Mail RSS
Wir über uns Hilfe
Suche:
Mittwoch, 10. März 2010
Startseite
TA-Heute
Thüringen
Politik
Wirtschaft
Sport
Sporttabellen
Kultur
Magazin
Ratgeber
Wissenschaft
Zum Sonntag
Leser-Ecke
TA-Interaktiv
Forum
Thüringer Tagebuch
Spiele
Quiz-Center
Onlinegrüße
Newsletter
TA-Spezial
Trend-Agent
Retter im Einsatz
Augenzeuge
Karneval-Portal
mdr-Videokanal
Reise-Journal
Garten-Portal
Auto-Journal
Kino-Journal
PC & Web
Finanzservice
TA-Daten
Impressum
Wir über uns
Mail
TA-Verlagsservice
Aboservice
Lesershop
Ticket Shop Thüringen
Leserreisen
Geschäftsstellen
Anzeigenservice
Online werben
Autoanzeigen
Immobilien
Stellenanzeigen

28. Januar: "Der falsche Weg"
WANDERN UND WALDWIRTSCHAFT sind mit dem Nationalpark sehr schwer in Einklang zu bringen, das befürchten die Gegner der Nationalpark-Idee.

"Erleben Sie das harmonische Zusammenwirken von Mensch und Natur", wirbt das Biosphärenreservat Vessertal. Karl Tränhardt hat es erlebt und in "Waldwunderwelten" festgehalten. Die Lesung seines Buches aus der "Grünen Reihe" war Grundlage für eine weitere Diskussion über die neue Nationalpark-Idee.

Von André HESS

SUHL. Da beschreibt ein Meininger, dessen Herz für das Biosphärenreservat Rhön schlägt, das Vessertal in all seinen Facetten, mit Liebreizen und Wunderlichkeiten. Er lässt Tieraufnahmen von Wasseramsel und Zaunkönig als Vorwort sprechen, schwärmt von Forelle im Stutenhaus, dem Schwarzebeersfest, den Aussichten von Schneekopf und Finsterberg, der Mühle in Hinternah, dem Almabtrieb, Hotel Forellenhof, der Dampfnostalgie am Bahnhof Rennsteig, Orchideen auf der Wiese, tagaktiven Nachtfaltern, der Berghütte Adlersberg, dem Goethewanderweg, von Führungen durch dichten Urwald, und dann? Dann klappt er sein Buch zu und sagt in der Suhler Stadtbibliothek: Meinetwegen könnte das Biosphärenreservat noch größer werden, auch die Kernzone, wo Moore, Wälder und Bäche sich selbst überlassen bleiben. Da staunten seine fast 50 Zuhörer leise vor sich hin. Da saß also gar kein ausgewiesener Gegner der Nationalpark-Idee, die da laut CDU-SPD-Koalitionspapier heißt, aus dem Biosphärenreservat Vessertal zwischen Suhl, Ilmenau und Schleusingen, einen vielleicht 30 000 Hektar großen Nationalpark zu machen. Aber die Gegner waren da. Zuvorderst Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel (pl.). Der promovierte Forstmann bescheinigte Karl Tränhardt, eine Hommage an die Kulturlandschaft geschrieben zu haben, eine Symbiose aus Mensch und Natur. Aber genau die sei in Gefahr, weil ein Nationalpark eben nicht drei Prozent unberührte Natur vorsieht, sondern 75 Prozent. All das, was durch Fischzucht, Weidebauern und Traditionshandwerk an Biotopformen erst geschaffen wurde, soll nun völlig der Natur überlassen werden. "Das ist eine Kehrtwende um 180 Grad", so Triebel, "das ist der falsche Weg". Da pflichtete ihm ein Breitenbacher bei, dessen Eltern und Großeltern schon Windbruch in Größenordnungen beseitigt haben, und der gegen jede Erweiterung der Kernzone ist. "Unsere Natur soll für unsere Menschen da sein." Elke Hellmuth, amtierende Leiterin des Biosphärenreservats Vessertal, machte deutlich, dass das Biosphärenreservat nicht umhin komme, sich von 17 000 auf 30 000 Hektar zu erweitern, um den Status als Unesco-Schutzgebiet nicht zu verlieren. Die Diskussion um den dabei ins Spiel gebrachten Entwicklungs-Nationalpark sieht sie als unausgegoren, weil es bisher nicht einmal eine Definition des Begriffes gibt. Bei einer Vergrößerung des Reservats müsse mit Gemeinden gesprochen werden, die dazugehören möchten. Auf keinen Fall werde aber der Rennsteig gesperrt, betonte sie. Triebel erinnerte daran, dass schon einmal das Schwarzatal komplett unter Schutz gestellt werden sollte und der Wanderweg zwischen sächsischer und böhmischer Schweiz inzwischen unpassierbar sei. Und er betonte auch die Notwendigkeit der Waldwirtschaft. Eine Diskussion zum Pro und Contra Nationalpark wird es mit Vertretern vom Ministerium und anderen Fachleuten am 8. Februar um 19 Uhr im Oberrathaussaal in Suhl geben.

21. Januar 2010: Klausurthema Nationalpark

Im Frauenwalder Mushercamp zur Jahreswende zeigte man sich überrascht. Ein Einheimischer hatte die Fragen gestellt, was den die Schlittenhundesportler von der Nationalparkidee halten. Was zumindest dafür spricht, dass dort das Thema nach wie vor die Gemüter bewegt. Während sonst offiziell Ruhe herrscht. Der Schein aber trügt.

 RENNSTEIG (gs). Nein, selbst beim Besuch von Vertretern der SPD-Landtagsfraktion in Schmiedefeld, zu denen auch die umweltpolitische Sprecherin Eleonore Mühlbauer gehörte, fiel laut Bürgermeister Volker Hanff kein Wort über den "Entwicklungsnationalpark am Rennsteig". Was allerdings nicht bedeutet, dass dieser in der Klausurtagung in Suhl keine Rolle gespielt hätte. Im Gegenteil. Das Projekt stand sehr wohl auf der Tagesordnung, wie Teilnehmer bestätigten. Wenngleich es offenbar noch keinen neuen Stand gebe, so Stützerbachs SPD-Bürgermeister Frank Juffa, der den Vergleich zu den Aussagen in der TA-Podiumsdiskussion zu dem Thema auf dem Bahnhof Rennsteig Mitte November hat. Auch an der Antwort auf die Frage nach dem Warum? habe sich nichts geändert - fünf Prozent notwendige Flächenstilllegung, die im Staatsforst zu realisieren sei - im Rennsteiggebiet. Was aber die Schlussfolgerung zulässt, dass die SPD an dem Vorhaben festzuhalten gedenkt. Lediglich vom wenig tauglichen Vergleich mit dem Nationalpark Hainich hat man sich wohl getrennt. Der war schließlich vier Jahrzehnte militärisches Sperrgebiet und damit nahezu unbewohnt. Der Schwarzwald - in dem Nationalpark und Tourismus harmonierten - wurde laut Juffa in den Fokus gerückt. Wobei der Stützerbacher Bürgermeister sich derzeit noch neutral gibt. Man müsse vorher schauen, was es bringt. Vor allem aber: "Können wir dahin?" Was sein Neustädter Amtsund Parteikollege Dirk Macheleidt vor allem auf die Lebensbedingungen der Menschen in der Region gemünzt sehen will. Das sei für ihn der Kern des im Koalitonsvertrag von CDU und SPD angekündigten "moderierten Diskussionsprozesses". Wann der beginnt, ist derzeit noch unbekannt.

11. Dezember 2009: "Keine Zerstückelung des Thüringer Waldes"

Harsche Töne fand gestern Florian Meusel, Chef der Verwaltung des Naturparks Thüringer Wald für die im Koalitionsvertrag von CDU und SPD enthaltene Idee, am Rennsteig einen (Entwicklungs-) Nationalpark zu installieren. Damit würde einer "Zerstückelung des Thüringer Waldes" Vorschub geleistet.

GEHLBERG. Nicht nur voller Energie war der Chef der Naturparkverwaltung aus dem Spanienurlaub heimgekehrt, sondern auch mit einem fotografischen Eindruck eines Nationalparks. 50 000 Hektar groß und rundherum ein Zaun. Für Florian Meusel eine Horrorvision, die er im Thüringer Wald auf keinen Fall zulassen will. Vehement wirbt er in dieser Hinsicht um Unterstützung, den Thüringer Wald nicht durch ein solch zusätzliche Schutzgebiet zerstückeln zu lassen. Wobei er den Schulterschluss mit dem Biosphärenreservat "Vessertal" probte. Da sei man auf einer Linie, man setze sich gemeinsam für den Erhalt der Kulturlandschaft ein. In Naturpark wie Biosphärenreservat stehe der Mensch im Mittelpunkt - anders als in einem Nationalpark. Einen klassischen Nationalpark werde es aus seiner Sicht auch nicht geben, legte sich der anwesende CDU-Landtagsab- Gerhard Günther ins Mittel. Damit würde man sich wirtschaftlich, gerade was den im Tourismus tätigen Mittelstand angehe oder den Forst, letztlich ins eigene Fleisch schneiden. Die Diskussionen - die nach den Plänen der Koalitionäre eigentlich erst im kommenden Jahr starten sollten - müssten in jedem Fall "schaumgebremst" geführt werden. Florian Meusel plädiert für eine Komplettlösung für den Thüringer Wald. Die könnte "Deutschlands größtes Biosphärenreservat" heißen. Das Modell biete die Chance einzelne Schutzflächen wie jetzt auch herauszulösen. Damit könnten auf 220 000 Hektar Naturschutz und Wirtschaft wie bislang auch sinnvoll verknüpft werden, die Regionalität bliebe erhalten. Gerd SCHMIDL

1. Dezember: Selbstbestimmte Entwicklung
WEGWEISEND: Rund um das Vessertal wird um die Auslegung des Koalitionsvertrags zum Nationalpark Rennsteig gestritten - und das durchaus kontrovers.

Rund um das Vessertal streiten die Koalitionsparteien um die genaue Auslegung der Passagen zum geplanten Nationalpark Rennsteig. Was genau verabredet wurde, darüber gehen in beiden Regierungsparteien die Meinungen weit auseinander.

Von Matthias THÜSING
und  Arne MARTIUS

ERFURT/SCHMIEDEFELD. "Wir waren entsetzt, als die SPD mit dem Thema Nationalpark in den Koalitionsverhandlungen angerückt ist." Der Mitarbeiter des Thüringer Umweltministeriums bittet, ungenannt zu bleiben. Schließlich solle sich der erste handfeste Koalitionskrach nicht ausgerechnet an Umweltfragen entzünden. Doch so viel will der Beamte dann doch deutlich machen: Einen Nationalpark klassischer Prägung wolle nur die SPD. Warum die CDU ihn im Koalitionsvertrag dann überhaupt mittrage, müsse man die beteiligten Seiten selbst fragen. Für die Union am Verhandlungstisch saß Egon Primas, Sprecher für Umwelt, Naturschutz und Forstpolitik in der Fraktion. Der passionierte Jäger und Forstfreund ist weitgehend unverdächtig von klassisch grünem Gedankengut. Und so fällt seine Vorhabensbeschreibung im Vessertal auch recht überraschend aus. "Passiert nichts, müsste ein Biosphärenreservat Vessertal wegen der geänderten internationalen Vorgaben um 13 000 Hektar ebenso wie die unter Totalschutz stehende Kernzone deutlich erweitert werden", sagt der Nordhäuser Christdemokrat. Integriere man aber einen kleinen Nationalpark in die bestehende Schutzfläche, lasse sich die Erweiterung des Biosphärenreservats wegen der Hochwertigkeit des so entstehenden Gesamtschutzgebietes sparen. Doch auch beim sozialdemokratischen Koalitionspartner ist in Sachen Nationalpark derzeit noch alles möglich. "Es wird keine Einschränkungen für die Anwohner geben", versprach noch vor einer Woche die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Eleonore Mühlbauer. Pilze sammeln, angeln, jagen, Holz holen - alles kein Problem. Der Referatsleiter Schutzgebietsausweitung im Umweltministerium widersprach noch auf offener Bühne. "Natürlich wird es in einem Nationalpark irgendwann Nutzungseinschränkungen geben", so Rainer Schrader. Verabredet sei derzeit lediglich eine Übergangszeit von zwei oder drei Jahrzehnten. Diese Zeit haben sich die Initiatoren des sogenannten Entwicklungsnationalparks für den notwendigen Waldumbau gegeben. Laut Koalitionsvertrag haben sich CDU und SPD aus Klimaschutzgründen verpflichtet, 100 000 Hektar Forst umzubauen und 25 000 Hektar komplett aus der Nutzung zu nehmen. Während Naturschützer im Ministerium von zusammenhängenden, hochwertigen Naturschutzflächen träumen, arbeiten Teile der Koalition bereits an kreativen Alternativen. "Wir müssen die Flächen doch nur benennen. Nehmen wir also die wirtschaftlich unattraktiven Flächen in Hanglage, die gerade erst geerntet wurden. Da passiert in den nächsten vierzig Jahren ohnehin nichts", heißt es aus Unionskreisen. Dem Koalitionsfrieden ist dabei durchaus zuträglich, dass der Begriff Entwicklungsnationalpark im Gegensatz zu einem Nationalpark bislang überhaupt nicht definiert ist. Das Ziel ist es zwar, über einen schlagkräftigen Begriff neue Touristen in die Region zu locken. Doch ganz von der Forstwirtschaft lassen wird und will man für lange Zeit gar nicht können. Pilzesucher, Holzeinschlag, Borkenkäferbekämpfung? "Am Ende können wir das doch alles selbst bestimmen." Da aber ist man selbst in SPD-Reihen etwas vorsichtiger. Erst vergangene Woche wurde das Thema im Ilmenauer Ortsverband besprochen. Das Fazit: Naturschutz ja, aber nicht zu Lasten der dort lebenden Menschen. Eleonore Mühlbauer beteuert derweil, dass das Projekt eher als Chance zu begreifen sei - nur fehlen den unmittelbar vor Ort Wohnenden die Beweise dafür. Bislang werden die negativen Auswirkungen des bereits vorhandenen Biosphärenreservats bemüht. Die hätten gar einen ansässigen Betrieb schon zum Umzug in den Nachbarkreis getrieben, sagen Frauenwalder. Der Landtagsabgeordneten Mühlbauer fällt es schwer, die Gründe dafür zu differenzieren. Nicht allein das Biosphärenreservat sei schuld daran, hält sie am vergangenen Donnerstag dagegen - Frauenwald habe je nach Sichtweise das Pech oder das Glück, inmitten verschiedener Schutzgebiete zu liegen. Doch ohne den Bürgern dort etwas Handfestes zu bieten, das stellt sich nach den ersten Diskussionsrunden heraus, wird es schwer werden mit der Überzeugungsarbeit.

28. November: Rennsteigbahn als Baustein
REIZVOLLE REGION: Steigende Besucherzahlen versprechen sich die Initiatoren der Idee eines Nationalparkes im Vessertal#Thüringer Wald.

Mit einem möglichen Nationalpark über das heutige Areal des Biosphärenreservats "Vessertal - Thüringer Wald" hinaus hat sich am Donnerstagabend die SPD in Ilmenau befasst und dabei kontrovers diskutiert.

Von Arne MARTIUS

ILMENAU. Während Eleonore Mühlbauer als SPD-Landtagsabgeordnete im Nationalpark eine Chance für die Region sieht, haben zwei Besucher aus Frauenwald andere Erfahrungen mitgebracht. "Unser Ort hat schon durch das Biosphärenreservat viele Nachteile", meinte etwa Ottomar Eckstein aus dem Rennsteigort. Ein Unternehmen, einst der größte Steuerzahler, zog in den Nachbarlandkreis, weil ihm die Auflagen in Frauenwald zu hoch gewesen sein sollen. Nun habe sich das Thema Gewerbe so gut wie erledigt im Urlauberort. Soweit liegt die Argumentation nicht auseinander, denn Mühlbauer ist gerade wegen der touristischen Entwicklung in der Region für den Aufbau eines Nationalparkes, wie er in frühestens 25 Jahren ausgerufen werden könne. "An der Müritz und im bayerischen Wald werden bei ähnlichen Projekten steigende Besucherzahlen verzeichnet", meinte sie. Skeptischer ist da schon eher Hans-Jürgen Bürmann, SPD-Fraktionschef im Ilmenauer Stadtrat. Natürlich müsse sich das Bewusstsein durchsetzen, dass es mit dem Erhalt der Natur auch um den eigenen Lebensraum gehe. "Aber wo sollen die zusätzlichen Gäste denn herkommen?", fragte er. Für einen Besuchermagnet aber soll nach dem Konzept der neuen Landesregierung auch die Rennsteigbahn sorgen. Die nämlich ist ein Baustein in dem Vorhaben. Aus Sicht von Stefan Bieber, Mitglied im SPD-Ortsverband, sollte das kleine Bahnunternehmen auch von möglichen Fördergeldern profitieren, die im Fall der Entwicklung eines Nationalparkes abgerufen werden können. "Dass es die Strecke noch gibt, ist allein deren Verdienst", meinte er. Für Eleonore Mühlbauer befindet sich die Idee vom Nationalpark ohnehin erst einmal in der Diskussionsphase. Bis 2012 wolle man in moderierten Runden herausbekommen, wie die Region dazu steht. Bei einer Probeabstimmung unter SPD-Mitgliedern am Donnerstag zählte Andreas Walkling fünf Ja-Stimmen - bei ebenso vielen Enthaltungen.

19. November: Eins nach dem anderen

Gegenwärtig wird sehr laut darüber gestritten, ob, wie und wann am Rennsteig ein Nationalpark eingerichtet werden soll. Das Vorhaben steht sogar im Koalitionsvertrag von CDU und SPD. Derweil wartet allerdings das bestehende Biosphärenreservat Vessertal weiter auf dringend benötigte Fördermittel. Und das - wie es zurzeit aussieht - wohl noch eine ganze Weile lang.

Von  Matthias THÜSING

BAHNHOF RENNSTEIG. Für den Bau der seit Langem geplanten zentralen Informationsstelle des Biosphärenreservats Vessertal fehlt weiterhin das Geld. Auch im Rahmen der öffentlichen Podiumsdiskussion am Montagabend im Güterschuppen im Bahnhof Rennsteig blieben die Vertreter der neuen schwarz-roten Koalitionsregierung eindeutige Finanzzusagen schuldig. "Wir müssen sehen, ob das Umweltministerium die Mittel dafür einplant", so der umweltpolitische Sprecher der neuen CDU-Landtagsfraktion, Egon Primas. Ebenso wie seine sozialdemokratische Amtskollegin wollte er auf offener Bühne nicht versprechen, sich persönlich für den Bau einzusetzen. Doch die Zeit drängt. Denn die Kriterien der Unesco für die Einrichtung von Biosphärenreservaten fordert eine solche Informationsstelle. Von der Reservatsverwaltung ins Auge gefasst ist dabei ein 2,7 Millionen Euro teurer Bau am Bahnhof Rennsteig. "Demnächst wird der Entwicklungsstand im Biosphärenreservat Vessertal seitens der UNESCO neu bewertet", erinnert der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Tilo Kummer. "Es besteht immer die Gefahr, dass ohne eine solche Investition der Reservatsstatus aberkannt werden könnte." Überhaupt hege er -  "bis zum Beweis des Gegenteils" - den Verdacht, dass die Landesregierung mit den Nationalparkplänen für den Rennsteig vor allem Geld sparen wolle. "Schon im Hainich ist die Landesregierung ihrer finanziellenVerantwortung nicht nachgekommen", so Kummer. Selbst den erfolgreichen Baumkronenpfad habe die Stadt Bad Langensalza spendiert. Bevor also der im Koalitionsvertrag verabredete Nationalpark am Rennsteig entwickelt werden kann, meint Umweltsprecher Kummer, müsse zunächst einmal das Biosphärenreservat gestärkt werden.

17. November: Im TA-Café warb die Koalition für ihre Nationalparkpläne

"Die Koalitionspartner vereinbaren daher, das Biosphärenreservat Vessertal innerhalb der nächsten 20 Jahre auf einer Fläche von bis zu 13 000 ha zu einem Entwicklungsnationalpark umzugestalten."

 Von Matthias THÜSING

BAHNHOF RENNSTEIG. Es war ein vergleichsweise kurzer Absatz - versteckt auf Seite 41 des 64 Seiten starken Koalitionsvertrages - der Mitte Oktober die Region am mittleren Rennsteig in Überraschung versetzte. Denn vor der Entscheidung der beiden Thüringer Koalitionsfraktionen von CDU und SPD, bis "2012 einen moderierten Diskussionsprozess durchzuführen, in den Region, Wissenschaft, Wirtschaft und Tourismus einbezogen werden", hatte es keinerlei Anzeichen dafür gegeben, dass die Ausweisung eines Nationalparks überhaupt auf der politischen Agenda stehen könne.

Was aber ist ein Entwicklungsnationalpark? Und wer packte ihn auf den Verhandlungstisch der Erfurter Großkoalitionäre? "Ein Entwicklungsnationalpark soll eine Entwicklung beschreiben, aus der vielleicht in 25 oder 30 Jahren ein Nationalpark entstehen könnte." Eleonore Mühlbauer, Arnstädter Landtagsabgeordnete mit SPD-Parteibuch, hält - daraus macht sie keinen Hehl # die Idee einer solchen Schutzgebietsausweisung für interessant. "Es wäre die Chance, eine touristische Marke mit großer Zugkraft für die Region zu entwickeln." Doch solle diese Marke mit Betroffenen und Bevölkerung am Rennsteig gemeinsam entwickelt werden. Naturpark, Biosphärenreservat oder Nationalpark - noch herrscht ein Diskussionsbedarf. In der Region, in der Runde und auch auf dem Podium des TA-Cafés. Ministeriumsseitig wird derzeit eine Kombination ins Spiel gebracht, die einen Nationalpark als Kernstück eines darum herum weiter bestehenden Biosphärenreservats vorsehen könnte, so der Referatsleiter Schutzgebietsausweisung im Thüringer Umweltministerium, Rainer Schrader. In diesem Fall würde die unter Totalschutz gestellte Fläche von derzeit rund 700 auf vielleicht 6000 Quadratkilometer ausgeweitet. Das entspräche einem Quadrat von nicht einmal acht mal acht Kilometern. Die Befürworter der Nationalparkidee am Rennsteig hoffen auf eine Wiederholung des Erfolges, den der Nationalpark Hainich seit zwölf Jahren genommen hat. Denn auch der startete 1997 unter kritischer bis argwöhnischer Begleitung von Anliegern, Waldbesitzern und örtlicher Kommunalpolitik. Die Bedenken ähneln sich: Was ist künftig im Wald noch erlaubt? Hemmt oder befördert die Ausweisung des Großschutzgebietes die Entwicklung der Region? Ist es tatsächlich das, was der Tourismus will? Zumindest am Hainich sind diese Fragen längst beantwortet - und zwar positiv. Heute stehen 90 Prozent der Anrainer dem Nationalpark Hainich positiv gegenüber. Wurden 1997 noch 65,4 Prozent der Flächen in irgendeiner Weise genutzt, liegen heute schon 91 Prozent der insgesamt 7500 Hektar brach. Im Wald selbst wurden 2008 nur noch auf einer Fläche von acht Hektar die standortuntypischen Nadelbäume entnommen, und somit der Waldumbau vorangetrieben. Und den Waldumbau braucht auch der Rennsteig. Schon wegen des Klimawandels. Doch der Vergleich hat einen Haken - der Hainich war in großen Teilen schon vor 1997 ein unbesiedeltes Stück Natur. "Der Rennsteig ist eine Kulturlandschaft", sagt Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel. "Und nur in einem Biospärenreservat wird anerkannt, dass der Mensch in der Natur behutsam wirtschaften soll." Darum sei er persönlich ein großer Befürworter von Bioshärensreservaten. "Würden Forst und Tourismus ausreichend Geld zur Verfügung gestellt bekommen, könnte eine touristische Marke auch mit dem Rennsteig-Begriff ausgebaut werden. "Denn die Menschen kommen zum Baumkronenpfad im Hainich und nicht wegen des Nationalparks Hainich", sagt Triebel.

Bis 2012 soll diese Diskussion ergebnisoffen geführt werden. Etwa mit dem jagenden Gastronomen, der um seine Geschäftsidee der Direktvermarktung fürchtet. Oder dem jungen Mann, der noch in 20 Jahren in die Pilze gehen möchte. Oder den Mitgliedern des Frauenwalder Angelvereins. Aber auch mit dem Forstmann aus Schwarza, der die Idee als Chance gegen Abwanderung begreift oder eben den Touristikern. "Lasst uns doch erst einmal diskutieren", bittet auch CDU-Abgeordnete Egon Primas. "Wenn ihr es am Ende nicht wollt, dann lassen wir es." Und so sehen auch Rennsteigbahn-Geschäftsführer Lüder Kaltwasser und Ilmkreis-Landrat Benno Kaufhold Chancen in der nun beginnenden Debatte. Es sei doch sehr erfreulich, dass über die Zukunft der Region einmal landesweit diskutiert wird. "Wie oft sind wir mit unseren Vorschlagen und Wünschen an den Zuständigkeiten der verschiedenen Ministerien gescheitert", sagt Kaufhold. Auch das wird diskutiert werden müssen.

 

 

Zum Thema "Nationalpark im Thüringer Wald" lädt Thüringer Allgemeine am Abend des 16. Novembers zu einer Podiumsdiskussion auf dem Bahnhof Rennsteig ein.

14. November: Nationalpark: Die Fragen bleiben

Am Donnerstagabend trafen sich Kommunal- und Landespolitiker aus der Region auf Initiative von Suhls Stadtoberhaupt Jens Triebel zu einem internen Gespräch in Schmiedefeld. Thema - das Koalitionsprojekt Entwicklungsnationalpark am Rennsteig.

SCHMIEDEFELD (gs). Frank Juffa, Stützerbachs Bürgermeister war nach einem Besuch im Nationalpark Hainich aufgeschlossen in das Gespräch gegangen. Doch in diesem seien trotz Anwesenheit von Eleonore Mühlbauer, SPD-Landtagsabgeordnete und gewissermaßen Nationalparkaktivistin, für ihn die wichtigsten Fragen unbeantwortet geblieben. Weder der Unterschied zwischen Biosphärenreservat und Nationalpark sei deutlich geworden, noch die Chancen und Risiken. Damit bleiben für ihn auch die Konsequenzen für die Menschen der Region, für Eigentümer von Wiesen und Waldflächen offen. Ähnlich die Reaktion seines Neustädter Amtskollegen Dirk Macheleidt. Für ihn ist klar, dass es Auswirkungen haben wird, wenn die Tabuzone von jetzt 515 Hektar Kernzone Biosphärenreservat auf etwa 7000 Hektar im Nationalpark wachse. Ob es für den Tourismus eine Chance bedeute, bleibe die Frage. Der Tourist will sich wohl fühlen und der Erfahrung nach wollten die meisten beim Wandern in einen ansehnlichen Wald schauen. Was für ihn nicht unbedingt Urwald heiße. In der Vergangenheit habe man in der Region aus seiner Sicht Ökologie und Ökonomie relativ gut in Einklang gebracht. Ein Raubbau habe erst mit dem ICE-Bau begonnen und würde mit der 380 kV-Leitung, so sie denn gebaut würde, fortgesetzt. Und dagegen spreche keine der Regierungsparteien wirklich, meint der Bürgermeister mit SPD-Parteibuch. Für ihn ein Widerspruch - Kahlschlag neben Nationalpark. Ob letzterer der Region Auftrieb gibt, sei fraglich. Der internen Runde folgt am Montag eine von Rennsteigbahn und "Thüringer Allgemeine" organisierte öffentliche Podiumsdiskussion auf dem Bahnhof Rennsteig mit Politikern und Naturschutzexperten. Beginn 19.30 Uhr.

13. November: Nationalpark statt Biosphärenreservat?

Am kommenden Montag laden die Rennsteigbahn und Thüringer Allgemeine zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion auf den Bahnhof "Rennsteig" ein. Ab 19.30 Uhr geht es um den im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Entwicklungsnationalpark in der Rennsteigregion.

RENNSTEIG (gs). Hitzig muss die Debatte nicht unbedingt werden, der Raum im ehemaligen Güterschuppen ist gut geheizt. Der Ort ist bewusst gewählt, denn die Idee ließ bei den Verantwortlichen der Rennsteigbahn ersteinmal Sorgen aufkommen. Was wird aus dem geplanten touristischen Zugbetrieb, was aus dem in Nähe des Bahnhofs geplanten Informationszentrum des "Biosphärenreservats "Vessertal" und nicht zuletzt - was aus dem Rennsteighaus, das im Rennsteig-Konzept des Regionalverbundes Thüringer Wald beinhaltet ist. Mittlerweile sind auch die ersten fragen per Fax beziehungsweise E-mail bei uns eingetroffen. Die beziehen sich unter anderem auf die möglichen Auswirkungen für die Jagd oder - was wird aus vom Borkenkäfer befallenen Bäumen in einem Nationalpark. Wir freuen uns auf viele Gäste - am Montag, 16. November, 19.30 Uhr, Bahnhof Rennsteig.

11. November: Pro und Kontra Nationalparkidee

Naturpark, Biosphärenreservat, Nationalpark - nicht nur begrifflich wird die Situation im Thüringer Wald unübersichtlicher. Gerade die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Einrichtung eines Entwicklungsnationalparkes am Rennsteig sorgt für Fragen # die wir im TA-Café am Montag, 16. November, an Experten weiterreichen wollen.

RENNSTEIG (gs). Innerhalb von 20 Jahren soll ein Areal von 13 000 Hektar zum Nationalpark umgewandelt werden, beziehungsweise sich selbst zu einem solchen wandeln. Denn in einem Nationalpark gilt der Grundsatz, dass die Natur der Natur überlassen bleibt. Was heißt, eine wirtschaftliche Nutzung in jeglicher Weise ist ausgeschlossen. Dennoch sieht Eleonore Mühlbauer, SPD-Landtagsabgeordnete aus Arnstadt und maßgebliche Ideengeberin, den Nationalpark als Chance auch für den Tourismus. Suhls Oberbürgermeister Jens Triebel, gleichzeitig Vorsitzender des "Naturparks Thüringer Wald", sieht das eher skeptisch. Er fürchtet, dass mit einem Nationalpark dem Rennsteig oder Teilen des Kammweges eine "Käseglocke" übergestülpt wird. Beide werden am kommenden Montag, ab 19.30 Uhr, zu den Teilnehmern der Podiumsdiskussion im TA-Café sein - direkt am Rennsteig. Die Rennsteigbahn stellt Räumlichkeiten auf dem Bahnhof "Rennsteig" zur Verfügung. Mit in der Runde - Elke Hellmuth, amtierende Leiterin des Biosphärenreservats "Vessertal-Thüringer Wald", Rainer Zobel, Vizelandrat des Ilmkreises, Lüder Kaltwasser, Geschäftsführer der Rennsteigbahn und ein Vertreter des Thüringer Umweltministeriums. Interessierte Gäste sind herzlich willkommen.

3. November: Echo auf Projekt vorwiegend ablehnend

Der für Umwelt und damit den Naturschutz zuständige Ressortchef der neuen Landesregierung ist noch nicht benannt. Dafür sorgt eine seiner künftigen Arbeitsgebiete längst für Wirbel - die Weichen für die Umwandlung des Biospärenreservats "Vessertal" zu einem 13 000 Hektar großen Entwicklungsnationalpark zu stellen.

Von Gerd SCHMIDL und
Frank BUHLEMANN

SCHMIEDEFELD. Herbert Roth würde vermutlich das Rennsteiglied im Halse stecken bleiben. Von wegen: "Diesen Weg auf den Höh'n bin ich oft gegangen. . ." Wird der beliebte Kammweg eines Tags in Teilen durch Nationalparkschranken unpassierbar werden? Eine Horrorvorstellung. Kaum vorstellbar, dass dies von den Neukoalitionären gewollt ist. Wobei eigentlich nicht sicher ist, was sie eigentlich wollen. Selbst der Chef des Forstamtes Frauenwald, Hagen Dargel, weiß den Begriff Entwicklungsnationalpark nicht so recht zu definieren. Auf dem Kern Nationalpark reduziert, seien die Konsequenzen eindeutig. Ein großer Teil der Flächen muss aus der Bewirtschaftung herausgenommen werden. "Das kann ich mir für unsere Region schwer vorstellen", meint er mit Verweis auf die intensive touristische und forstwirtschaftliche Nutzung. Selbst mit der vergleichsweise kleinen Kernzone des Biosphärenreservats sei es "schwierig genug", aber das habe man - der Forst # "voll akzeptiert". Im Übrigen, den Nationalpark Bayerischen Wald, könne man nur schlecht zum Vergleich heranziehen, so Dargel. Der sei dünner besiedelt und auch nicht so intensiv bewirtschaftet worden. Was den Forstamtsleiter vor allem verwundert - niemand habe offenbar im Vorfeld überhaupt den Kontakt zur Region gesucht. Auch die Verwaltung des Biospärenreservats "Vessertal" wurde von den Plänen oder der Absichtserklärung völlig überrumpelt, bestätigte die amtierende Leiterin Dr. Elke Hellmuth (TA berichtete). Die Reihe lässt sich fortsetzen. "Ich bin empört darüber, dass das Biosphärenreservat Vessertal zu einem Nationalpark umgebaut werden soll und sehe darin eine große Gefahr", schimpft Jens Triebel, Vorsitzender des Naturparkes Thüringer Wald. Das Vorhaben, das jetzt im Koalitionsvertrag der neuen Thüringer Regierung steht, sei "wie Kai aus der Kiste gekommen", keine Vorabsprachen, so Triebel, der Oberbürgermeister Suhls und diplomierter Förster ist, weiter. "Die Menschen wissen gar nicht, wohin mit einem Nationalpark die Reise geht, da werden schleichend Wege zurückgebaut, Kommunen und Grundeigentümer ihrer Rechte beraubt und Tourismus beschnitten", ereifert sich Triebel. Aus dem Miteinander von Mensch und Natur werde alleiniger Schutz der Natur und der Mensch aus der freien Natur vertrieben. In der Sächsischen Schweiz sei das bereits seit Jahren zu beobachten. Zudem: "Strenger Schutz, wie im Nationalpark, geht langfristig zu Lasten anderer Wälder in der Welt, besser ist kontrollierte Nutzung und Erhaltung heimischer Forstgebiete", so Jens Triebel. Um einen Baumwipfelpfad zu bauen, brauche es keine neumodischen, kleinteiligen Nationalparks, das sei auch so gut möglich. Groll auch bei der Rennsteigbahn, die den Bahnhof am Kammweg weiter ausbauen und touristischen Zugverkehr etablieren will. Die Nationalparkpläne könnten dem entgegenstehen. Für Geschäftsführerkollege Manfred Thiele das Reizthema schlechthin. Knackpunkt für Forstamtschef Hagen Dargel - die Idee kommt nicht "von hier". Beispielsweise sei der Wunsch nach einem Nationalpark Hainich aus der Region gekommen. Aber wenn so ein Projekt so gar nicht in der Region verwurzelt ist, dann hat es aus Dargels Sicht "kaum eine Chance auf Erfolg".

27. Oktober: Deutliche Skepsis

Der Millionensegen für die Infrastruktur am Rennsteig wird "definitiv ausgeschüttet", sagt Tourismusmanagerin Christa Velten. Daran werde auch der angestrebte Status der Region als Entwicklungsnationalpark nichts ändern können.

Von Matthias THÜSING

ILMENAU. Insgesamt 2,7 Millionen Euro kann allein der Ilmkreis vom Land erwarten, um den Tourimus am Rennsteig voranzubringen. Für Parkplätze, einen Pistenbully oder auch Wegebau könne das Geld dabei eingesetzt werden (TA berichtete), vorausgesetzt die Kommunen steuern jeweils zehn Prozent der beantragten Summen aus Eigenmitteln bei. "Das Programm wird definitiv umgesetzt", bekräftigte gestern Christa Velten als Geschäftsführerin des Regionalverbunds Thüringer Wald. "Noch habe ich auch von offizieller Seite überhaupt nichts von einem Nationalpark gehört." Auf dessen Einrichtung noch in dieser Legislaturperiode beginnend hatten sich in der vergangenen Woche CDU und SPD in ihren Koalitionsverhandlungen überraschend geeinigt. Im Regionalverbund stößt eine Nationalparklösung im klassischen Sinne auf deutliche Vorbehalte. Sollen doch mindestens 75 Prozent eines international anerkannten Nationalparks der weiteren wirtschaftlichen Nutzung entzogen werden. Das beträfe nach Auslegung der für die Klassifizierung zuständigen Weltnaturschutzunion sowohl die forstwirtschaftliche wie auch touristische Nutzung der Flächen. "Der Rennsteig ist zu wichtig und zu bekannt, als dass er Teil eines Nationalparks werden könne", stellt Christa Velten aus Sicht der Tourismusbranche fest.

24. Oktober: "Vier Sätze, die es in sich haben"

Wenn morgen die Parteitage von CDU und SPD dem Koalitionsvertrag zustimmen, dann ist auch ein Projektbesiegelt, dass Arnstadts sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Eleonore Mühlbauer maßgeblich mit initiiert hat - aus dem Biosphärenreservat Vessertal soll in den nächsten 20 Jahren ein Entwicklungsnationalpark werden.

Von Gerd SCHMIDL

SCHMIEDEFELD. "Da könne mir gleich zugeschließ", entfuhr es einem Neustädter Handwerker nur bei der Erwähnung dieser Option. Er dürfte mit seiner Skepsis nicht der Einzige sein. Ähnliche Pläne für den fränkischen Steigerwald stoßen dort gleichfalls nicht auf Begeisterung, wie Transparente an den Straßen verkünden. "Nationalpark, nein danke" ist so oder inhaltlich identisch darauf zu lesen. Selbst in der Verwaltung des Biosphärenreservates kam offenbar nicht so recht Freude auf. Zumal diese völlig überrascht oder, wie der amtierenden Leiterin Dr. Elke Hellmuth anzumerken war, total überrumpelt wurde. Derzeit habe sie selbst mehr Fragen als Antwortenzu bieten, gibt sie unumwunden zu. Wenngleich der Gedanke nicht gänzlich neu ist. Umweltminister Volker Sklenar hatte bereits vor etwa einem Jahr einen solchen Testballon gestartet. Damals reagierte Reservatschef Johannes Treß äußerst reserviert, sprich, er wollte sich gar nicht äußern und verwies an das besagte Ministerium. Nun also soll es ernst und konkret werden. Eleonore Mühlbauer ist voller Tatendrang, sieht Skepsis nicht gerechtfertigt, weil sich aus ihrer Sicht eine einzigartige Entwicklungschance bietet. Dem Klimawandel würde Rechnung getragen, Waldumbau in bislang einmaliger Größenordnung wäre machbar und notwendig - nach Kyrill. Thüringen in einer bundesweiten Vorreiterrolle. Neue Konzepte gelte es zu erarbeiten. Daran mangelte es allerdings in den zurückliegenden knapp 20 Jahren in Thüringen und im Thüringer Wald nie, nur am Geld, um diese umzusetzen. Gerade jetzt sieht es danach aus, dass 15 Millionen in die Rennsteigregion fließen könnten und damit endlich ein Konzept umgesetzt werden könnte. Dass dies durch die Nationalparkpläne ausgebremstwerden könnte, sieht sie nicht so. Im Gegenteil, die würden neue touristische Möglichkeiten für die Region eröffnen - wenn mit den Kommunen, der Wirtschaft und den Touristikern geredet werde. Da trifft sie sich - vorerst nur ideell - mit Elke Hellmuth, denn die sieht dies als dringlich geboten. Zumal das Biosphärenreservat gerade im 30. Jahr seines Bestehens immer wieder den Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Kulturlandschaft betonte.Einklang von Mensch und Natur, was die Nutzung der Natur einschließt. Konzepte für Nationalparke hätten eine andere Ausrichtung, formuliert sie vorsichtig. Es könnte bedeuten, das die jetzt relativ kleine Kernzone, in der die Natur sich selbst überlassen ist, deutlich ausgeweitet werden würde. Das hätte Folgen, vermutlich nicht nur positive. Zudem, und darauf verweist auch Hellmuth, gibt es bereits ein abgestimmtes Rahmenprogramm, in dem der Naturschutz, aber auch die ökonomische Entwicklung sowie langfristiger Waldumbau verankert sind. Fragen über Fragen - die sich auch die Reservatsleitung stellt. Man wolle zwar nicht "die Pferde scheu machen", aber andererseits würden solche Dinge ja auch nicht "nur eben so" in einen Koalitionsvertrag geschrieben, meint Elke Hellmuth und aus ihrer fachlichen Sicht: "Es sind nur vier Sätze, aber die haben es in sich." Sie haben zweifelsfrei Verunsicherung gesät.

ARTIKEL VERSENDEN zurück ARTIKEL DRUCKEN
ta-karneval-portal
Ein Wochenende voller Narren

Hier finden Sie alle Bilder
vom Karnevalswochenende

Termine, Fotos und Videos
TA-VIDEO
Alle Videos aus der Region

Hochsprung, Karneval und weitere Highlights

TA-AKTUELL
Krankenhausstraße

Diskutieren Sie mit - Ihre Meinung ist gefragt.

TA-Fotostrecke
Ilmenaus Bilder des Tages

Aktuelle Impressionen
aus Ilmenau und Umgebung

TA-FOTOSTRECKE
Winterchaos auf den Straßen

Behinderungen in Südthüringen
durch Wind und Schnee

TA-AKTUELL
Wok-WM in Oberhof

Pro7 verschiebt das Spektakel um einen Tag nach vorne

TA-EXTRA
Campus Online

News und Infos rund um den Ilmenauer Campus

TA-AKTUELL
Großbrand in Zella-Mehlis

Experten suchen weiter nach Brandursache

TA-AKTUELL
Statistisches aus Suhl für 2009

Geburten, Namensgebung, Hochzeiten und Sterbefälle

TA-EXTRA
Ferkelzuchtanlage Alkersleben

Aktuell: Holländischer Investor erhält Fördergelder vom Land

TA-EXTRA
Amokdrohungen nehmen zu

Informationen zu den Drohungen im Ilmkreis

TA-EXTRA
Nationalpark Rennsteig

"Keine Zerstückelung des Thüringer Waldes"

TA-AKTUELL
Neue Rad- und Fußwegbrücke

Das Bauwerk am Bahnhof nimmt Gestalt an

Linktipps

- Anzeige -
BMW Jahreswagen
... bis zu 45% Billiger!
Wie gut hört Thüringen?
Mitmachen lohnt sich!

WAS, WANN, WO
Veranstaltungen in Thüringen

Disko oder Basteln, Oper oder Kabarett. Behörden oder Museen. Veranstaltungen und Öffnungszeiten für Ihren Ort oder ganz Thüringen.

TA-Städte-News
ARNSTADT
Bunte Vielfalt
ERFURT/ILMKREIS. Die 20. Thüringen-Ausstellung in Erfurt lockte am gestrigen vierten Tag wieder zahlreiche Besucher in die Hallen auf dem Gelände...
GOTHA
Alle gemeinsam
Im Jahr 2017 ist es 500 Jahre her, dass der Mönch Martin Luther in Wittenberg seine Thesen veröffentlichte, die die Gesellschaft in Europa -...
ERFURT
Die erste Geige im Orchester
Gestern Abend wurde in der Thüringer Staatskanzlei der Bundesverdienstorden verliehen. Übergeben wurde die höchste deutsche Auszeichnung vom...
TA-Toplinks
Ilm-Kreis
 Die Städte und Gemeinden des Ilm-Kreises im Überblick
Ilmenau
 Das nichtamtliche Ilmenau-Portal mit News und Linksammlung.
TU Ilmenau
 Die Technische Universität und ihr reichhaltiges Web-Angebot
Großbreitenbach
 Die Region im äußersten Südosten des Ilm-Kreises
Lange-Berg-Region
 Willkommen in der VG "Langer Berg"
Das Geratal
 Das Geratal am Nordrand des Thüringer Waldes
Der Rennsteig
 Wichtige Informationen rund um den 168 km langen Wanderweg
         
 
Eine Seite zurück
Zum Seitenanfang
 
         
   

Sämtliche Inhalte (Text- und Bildmaterial) dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Den Nutzern dieser Webseite werden deren Inhalte ausschließlich zum privaten, eigenen Gebrauch zur Verfügung gestellt. Eine darüberhinausgehende Nutzung der Inhalte ist nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung der Thüringer Allgemeine Verlag GmbH & Co. KG zulässig. Für die Inhalte fremder, verlinkter Webseiten wird keine Verantwortung übernommen.

   
Sonderthemen
LESERSERVICE
> Spuk im Hochhaus DVD
   DDR-Kultserie ab 17,95 €
> Zur Anzeigenannahme
   Private Zeitungsanzeigen
> Neu im Downloadcenter
   Steuererklärung 2009
> Leserreisen 2010
   Kreuzfahrten und mehr
> TA auf dem Handy
   Neues mobiles Angebot
ABO BESTELLEN

> Prämie für neues Abo
   Leser werben Leser
> Miniabo für 3 Monate
   Lesen und Vorteile sichern
> Zeitung kennenlernen
   12 Tage TA testen
> Abo verschenken
   Hält länger als Blumen
> Abonnement bestellen
   Bis 6 Uhr im Briefkasten
> E-Paper bestellen
   Die digitale Zeitung