Die Freunde aus Leipzig: Duo Arens/Hartmann spielt Schumann

In Leipzig wurden sie Freunde: Robert Schumann und seine Pianistengattin Clara, der spätere Gewandhauskapellmeister Niels Wilhelm Gade und der Gewandhauskonzertmeister Ferdinand David. Durch gegenseitige Widmungen tauschten sie Kompositionen und spielten sie erstmals im häuslichen Kreis.
Die eigentümlich empfindsame, transparent locker gearbeitete Sonate für Klavier und Violine A-Dur op. 6 gehört dazu, die Gade bereits 1842 geschrieben und Clara gewidmet hatte. Auch die Zweite Große Sonate für Violine und Pianoforte d-Moll op. 121 von Schumann, erst 1852 entstanden und David zugeeignet, ist zu nennen, die, in epischer Breite wenig gegliedert hingelagert, ihre "mehr sich fühlbar machenden als nachzuweisenden Mängel" - so Franz Liszt - offenbart.

Sie aber belegt, dass die Freundschaft selbst die Übersiedlung Schumanns nach Dresden 1844 überdauerte wie auch später seinen Tod: Clara blieb an Werken Davids interessiert und so natürlich an den erst 1860 geschaffenen und dem zum Freundeskreis gehörenden Geiger Wassiliewski gewidmeten Kammerstücken für Violine und Klavier op. 36 - drei von ihnen sind auf dieser bei querstand erschienenen CD ebenfalls veröffentlicht.

Feingefühl für Gade

Leipzig verbunden sind auch die Solisten Rolf-Dieter Arens (Klavier), Altrektor der Franz-Liszt-Hochschule Weimar, und Andreas Hartmann (Violine), Konzertmeister des Leipziger MDR-Sinfonieorchesters. Wie ein ins Unendliche laufender Redeschwall, Höhen und Tiefen dramatisch durchstreifend in komplexem Gleichklang, dabei aber die angemessene romantisch warme Tongebung durch klassisch strengen Präzisionsklang ersetzend, erklingt die Schumann-Sonate; mit Feingefühl für die charaktervolle Ausformung kompositorischer Gegensätze dagegen die sich ins Sinfonisch-Virtuose steigernden Genrestücke von David.

Als Glanzstück durchsichtig-hellhörigen Musizierens, ein Unikat aus grazilem Laufwerk im Klavier und Motivansätzen und intensiv singender, ansprechender Melodik in der Violine, präsentieren die Solisten wie aus einem Guss Gade als einen Komponisten, dem heute wesentlich mehr Aufmerksamkeit zuteil werden sollte. Sie holen mit stilvoll emotionaler Zurückhaltung und spieltechnischer Souveränität dieses Werk aus dem Abseits, das lange vor Grieg die atmosphärische Reinheit und die nur schwer zu erschließende Schönheit des Nordens thematisiert. Gade wird nach mehr als 160 Jahren mit einer Sonate in nobler Darbietung zu einer Entdeckung.

Schumann, David, Gade: Chamber Music for Violin and Piano. Hartmann, Arens. CD, querstand, ca. 18 Euro


Hans-Jürgen Thiers / 01.08.10 / TLZ
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