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| 4. Januar: Lautstark und Still |
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AKTION: Unter diesem Motto zogen jugendliche Hausbesetzer am späten Nachmittag durch Erfurt. Dabei forderten sie immer wieder ein eigenes autonomes Zentrum.
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Zwei Hausbesetzungen in Erfurt - mit unterschiedlichen Zielen zwar, an verschiedene Adressaten gerichtet und auch mit unterschiedlichen Methoden. Aber sie drückten am Wochenende dem Geschehen in der Landeshauptstadt ihren Stempel mit auf.
ERFURT (wdb). Seit dem Neujahrstag halten Mitglieder des Freiheit e.V. das ehemalige Stasi-Gefängnis in der Andreasstraße besetzt (TA berichtete). Außen, über der Gefängnismauer hängen deutlich sichtbar die Plakate: stabile Planen und auf der schwarz-rot-goldenen Fahne drei beschriebene Bettlaken. Die Forderungen des Vereins sind deut- lich: Die Trägerschaft für die Gedenkstätte, Mitspracherecht bei deren Konzept sowie eine finanzielle Sicherstellung für Verein und Gedenkstätte. Eines der Laken weist hin auf die Hausbesetzung und den Hungerstreik. Drinnen ist es bitter kalt - "zwei bis drei Grad", sagt Vereinsvorsitzender Joachim Heise. Er selbst hatte 1983 im Stasi-Knast als U-Häftling eingesessen. Heute sind sie im Haus immer zu dritt, jeweils zwei wechseln allerdings wegen der niedrigen Temperaturen. Der Dritte harrt schon seit Freitag aus, er verweigert seitdem die Nahrungsaufnahme.
Für heute hat sich der Staatssekretär im Thüringer Bildungsministerium Dr. Thomas Deufel zu einem Gespräch angesagt. Mitte Dezember gab es schon einmal ein Treffen. "Das verlief recht konstruktiv", bestätigt Heise. Doch danach hätten die Ministerialbürokraten so weiter gemacht wie bisher. "Da hat es uns gereicht und wir starteten die Aktion", ist Heise empört. "Sie geht solange, bis wir einen belastbaren Vertrag in der Hand halten." Mit Worten wolle man sich nicht wieder abspeisen lassen, man habe ihnen schon zu viel versprochen, selbst der frühere Ministerpräsident. "Wenn das Ministerium uns als Zeitzeugen nicht haben will, dann soll es das offen sagen. Doch sie wollen uns als Alibi, brauchen uns für Führungen, aber wir fordern mehr!"
Unterdessen sammelten sich am Sonnabend kurz vor 16 Uhr Jugendliche auf dem Bahnhofsvorplatz. Nach der vermeintlichen Räumung eines besetzten Hauses im Nordpark am Freitagabend wollten die jungen Leute mit einem über zweistündigen Marsch durch die Innenstadt ihrer Forderung nach einem selbstverwalteten sozial-politisch-kulturellen Zentrum Nachdruck verleihen. Die Polizei war mit etwa 20 Einsatzfahrzeugen eingetroffen. Im Vorfeld wurden einige Demonstranten kontrolliert und der Kleinbus der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi untersucht, in dem später der Versammlungsleiter saß. Vom Bahnhof über Fischmarkt, Domplatz, Anger und wieder zurück verlief die Strecke. Laut Veranstalter hatten sich 200 Teilnehmer eingefunden. Die Polizei sprach von 150 Jugendlichen, die sie dem linken Spektrum zuordnete. Immer wieder forderten sie ein autonomes Zentrum für Erfurt. Auf Zwischenkundgebungen kritisierten sie die fehlende Unterstützung durch die Stadt und den OB, befürchteten drastische Einschnitte in der Jugendarbeit angesicht des angekündigten Sparkurses. Zunächst ging es recht friedlich zu. Das änderte sich, als eine Rakete gezündet wurde und einige auf die Polizisten zurannten. Immer wieder flogen Schneebälle. Die Polizei konnte zwei Mal nicht verhindern, dass die Demonstranten einen anderen als den vorgeschrieben Weg gingen. So dass sie für einige Minuten Auto- und Straßenbahnkreuzungen blockierten und der Verkehr ruhte. Am Ende sprach die Polizei von einer normalen Demonstration, ohne größere Zwischenfälle.
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| 24. November: Demo für alternative Wohnformen |
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Unter dem Slogan "Hände hoch - Haus her!" stand eine Demonstration der Hausbesetzer-Szene gestern Abend.
ERFURT (cc). Nach der Räumung des kurzzeitig besetzten Keglerheimes am Wochenende, versammelten sich gestern Beteiligte und Sympathisanten vor dem Bahnhof, um von hier aus durch die Stadt zu demonstrieren. Gegen 18.40 Uhr startete der Pulk von rund 150 meist jugendlichen Erfurtern über den Anger und Fischmarkt zum Domplatz. Eskortiert von der Polizei forderten sie in Sprechchören Freiräume für alternative Wohnformen in Erfurt. "Bunt leben statt schwarz sehen" stand auf dem Plakat, das sie voran trugen.
Nachdem bereits in der Bahnhofstraße eine Silvesterrakete flog, versuchten einige der Demonstranten auf dem Anger, die Polizeieskorte zu überrennen. Größere Rangeleien entstanden aber nicht.
Mehrmals stoppten die Demonstranten und riefen ihre Forderung nach einem besetzten Haus nach Vorbild jenes auf dem Topf & Söhne Gelände, das jahrelang ein Ort für Konzerte und Veranstaltungen war.
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Klicken Sie auf nebenstehendes Video, um bewegte Bilder von dem Polizeieinsatz zu sehen!
Das alte Keglerheim am Randes des Erfurter Stadtwaldes steht seit Jahren leer. Doch offenbar wurde es bereits seit August von Hausbesetzern genutzt. Gestern nun machten diese ihre Aktion publik und luden zu einer Demonstration und hatten für den Abend einen Vortrag zu "anarchistischen Utopien" geplant. Die Realität holte die jungen Leute ein: Das besetzte Haus wurde von der Polizei geräumt.
Von Kai MUDRA ERFURT. Sie hatten es geschafft, über Monate nicht aufzufallen. Denn das alte Keglerheim am Rande des Erfurter Stadtwaldes war bereits seit 3. August dieses Jahres besetzt. Das zumindest geben die Jugendlichen an, die gestern Abend aus dem verlassenen Gebäude von der Polizei herausgeholt wurden.
Dass die Aktion überhaupt bekannt wurde, liegt an einer Einladung. Per Mail und Infotelefon, aber auch über das Internet hatten die Besetzer zu einer Demonstration geladen und für den Abend zu einem Vortrag über "anarchistische Utopien". Wie passend, mag mancher denken, denn zu Veranstaltungsbeginn war das Haus geräumt. Beamte des Spezialeinsatzkommandos hatten kurz vor 20 Uhr den letzten von zwei jungen Leuten vom Dach geholt. Sie waren dort angeseilt und harrten über Stunden aus.
Dabei war die Räumung lange Zeit nicht einmal sicher. Nachdem die Besetzung auch der Erfurter Polizei bekannt geworden war, hatte diese die Eigentümergesellschaft in Hessen darüber informiert. In einer ersten Reaktion soll die Räumung gefordert worden sein, sagte Polizeisprecher Jens Heidenfeld. Allerdings kam dann keine schriftliche Anzeige, mit der die Polizeiaktion möglich gewesen wäre.
Denn hinter den Kulissen hatten auch die Besetzer mit Hilfe von Politikern Verbindung zu der Eigentümergesellschaft aufgenommen. Die Besetzer selber vermeldeten auf einer Internetseite am Nachmittag, dass ihnen eine Frist gewährt und keine sofortige Räumung gefordert worden sein soll. Die Rede war von bis zu 48 Stunden.
Ab gestern Mittag hatten sich nach der Interneteinladung etwa 100 Jugendliche zu einer Spontandemonstration vor dem alten Keglerheim eingefunden, die Stimmung war gut, einige Dutzend ließen sich als Sitzblockade vor dem Zugang nieder, die aber kurz darauf von der Polizei geräumt wurde. Gegen 16 Uhr herrschte noch immer Unklarheit, was mit dem Gebäude selber geschehen soll. Eine halbe Stunden später lag dann eine Anzeige und damit die Möglichkeit für die Polizei vor, das Gebäude zu räumen. Zugleich wurden mehrere Hundertschaften Bereitschaftspolizei rund um das Gebäude zusammengezogen. Insgesamt 24 junge Leute holten die Beamten aus dem Haus. Sie alle wurden vorläufig in Gewahrsam genommen, um Anzeigen gegen sie wegen Hausfriedensbruch aufzunehmen. In zwei Fällen wird zudem wegen Widerstandes gegen Polizisten ermittelt werden. Die 25 Teilnehmer der Sitzblockade hatten einen Platzverweis erhalten. Weil sich einige daran nicht gehalten und erneut versucht hatten, sich dem Gebäude zu nähern, setzte die Polizei gegen sie Pfefferspray ein, sagte Polizeisprecher Jens Heidenfeld dieser Zeitung.
Mit der Polizeiaktion ist zwar das Haus wieder geräumt, das Problem eines alternativen Jugendzentrums für Erfurt besteht vorerst aber weiter.
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Probleme bei der Räumung des Hauses bereiteten am Abend zwei Besetzer, die sich auf dem Dach des Gebäudes angebunden hatten. Bilder vom Polizeieinsatz sehen Sie, wenn Sie auf das linke Bild klicken.
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Auf dem Gelände des Werks von "Topf & Söhne" in Erfurt wurde das besetzte Haus geräumt. Mit massiven Einsatz und Unterstützung von Spezialeinheiten hat die Polizei die etwa 60 Personen in Gewahrsam genommen. Ihnen wurde unter anderem Landfriedensbruch vorgeworfen. 30 der Unterstützer für das seit 2001 besetze Haus, hatten am Eingang eine Sitzblockade gebildet und waren von Polizisten weg getragen worden.
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Einen Tag nach der Räumung des besetzten Hauses glich der Erfurter Anger bis weit in den Abend hinein einer Festung. Betroffene der Räumung des besetzten Hauses und Sympathisanten hatten ihn in Beschlag genommen. Die Polizei hielt mit einem massiven Aufgebot dagegen. Der Straßenbahnverkehr war stundenlang lahmgelegt.
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