Offenbar schändeten Neonazis den Internet-Auftritt des KZ Buchenwald. Foto: Jens-Ulrich Koch
Die KZ-Gedenkstätte Buchenwald wurde am Mittwoch mit einem Angriff aus dem Internet konfrontiert. Offenbar schändeten Neonazis den Internetauftritt.
Weimar. Wer sich im Netz über die KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar oder das sowjetische Speziallager informieren wollte, musste sich mit Rudimenten zufrieden geben. Nach Angaben der Gedenkstätte war der Internetauftritt der Gedenkstätte gehackt und geschändet worden. Die Seiten, auf denen sich die Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen vorstellt, wurden komplett gelöscht. Stattdessen war ein stilisiertes Kapuzenshirt mit einer an Nazis erinnernden grünen Buchstabenfolge zu sehen. Angefügt war die in schlechtem Englisch formulierte Drohung, "künftig wiederzukommen". Gedenkstättenleiter Volkhard Knigge sprach von einem "in dieser Form noch nicht vorgekommenen kriminellen Angriff auf die Gedenkstättenarbeit. Durch die Beschädigung von Serviceangeboten und Dokumentationen wie dem Totenbuch des KZ Buchenwald haben der oder die Täter versucht, die Erinnerung an die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen auszulöschen." Die Gedenkstätte verwies auf täglich 7000 bis 8000 Zugriffe, mit denen sich Menschen aus aller Welt auf den Internetseiten über die Gedenkstättenarbeit informieren würden. Diese wurden gestern Morgen wegen des Hackerangriffs auf eine Seite von Holocaust-Leugnern umgeleitet. Wann der Schaden an den Internetseiten komplett behoben sein wird, konnte Knigge noch nicht sagen.
Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt in Erfurt hat nach einer Anzeige der Gedenkstätte die Ermittlungen aufgenommen. Volkhard Knigge sprach von einem offensichtlich neonazistisch motivierten Hacker-Angriff. Die Ermittler wollten sich gestern zu Details nicht äußern. Als "perfide" kritisierte Innenminister Peter Huber
die Manipulation an der Internetseite. Es sei eine Zumutung für die Opfer, die diese Seite besuchen, fügte er an. Regierungschefin Christine Lieberknecht
(beide CDU) sprach von einem "schamlosen Anschlag auf die Demokratie". Der Angriff sei ein Zeichen dafür, dass die organisierte Neonaziszene immer aktiver werde, erklärte Peter Metz
von der SPD-Landtagsfraktion. Nach TA-Informationen erfolgte der Angriff gestern gegen 9 Uhr. Die Hacker hatten schon früher einen "Hintertür"-Virus eingeschleust, um nun auf die Internetserver zu gelangen. Anhand der hinterlassenen Botschaften hoffen die Ermittler, die Täter fassen zu können.