Ihr tänzerischer Werdegang wirkt fast schon klassisch, betrachtet man das Kursangebot des Sommertanzprojekts: Das beinhaltet zum Beispiel "Hiphop meets Bollywood", eine Mischung aus amerikanischem und indischem Tanz. Auch Yoga und Pilates können die Teilnehmer belegen. "Die klassischen Tanzrichtungen bieten wir immer an. Gleichzeitig wollen wir aber jedes Jahr mit unseren Kursen neue Akzente setzen" erklärt die Organisatorin das breite Programm. Hinzu kommen Freizeitangebote, nach denen man keine Dusche braucht: Ein Tanzfilmkinoabend oder der Genuss einer Tanz-Aufführung zum Beispiel. "Unsere Tänzer werden nämlich auch abends nicht müde", erzählt Cornelia Aurich. Spätestens um Mitternacht ist für die meisten der Teilnehmer aber doch Schluss. Sie müssen schließlich fit sein, wenn sich am nächsten Morgen ihre Knie küssen sollen. Das nämlich fordert Mazze, im wahren Leben heißt er Matthias Arndt, der Hiphop-Choreograph. "Come on, go!" ruft er seinen lässig in weite Stoffhosen und schlabbrige T-Shirts gekleideten Schülern zu. "Bloß nicht hinsetzen!" Leichter gesagt als getan, scheinen böse Blicke aus dreißig Tänzeraugen zu sagen. Doch sie geben noch einmal alles. Schließlich steht die Schrittfolge für ihre Tanzgala am Samstag noch nicht. Jeder Kurs entwickelt während der fünf Trainingstage selber eine Aufführung. "Am Anfang der Woche wissen wir nicht, was am Ende auf der Bühne stattfindet", sagt Cornelia Aurich. 350 Eintrittskarten hat sie bereits an Familien, Freunde und Tanzbegeisterte verkauft. Doch schon jetzt versuchen viele Teilnehmer, sich ein Bild von der Konkurrenz zu machen. "Hast du gesehen, was Julie mit ihrem Bein gemacht hat?" fragt eine der jungen Hiphopperinnen ihre Freundin. Die versichert: "Nächstes Jahr sind wir auch dabei."