Feuerwerk zum Jahreswechsel, wie hier am Dom, ist schön und erlaubt. Raketen aufheben und zur Sommer-Gartenparty starten, dagegen nicht. Archivfoto: Jens König
Obwohl es anders erscheinen mag - die Zahl der Feuerwerke geht zurück. Vor allem Firmen geben dafür weniger Geld aus. Die Saison für Pyrotechnik startet in Erfurt nicht erst Silvester, sondern schon Mitte Juni mit dem Krämerbrückenfest
Erfurt. Blumen, Sterne und Kringel steigen heuer oft farbenprächtig in den Abendhimmel. Die Zeiten sind längst vorbei, da Höhenfeuerwerke seltene Schauspiele waren. Sie gehören fast zum Alltag: Bei runden Geburtstagen, Hochzeiten und Strandpartys ein privates Feuerwerk zu zünden, wurde in den letzten Jahren immer beliebter. Doch so mancher fühlt sich - wie kürzlich unser Leser Joachim Linck aus Erfurt - in seiner Ruhe gestört. Er war kurz vor 23 Uhr schlafen gegangen, "einige Minuten nach 23 Uhr begann ein etwa zehn Minuten dauerndes Feuerwerk", beschwerte sich Herr Linck. Laut städtischer Regelung muss ein Feuerwerk in Erfurt bis 23 Uhr abgebrannt sein, bestätigt Dietrich Hagemann. Doch insgesamt handelt es sich "um ein schwieriges Thema, das schwer zu fassen ist", so der Beigeordnete für Bürgerservice, Sicherheit und Sport. "Die Stadt ist keine ermittelnde Behörde." Das gehe nur über eine Anzeige bei der Polizei. Verstöße müssten exakt nachgewiesen und dokumentiert werden. Dass pyrotechnische Einlagen in diesen Tagen häufiger stattfinden, ist jahreszeitlich bedingt, meint Hagemann. Mit dem Krämerbrückenfest steigt das erste Höhenfeuerwerk der Stadt. "Mancher kommt vielleicht auf den Geschmack und denkt, er könnte selbst mal eins abbrennen", sieht er als möglichen Grund. Im Juni, Juli und August sei tatsächlich ein erhöhtes Aufkommen an Raketen und Böllerschüssen festzustellen.
Landeserlass verringert Genehmigungschance
Übers gesamte Jahr betrachtet, ist aber seit Mitte 2011 ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Seit dem erhöht ein neuer Landeserlass zur Sprengverordnung die Hürden für private Kleinfeuerwerke deutlich. Die müssen alle - sofern sie nicht an einem 31. Dezember und 1. Januar stattfinden - genehmigt werden. Und zwar vom Thüringer Landesbetrieb für Arbeitsschutz und technischen Verbraucherschutz, der seinen mit Hauptsitz in Suhl hat und eine seiner vier Regionalinspektionen in Erfurt.
Die Zahlen aus dem Haus im Linderbacher Weg sprechen für sich. Hatte es im Jahr 2010 noch 188 Ausnahmegenehmigungen und 44 Ablehnungen erteilt, waren es ein Jahr später nur 73 positive und bereits 57 negative Bescheide. Deutlicher wird die Entwicklung noch in den ersten sechseinhalb Monaten 2012: Ganzen fünf Genehmigungen stehen 45 Absagen gegenüber. "Die Erfurter Regionalinspektion ist auch für Weimar, das Weimarer Land sowie die Kreise Gotha, Sömmerda und den Ilmkreis zuständig", ergänzt Falk Haase vom Landesbetrieb in Suhl. Ein regionales Aufschlüsseln der Statistik sei nicht möglich. Der Grund für den Rückgang liege in den neuen, strengen Regeln. So sind in Thüringen "Geburtstage unter 90 Jahren, Hochzeiten und Firmenjubiläen unter 50 Jahren kein begründeter Anlass", der eine Sondergenehmigung erlaube. "Private Feuerwerke nahmen überhand, mit dem Erlass sollte gegengesteuert werden", begründet Haase den Schritt von Mitte 2011. Wer dennoch nicht auf bunte Bilder am Abendhimmel verzichten möchte, kann die leichtere, aber teurere Variante wählen und einen gewerblichen Pyrotechniker engagieren. Der braucht keine Genehmigung, sondern das Ereignis beim Landesbetrieb lediglich anzuzeigen. Um ein solches Feuerwerk handelte es sich wohl bei der Störung unseres Lesers Joachim Linck. Die Stadt leitete seinen Brief inzwischen ans zuständige Amt weiter. Die Raketen stiegen auf zum 150-jährigen Jubiläum der Feuerwehr - nach 23 Uhr. "Doch sollte man mal ein Auge zudrücken", so Falk Haase, "für Leute, die oft ihr Leben riskieren und für andere durchs Feuer gehen".
@Rainer Apel Dein Beitrag klingt aber sehr neurotisch;)
24.07.12 - 21:13
Großstadtjunkie
@Rainer Klasse Beitrag:-)
24.07.12 - 20:49
Rainer Apel
Als verantwortlicher Feuerwerker beim Feuerwerk zum 150. Feuerwehrjubiläum muß ich dazu folgendes sagen: Anfang Juli sind die Tage nun mal am längsten, zumal bei klarem Wetter. Dazu kommt, daß der Flugplatz in unmittelbarer Nähe ist und wir vom Tower ein Zeitfenster vorgegeben bekommen, wann genau wir dürfen. Und wenn ich die Wahl habe, die Nachtruhe um 5 Minuten zu stören oder den Luftverkehr zu gefährden.... Zu den "unverantwortlichen" Feuerwerken im Zoo: Es scheint ein sehr deutsches Phänomen zu sein, daß sich jeder um Dinge die ihn nichts angehen und von denen sie auch wenig bis nichts verstehen Gedanken macht, statt da einfach mal die Fachleute machen zu lassen. Den Tieren, auch den Fluchttieren, sind Feuerwerke relativ egal. In der freien Natur können sich die lieben Tierchen schließlich auch nicht bei jedem Gewitter auf der Flucht die Beine brechen. Das wissen auch die Zoomitarbeiter und wenn man eine (relativ kleine) Fluchtdistanz einhält spricht nichts gegen ein Feuerwerk im Zoo. Die Einzigen die ein Feuerwerk unsäglichem Stress aussetzt, (natürlich sofern es nicht für die eigene Party ist) sind unsere Großstadtneurotiker. Auf deren Aussterben wird allerdings gehofft
24.07.12 - 11:33
Peter
@ Uwe: Genauso sehe ich das auch. Wenn ich bei meinen Eltern in Erfurt bin und sich der Nachbar beschwert, wenns sich die Bekannten meiner Eltern im Garten (nachmittags 16 Uhr) unterhalten, da es ihm zu laut ist, frage ich mich wirklich, ob er in der Anstalt oder dem Mond besser aufgehoben ist. Dieses übertriebene Ruhebedürfnis ist mir in Erfurt schon mehrfach aufgefallen. @ Torsten Genau das frage ich mich auch. Unverantwortlich!
24.07.12 - 10:36
Uwe Biermann
"Doch sollte man mal ein Auge zudrücken", so Falk Haase, "für Leute, die oft ihr Leben riskieren und für andere durchs Feuer gehen". Korrekt. Hinzuzufügen wäre noch dass man als Bewohner einer Großstadt akzeptieren sollte, dass in einer solchen selten Friedhofsruhe herrscht. Wer dies nicht kann muss in die Pampa ziehen.
24.07.12 - 10:33
Torsten Bloch
Immer wieder Klasse finde ich die Tatsache, dass auf dem Gelände des Zooparks Feuerwerke gezündet werden. Da ich seit ewiger Zeit nicht mehr vor Ort war: gibt es dort mittlerweile keine Fluchttiere mehr, die in Panik geraten könnten ,oder ist dies den Verantwortlichen vor Ort einfach egal?