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Unrühmliches Ende

Von Kai MUDRA
Spezialeinheiten der Polizei aus vier Bundesländern haben gestern in Erfurt das seit acht Jahren besetzte Gelände der früheren KZ-Ofenbaufirma Topf & Söhne geräumt. Neben einsatzbereiten Brandflaschen fanden Beamte auch Feuerwerkskörper. 59 Hausbesetzer wurden festgenommen und sollen dem Haftrichter vorgeführt werden.

ERFURT. Als kurz vor sechs Uhr gestern Morgen die ersten Polizeiwagen am besetzten Gelände in Erfurt anrückten, trafen die Steine. Die Wurfgeschosse kamen vom Dach eines der Häuser auf dem Areal der früheren KZ-Ofenbaufirma Topf & Söhne. Verletzt wurde niemand.

 Bald darauf brannte auf der Schmidtstedter Straße eine Barrikade aus Gerümpel und auch vorm Eingang zum besetzten Haus war Sperrmüll in Flammen aufgegangen. Das Feuer löschte ein Wasserwerfer. Trotzdem musste die viel befahrene Bundesstraße B 7 repariert und voll gesperrt werden.

Zwei Polizeihubschrauber setzen Beamte des Sondereinsatzkommandos auf den Dächern der besetzten Gebäude ab. Es sollte schnell gehen. Vorgestern war ein Polizeihubschrauber während eines Aufklärungsflugs mit Feuerwerkskörpern beschossen worden.

35 Hausbesetzer nahmen die Einsatzkräfte bereits vor dem Eingang des Geländes vorläufig fest, weil sie ihre Sitzblockade nicht auflösen wollten. Weitere 24 befanden sich noch in den Gebäuden.

Zwei von ihnen mussten von einem Dachfirst geholt werden. Etwas länger dauerte es, fünf Aktivisten zu befreien, die sich unterm Dach angekettet hatten. Nach vier Stunden war das Gelände geräumt. Die Einsatzkräfte fanden Nagelbomben, zahlreiche Feuerwerkskörper, eine Steinschleuder und funktionsbereit aufgefüllte Brandflaschen: ein unrühmliches Ende für eine Initiative, die vor acht Jahren viel bewirkt hatte.

Die Linkspartei forderte noch während des Polizeieinsatzes, diesen im Innenausschuss überprüfen zu lassen. Es sei eine Chance vertan worden, alternative Jugend- und Wohnprojekte zu fördern und zu unterstützen, hieß es. Allerdings hatten die Besetzer in den vergangenen Wochen alle Vorschläge und Initiativen, ihnen Alternativen zu dem besetzten Firmengelände anzubieten, abgelehnt.

Michael Panse von der CDU-Landtagsfraktion unterstützte die Räumung. Es gab immer Versuche der Stadt Erfurt, eine friedliche Lösung zu finden, sagte er, der für die CDU auch im Stadtrat sitzt. Mit den Besetzern sei zum Schluss nicht mehr zu reden gewesen.

Bundesweit bekannt wurden die Hausbesetzer als sie im Januar aus Protest Bernd das Brot zwei Wochen entführt hatten.

Dabei hatte die Initiative, als sie vor knapp zehn Jahren begann, einiges bewirkt. Über die Verbrennungsöfen, die von der Firma Topf & Söhne zur Nazi-Zeit in Erfurt für Konzentrationslager wie in Auschwitz gebaut wurden, war fast nichts bekannt, sagte Panse: Doch die anfangs so wertvolle historische Aufarbeitung wurde in den vergangenen Jahren zur gewöhnlichen Hausbesetzung.

Die Quittung kam Anfang April vom Landgericht Erfurt. Der neue Eigentümer des Areals, eine Mühlhäuser Baufirma, hatte nach endlosen Gesprächen die Räumung durchgesetzt, weil auf dem Gelände Wohnungen entstehen sollen. Die Zusicherung, in einem der alten Häuser auch eine Gedenkstätte einzurichten, besteht weiter.

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