Analyse eines Essays von Bodo Ramelow: Ein Linker, Mitglied seiner Partei, hat Bodo Ramelow aus dem Gleichgewicht gebracht. Er schreibt einen langen Brief. Der Leser braucht knapp 200 Wörter. Bodo Ramelow fast 600. Hat Ramelows Parteifreund den Fraktionsvorsitzenden beleidigt?
Zunächst - warum haben wir Auszüge aus dem Leserbrief gedruckt? Erstens: Wähler sind nicht anders als Politiker, die sich im Bundestag als Wildsau, Gurkentruppe, Quartalsspinner, scheinheilige Schlange, Schnarchhahn, Übelkrähe, Hodentöter, Zuhälter, freches Luder und wild gewordenen Gartenzwerg beschimpfen. Das ist eine kleine Auswahl. Zweitens: Es interessiert die Wähler, wie der Umgangston in einer Partei ist. "Politische Flachzange" und "religiöser Spinner" sagt der eine; "Wirrkopf", "Schmierenfink" und "IM" der andere. Der eine ist deutlich aus dem Osten, der andere deutlich aus dem Westen. Es ist nicht nur die Sprache, die sie scheidet, auch das Denken. Der aus dem Osten spielt mit Wörtern aus alten Zeiten, denen er nachtrauert, wohl wissend, der aus dem Westen versteht sie nicht und will sie nicht verstehen. Er macht Abneigung deutlich gegen den Fremden, der in sein Revier eingedrungen ist, ins Revier des überzeugten DDR-Bürgers, dessen Heimat die Linke ist. Der Linke aus dem Westen macht deutlich, dass er die Partei nach westlichem Muster umbauen will. Das ist der eigentliche Konflikt, der Konflikt der Linken. Nur am Rande geht es um Wörter, um vermeintliche Beleidigungen. Doch zu den Wörtern: "Flachzange" ist ein Werkzeug und eine in Thüringen beliebte Bezeichnung für Westdeutsche, die im Osten arbeiten. "Die Flachzange aus dem Westen" heißt ein Buch, das Klaus Huhn, Ex-Sportchef des "Neuen Deutschland", geschrieben hat, Ex-Zentralorgan der SED, heute der Linken nahestehend. Von der "Flachzange" sprechen Ostdeutsche, wenn sie sich in ihrer Ehre verletzt fühlen durch vermeintlich unfähige Westdeutsche. "Tuten und Blasen" erklärt die angesehene Zeitschrift "Geolino" unseren Kindern als eine gängige Redensart für jemanden, der wenig Ahnung hat. Diese Meinung über Politiker dürfte, wenn man Umfragen vertraut, keine Einzelmeinung sein.
Ein "religiöser Spinner" ist aus Sicht eines ostdeutschen Atheisten jeder, der sich zu einer Religion bekennt. Die Linke beruft sich auf Marx: "Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik." Der Sozialist nach Marx will die Religion abschaffen; eine große Minderheit, wenn nicht die Mehrheit der Linken, folgt dem. "Zersetzungstätigkeit" ist der Jargon von Erich Mielke, der hier ironisch, gar zynisch eingesetzt wird. Kurz vor der Wende hatte Mielke über Städtepartnerschaften wie in Eisenach gewarnt - vor der "Wühl- und Zersetzungstätigkeit gegen die DDR" durch den Westen. Bodo Ramelow
ist für den Linken Briefschreiber einer, vor denen Mielke gewarnt hat. Das ist die Botschaft: Wir sind die Partei in Mielkes Tradition, nicht die der westlichen Salon-Sozialisten. "Verfassungsschmutz" ist erkennbare Ironie, nahezu im Ramelowschen Sinne, der - siehe "Spiegel"-Interview - gegen seine Beobachtung als möglicher Verfassungsfeind kämpft. Zu den anderen Aspekten in Ramelows Brief: Er verlangt offenbar, zumindest vom "Spiegel", dass er - der Politiker - der Presse Themen vorschreiben kann. Stellt sich die Frage: Welche Zeitung kann mit dem Linken Ramelow noch ein Interview führen, ohne dass Leser vermuten: Dürfen die nur fragen, was Herr Ramelow erlaubt hat? Wenn er öffentlich macht, dass ein Mitglied seiner Partei ein IM ist - stellen sich die Fragen: Hat er ihn überprüfen lassen? Wen in seiner Partei noch? Wenn er unserer Zeitung vorwirft, sie habe den Brief eines IM veröffentlicht, stellen sich die Fragen: Sollen wir vor der Veröffentlichung die Stasi-Zugehörigkeit prüfen? Wie soll dies geschehen? Wird Bodo Ramelow
sozusagen Amtshilfe leisten? Bodo Ramelow
wehrt sich gegen den Linken, der ihn hart kritisiert - als Fremden aus dem Westen, der in seiner Partei nichts zu suchen hat. Den "Spiegel" beschimpft er, unsere Zeitung verklagt er vor dem Presserat. Er will bestimmen, wer was zu sagen hat.
Mittlerweile hat sich Raue dafür eine Rüge des Presserates eingefangen. Leider wurde diese in der TA nicht abgedruckt. Daher hier:http://www.medienmoral-thueringen.de/wp-content/uploads/2011/10/Unbenannt-1-1024x474.jpg
15.09.11 - 16:36
rumtata
Abgesehen davon, dass die zugrunde liegende Argumentation des Herrn Raue mehr als dürftig ist, fällt auf, dass selbst in den Details so gut wie nichts stimmt. Flachzange wurde schon lange vor der Wiedervereinigung als Synonym für jemanden benutzt, der offenbar unfähig ist. Aber Herr Raue muss es ja wissen. Ebenso, dass der ostdeutsche Atheist Anhänger eines Gottesglaubens für religiöse Spinner hält. Eine verallgemeinernde Weisheit, deren Quelle Herr Raue nicht offenbart. Braucht er ja nicht. Wo doch offenkundig scheint, dass Raue keine Flachzange ist. Sondern nur ein ungebildeter Regionalzeitungsfürst, der hier mal wieder den schneidigen Kolonialoffizier gibt. Dagegen war Lochthofen Einstein.
12.09.11 - 20:28
GG
[Anmerkung der Redaktion: Kommentar wegen Beschimpfung entfernt]
03.09.11 - 09:00
Thorsten Berger
@Lisa B.: Bezug nehmend auf Ihren letzten Satz: so wie sich Raue präsentiert, wird er den Lesern wohl noch länger erhalten bleiben...
03.09.11 - 01:01
Lisa B.
Ich habe diesen Leserbrief auch in der TA gelesen und mich gewundert: Hat es eine seriöse Zeitung nötig, Beleidigungen und solche eine unflätige Ausdrucksweise abzudrucken? Haben die Redakteuere keinen Anstand mehr? Man mag zu Herrn Ramelow stehen wie man will. So ausfällig werden muss trotzdem kein Leser. Dass Sie dies verteidigen, Herr Raue, bedeutet, dass Sie sich die Meinung und die Wortwahl des Lesers zu eigen machen. Pfui, Herr Raue. Wenn Sie nur diese Ausdrucksweise verstehen: Verschwinden Sie aus der Redaktion, Herr Raue. Ob nach Castrop-Rauxel, Hamburg oder Braunschweig ist dabei völlig egal. Vielleicht auch nach Essen. Nichts anderes schrieb der Leserbriefschreiber, den Sie schützen. Nur über eine andere Person. Ein solcher Chefredakteur ist einfach untragbar für eine Zeitung, die sich als seriös bezeichnet. Legen Sie Ihr Amt nieder. Wenn Sie noch Anstand haben.
02.09.11 - 21:04
Wolfgang Albold
Der Chef der TA schreibt in seinem Artikel wie ein unschuldiges Lamm. Da wurde ein armer Lesebriefschreiber verunglimpft. Der hat doch nur Wörter geschrieben, die allgemein üblich seien, man solle sich doch nicht so auf den Schlips getreten fühlen. Was für eine Ironie. Herr Raue weiß ganz genau bescheid, was er da und warum abgedruckt hat. Demjenigen CR geht es doch garnicht um Wahrheiten. Hier geht es nur darum, einen erfolgreichen linken Politiker zu verunglimpfen. Vieleicht gefällt es Herrn Raue nicht, dass es in Thüringen offensichtlich keinen offenen Streit unter Linken gibt. Da muss man was dafür tun. Was mich wütend macht ist, dass die TA versucht Meinung zu manipulieren. Da wird natürlich verschwiegen, dass der Leserbriefschreiber Schlaack in ganzen Traktaten von Faxen seine irren Beschuldigungen in die Welt setzt. Das er sich selber rühmt bei der Stasi gearbeitet zu haben, dass er sich selber rühmt einen angeblichen Spion des Inlandsgeheimdienstes enttarnt zu haben, der eine Abreibung verdient hätte. Alles das wird natürlich nicht berichtet, auch nicht wie dieser Irre den Vorsitzenden der jüdischen Landesgemeinde verunglimpft. Nein es geht um Ramelow, den will Herr Raue verunglimpfen.
02.09.11 - 17:21
Guennie04
Ein dumpfes "Geschmäckle" bleibt. Bravo Herr Raue, jetzt wissen wir endlich was Sie uns als Leser vorsetzen wollen. Eigentlich kann da nur eines helfen:Augen zu und schnell weiter geblättert. Ihr heutiger Artikel war wirklich ein Meisterstück. Ich frage mich nur wie lange es ihre geneigten Leser noch aushalten werden diesen Salat verdauen zu müssen. Selbst auf die Gefahr hin, dass mir jetzt einige vorhalten die persona Ramelow verteidigen zu wollen, will ich diese vom einschlägig bekannten Herrn Schmidt redaktionell bearbeiteten Seite in der heutigen Ausgabe der TA kommentieren. Meines Wissens hat es die TA nicht nötig Ersatzartikel der "Spiegelleuchte" Fleischhauer von vor drei Monaten abzudrucken. Wenn daran wenigstens etwas an Neuigkeitswert zu erkennen gewesen wäre. Ihnen dürfte doch der Spruch von Zeitungsleuten bekannt sein, wonach "nichts so alt ist wie die Zeitung von gestern". Ist das der neue Stil politischer Auseinandersetzung? Langsam zweifle ich daran. Scheinbar entwickelt sich die TA unter ihrer Leitung, Herr Raue wieder zum ehemaligen Bezirksorgan zurück, denn dort fanden sich auch immer einige "Stellungnehmer", um eine Kampagne gegen missliebige Zeitgenossen los zu treten.. Sergej Lochthofen würde dies bestimmt nicht freuen. Aber die Verantwortung liegt nun einmal bei Ihnen. Ich frage mich, was diese Seite in der TA zu suchen hat. Bei wem wollen Sie denn ihr Mütchen kühlen? Es wird wohl sicherlich den einen oder anderen politischen Gegner freuen, dass sie dem Ramelow endlich mal gezeigt haben, wo der Hammer hängt. Aber ist das die Art Leute wie Ramelow von der "vierten Gewalt" zu demontieren. Hoffentlich nicht. Offensichtlich sind Sie nicht in der Lage den Argumenten Ramelows auf Augenhöhe zu begegnen und versuchen dies nun unter der Gürtellinie. Das lieber Herr Raue stinkt mir mächtig und ist auch nicht die feine "englische" Art. Ein dumpfes "Geschmäckle" bleibt.
02.09.11 - 16:29
Ronny Witzgall
Schönen Gruß eines Thüringers aus dem guten Hessen. :-) Ich informiere mich ja gerne über die Themen zu Hause. Aber ich muss hier beiden ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Der Herr Schlaak, hat es auch noch nicht mitbekommen, ich sage es dann hier noch einmal: "Die DDR ist tod, es lebe Deutschland." Herr Ramelow ist aber auch nicht besser und könnte mit seinen Worten locker Wahlkampf für die andere Partei auf der anderen Seite machen! Was ich hier dann aber wirklich sehr Schade finde, das eine Tageszeitung auch noch diesen beiden Hinterweltlern ein Forum bietet. Und dabei auch noch den Eindruck erwecken, das Partei ergreifen auch im Journalismus immer mehr Verbreitung findet. Schade
02.09.11 - 16:22
Jürgen Spilling
Erklärung des Landesvorsitzenden der Partei DIE LINKE. Thüringen, Knut Korschewsky, zu einem Bericht in der Thüringer Allgemeinen Zeitung Mit Verwunderung haben wir zur Kenntnis genommen, dass in der Thüringer Allgemeinen Zeitung vom 02.09.2011 eine beispiellose Kampagne gegen der Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, und DIE LINKE. als Ganzes ihren Höhepunkt findet. Unter der Schlagzeile ¿Das Prinzip Beleidigung und Schmähung¿ wird der untaugliche Versuch gemacht, Bodo Ramelow als einen Menschen hinzustellen der öffentliche Kritik an seiner Person nicht zulässt und die Meinungs- und Pressefreiheit abschaffen will. Dabei wird der Eindruck erweckt, dass diese Auffassungen zu den Grundsätzen der Politik der Partei DIE LINKE. gehört. Wer soll hier eigentlich getroffen werden? ¿ Der Bodo Ramelow, der seit über 20 Jahren als Vorsitzender der Gewerkschaft HBV und als Politiker der Partei DIE LINKE engagiert für die Interessen der ¿Kleinen Leute¿ eintritt? ¿ Der Bodo Ramelow, der sich im Arbeitskampf der Kalikumpel in Bischofferode für den Erhalt des Standortes und der Arbeitsplätze einsetzte? ¿ Der Bodo Ramelow, der mit dafür sorgte, dass mutige Menschen mit dem DenkMal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur geehrt wurden? ¿ Der Bodo Ramelow, der sich engagiert an der Seite vieler Menschen für mehr Demokratie in Thüringen eingesetzt hat? ¿ Der Bodo Ramelow, der mit die höchsten Sympathiewerte bei Politikern in Thüringen hat und zu den bekanntesten Politikern gehört? ¿ Der Bodo Ramelow, der immer wieder in seiner parlamentarischen und außerparlamentarischen Arbeit Missstände aufdeckt und Veränderungen einfordert? Egal welche Kampagne hier, unter Nutzung fragwürdiger Zeugen wie dem ¿Phönix des Westens¿ (Joachim Schlaack) geführt wird. Bodo Ramelow und DIE LINKE sind damit nicht mundtot zu machen. Die Thüringer Allgemeine Zeitung zitiert ¿Schlag¿-Worte aus Bundestagsdebatten, die nicht zu den Sternstunden der Demokratie gehören. Damit rechtfertigt sie, dass ein Politiker damit leben muss wenn er beleidigt und beschimpft wird. Das zeigt doch nur, dass hier das niedrigste Niveau, zum Maßstab der Berichterstattung gemacht wird, nicht etwa das Bestreben eine Kontroverse mit politischer Kultur auszutragen und alle beteiligten angemessen zu Wort kommen zu lassen. Jedenfalls an unserer solidarischen Haltung zu Bodo Ramelow und unser Engagement für eine andere Politik in Thüringen werden solche Zeitungsberichte nichts ändern. Erfurt, 02.09.2011
02.09.11 - 10:17
Thorsten Berger
Zitat Raue: "unsere Zeitung verklagt er vor dem Presserat" - in der Tat hat die Kinderzeitung mit der Erklärung zu "Tuten und Blasen" recht: jemand der keine Ahnung hat. Herr Raue, sogar Sie müssten eigentlich qua Amt wissen, dass der Presserat kein Gericht ist, vor dem jemand verklagt wird. Sie werden auch nicht verurteilt. Für unseren Provinzchefredakteur das ganze nochmal zu nachlesen: http://www.presserat.info/inhalt/beschwerde/anleitung.html
02.09.11 - 10:10
Thorsten Berger
Warum plötzlich so heftig, Herr Raue? Man mag zu Herrn Ramelow und der Linken stehen, wie man will - an welches Bein hat er Ihnen denn gepisst? Welche unbequeme Wahrheit ausgesprochen? Was veranlasst Sie zu diesem Lehrstück in Kampagnenjournalismus? Wer und was steht dahinter? Was ist das Ziel, der Zweck? Aber nur zu. Diskreditiert haben Sie sich mit Ihrem Provinzblättchen als ganzes ja eh schon. Und ist der Ruf erst ruiniert...