Pferde vergiftet: Grausamer Todeskampf auf Erfurter Weide
Porträt
Die beiden Hengste (Foto) und die Haflingerstute wurden vermutlich mit Giftweizen gefüttert. Sie verendeten auf der Weide. Foto: privat
Unter großen Qualen verendeten drei Pferde auf einer Weide im Erfurter Stadtteil Vieselbach. Besitzerin Bianka Luhn ist schockiert. Vermutlich sind die Tiere vergiftet worden, wie der in der Todesnacht alarmierte Veterinär bestätigt. Die Polizei ermittelt.
Vieselbach. Hilflos musste die Bauingenieurin aus Vogelsberg im Landkreis Sömmerda den beiden Hengsten und der Stute in der Nacht zum 2. Juni beim Sterben zusehen. Seit vier Jahren nutzt sie als Pächterin das 2000 Quadratmeter große Landstück in ihrem alten Heimatdorf Vieselbach als Weidefläche für ihre Pferde. Es grenzt an eine Gartenanlage, ist umschlossen von einem Elektrozaun. Es schwelt ein Streit zwischen den Kleingärtnern und Tierhaltern: "Den Städtern, die ihr Wochenende im Garten verbringen, passt es nicht, dass hier Tiere weiden, Pferdeäpfel könnten ja stinken", sagt Luhn. Dass der Nachbarschaftsstreit den Tieren das Leben gekostet haben könnte, ist eine böse Ahnung. Es ist nichts bewiesen. An jenem Abend erreichte Luhn ein Anruf von einem Vieselbacher, der bemerkt hatte, dass der einjährige Isländer-Hengst am Boden lag. "Ich fuhr sofort hin, rief eine Tierärztin. Zehn Minuten nach meinem Eintreffen war das Tier tot. Der kleine, schöne Hengst hatte schon einmal eine Kolik. Wir vermuteten zunächst, dass er nasses Gras gefressen hatte und an einem Darmverschluss litt", sagt die Tierhalterin. Kurze Zeit später fiel der zweite Hengst, eine Isländer-Araber-Mischung um. "Die Tierärztin hängte ihn an einen Tropf, gab Spritzen, vorsorglich auch bei meiner 30 Jahre alte Haflinger-Stute. Dieses Tier hielt im Todeskampf am längsten durch". Der Gedanke daran schmerzt Bianka Luhn noch heute. Nachdem das zweite Pferd verendet war, entschied sich der ebenfalls herbeigerufene Tierarzt, Dr. Thomas Riemann aus Schlossvippach, die Stute von ihrem Leid zu erlösen und einzuschläfern. Es war ein Uhr nachts.
Anhand der Symptome - Streckkrämpfe, Seitenlage, Untertemperatur und Bewusstlosigkeit - vermutet Riemann, dass die Pferde mit Giftweizen gefüttert worden sind, der bilde im Magen ein Gas, das toxisch wirke. Arsenverbindungen und Zinkphosphid sorgen für die tödliche Wirkung. "Es ist eine grausame Art zu sterben", beteuert der Veterinär. Er habe so etwas noch nie ansehen müssen.Bianka Luhn hat Anzeige bei der Polizei in Erfurt erstattet, drängt auf eine Untersuchung der Kadaver. Tierarzt Riemann weiß: "In den Mägen der Tiere ist etwas Rotes gefunden worden." Dr. Wolfgang Hühn vom Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz in Bad Langensalza bestätigt die Untersuchungen: "Ergebnisse kann ich nicht nennen, weil die Ermittlungen der Polizei andauern und der Fall vermutlich an die Staatsanwaltschaft geht." Für Bianka Luhn steht fest, dass ihre Pferde absichtlich vergiftet worden sind: "Ich kann als Tierliebhaber nicht verstehen, wer so etwas Schreckliches tut." Sie hofft auf Zeugen, die beobachtet haben, wer ihre Pferde am 1. Juni gefüttert hat. Das Gift im Weizen wirkt schnell, zwei Stunden nach dem Fressen; Zeit, in der die Tiere unendlich leiden.