Das Bundesland Thüringen registriert seit Jahresbeginn verstärktes Investoren-Interesse. Foto: Alexander Volkmann
In die 550 Thüringer Gewerbegebiete kommt Bewegung. Dank der neuen Autobahnen wächst auch das Interesse der Investoren an einer Gelegenheit im Norden oder Süden des Freistaates. Bislang allerdings geben die Flächen entlang der A 4 wirtschaftlich den Ton an und sind mit am besten ausgelastet.
Erfurt. Das Spiel ist ganz einfach: Direkt an der Autobahn müssen sie liegen. Immerhin jedes zweite der Thüringer Gewerbegebiete ist per Lkw weniger als zehn Kilometer von einer der Autobahnen quer durch den Freistaat entfernt. Vermarktet werden sie entweder durch die Eigentümer oder die landeseigene Entwicklungsgesellschaft LEG. Über Jahre hinweg haben Kritiker der LEG vorgehalten, Investoren nur auf die Lieblingsflächen etwa am Erfurter Kreuz zu locken. Doch ob Schuster, Reinholz oder Machnig - die jeweiligen Wirtschaftsminister des Landes stellten sich schützend vor ihre Investoren-Werber und sprachen die Wahrheit aus. Die lautet: "Wir können keinen Unternehmer wirklich zwingen, in eine Region Thüringens zu gehen, in die er nicht will!" So liegt der Belegungsgrad der Areale - von den reinen Zahlen her - bei zwei Dritteln. Aber wie das bei Durchschnitten so ist: Die höchste Konzentration von Wirtschaftskraft auf Gewerbeflächen gibt es in der Mitte und im Südwesten Thüringens. Hier sind die Areale zu fast 80 Prozent ausgelastet. Spürbar geringer ist das Interesse an einer Ansiedlung etwa in Ost- und in Nordthüringen, wo die Werte knapp über 60 Prozent liegen. Aber: "Mit den Autobahnen A 38 und A 71 tut sich inzwischen vor allem in Nordthüringen einiges", sagt Thüringens Wirtschaftsminister Mathias Machnig (SPD). Erfreulich: Parallel zum regionalen Aufschwung nach der weltweiten Krise nimmt auch das Interesse an Thüringens Gewerbegebieten wieder zu. "Es sind vor allem Investoren aus den Branchen Metall, Ernährung, Logistik, Auto und Solar, die es nach Thüringen zieht", sagte LEG-Chef Andreas Krey. Und er meint damit: meistens "hin zum Erfurter Kreuz nahe Arnstadt".
Aber auch sonst registrieren Krey und seine Mitstreiter seit Jahresbeginn "sehr viel Bewegung bei Neuansiedlungen und Erweiterungen". Dabei hat das Land ein geografisches Problem: Die bergige Landschaft. Was nämlich Touristen ins "Grüne Herz" lockt, reduziert große Flächen in ebener Lage auf ein Minimum. Die aber benötigen Investoren, um einigermaßen wirtschaftlich eine Fabrik auf die grüne Wiese zu setzen. Das Ganze natürlich in Autobahnnähe, versteht sich. Solche großen und spiegelglatten Areale aber sind in Thüringen rar. In diese Kategorie fallen neben dem Erfurter Kreuz allenfalls Flächen nahe Nordhausen und bei Queienfeld in Südthüringen. Mit anderen Worten: Was Investoren wirklich wollen, ist in Thüringen äußerst knapp. Deshalb hat Minister Machnig jetzt zu einer "Initiative Großflächen" geblasen, wo neue Standorte erschlossen werden sollen. Bis dahin aber muss man mit jenen Industriegebieten auskommen, die man hat. Durchaus noch Investorenbedarf signalisiert beispielsweise Thüringens zweitgrößtes Gewerbegebiet direkt am Erfurter Güterverkehrszentrum (GVZ). Mit 80 Firmen und zusammen knapp 2000 Beschäftigten ist es an sich gut ausgelastet. Fährt man jedoch kurz vor der Landeshauptstadt in das GVZ hinein, dann fallen die vielen ungenutzten grünen Wiesen auf. "Was uns vor allem fehlt, sind solide Industrieansiedlungen", sagt Hans P. Biernoth, der an der Spitze des hier ansässigen Großhändlers Selgros steht. Gemeinsam mit anderen Spitzenmanagern umliegender Firmen hat er die Gründung eines eigenen Gewerbevereins für das Industriegebiet vorangetrieben, der die Anziehungskraft des GVZ stärken soll. "Bis jetzt haben sich vor allem Betriebe der Branchen Logistik, Lager, Handel und Auto-Verwertung angesiedelt. Solarbetriebe oder Zulieferer für die Autobranche beispielsweise würden die Durchmischung perfekt machen", sagt Vereinschef Biernoth. Immerhin biete das GVZ einen Schienenanschluss sowie einen kreuzungsfreien Zugang für Lkw - nahe der A 4.