Zwei Bahnmitarbeiter in Mühlhausen ausgezeichnet

  • Sabrina Jelinek und Dieter Werner informierten die Leitstelle über das Feuer an der Mühlhäuser Tafel. Foto: Daniel Volkmann
Ihr wacher Blick verhinderte Schlimmeres: Sabrina Jelinek aus Weimar und Dieter Werner aus Nordhausen hatten Feuer an der Mühlhäuser Tafel bemerkt und sofort den Fahrdienstleiter informiert. Die Essenausgabe für 1600 Menschen aus Mühlhausen und Umgebung konnte so ohne Einschränkungen weiterarbeiten.
Mühlhausen. Es war der letzte Regionalexpress, der an diesem 4. Februar, einem Donnerstag, von Chemnitz nach Göttingen fuhr. Gegen acht am Abend hielt er für zwei Minuten am Mühlhäuser Bahnhof. So wie der Plan es vorsah. "Es schien vom Zug aus, als wäre da Feuer an dem Flachbau gegenüber, aber sicher war ich mir nicht", meint Sabrina Jelinek (23) aus Weimar. Seit fünf Jahren, die Ausbildung eingerechnet, arbeitet sie bei der Deutschen Bahn. Einen Brand melden, das hatte sie zuvor noch nie gemusst. Die junge Frau informierte ihren Lokführer Dieter Werner (45) aus Nordhausen, der wiederum den Fahrdienstleiter.

Von dem ging die Telefonkette weiter über die Rettungsleitstelle des Kreises zur Mühlhäuser Polizei und zur Feuerwehr. Die musste den Brand nur "ablöschen", wie gestern Bert Renner sagte, der Stadtbrandinspektor Mühlhausens. Die Streifenpolizei war schneller, hatte das Feuer mit Schnee gelöscht. Vermutlich hatte Diesel, der um eine zum Aschenbecher umfunktionierte Blechbüchse gekippt und entzündet worden war, für die Flammen gesorgt. Der oder die Täter wurden noch immer nicht gefasst, musste Reimund Hentschel, der Vizechef der Polizeiinspektion, sagen. Reiner Engel von der Diakonie, die seit zehn Jahren ihre Mühlhäuser Tafel am Güterbahnhof betreibt, ist noch immer betroffen: "Wir bemühen uns, für Bedürftige etwas zu tun, und andere gefährden es aus niedrigen Beweggründen."

An zwei Tagen pro Woche, mittwochs und freitags, stehen stets 160 Leute nach Essen an, insgesamt sinds 1600, deren Haushaltsbudget nicht reicht, um die Familie zu versorgen, überschlägt Engel. Die Menschen zu versorgen, sei nicht einfach, "wir können nur ausgeben, was uns gespendet wurde, und das wird weniger", urteilt der Diakonie-Chef, der das Gelände der Tafel als einen beliebten Treffpunkt Jugendlicher weiß. Ein Betonpapiereimer wurde schon gestohlen, ebenso ein Fallrohr abgebaut, die Fassade beschmiert. "Ohne Menschen, die, wie die beiden, mit wachem Blick durch den Alltag gehen, könnten Polizei und Feuerwehr wesentlich weniger erfolgreich arbeiten", dankte Hentschel Sabrina Jelinek und Dieter Werner.


Claudia Bachmann / 19.03.10 / TA
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