Große Diskussion um Buchenwald-Antrag zum Weltkulturerbe
Porträt
Der Antrag der Thüringer Landesregierung, das Konzentrationslager Buchenwald in den Rang einer Weltkulturerbe-Stätte zu erheben, ruft zum Teil heftige Reaktionen hervor. Foto: Jens-Ulrich Koch
"Kitsch", "Weltkulturnippes", "Befremden". Der Antrag der Thüringer Landesregierung, das Konzentrationslager Buchenwald in den Rang einer Weltkulturerbe-Stätte zu erheben, hat zum Teil heftige Reaktionen hervorgerufen.
Erfurt. So fragt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Die Gedenkstätte Buchenwald zwischen Zeche Zollverein und dem Kvarken-Archipel? Was zeugt an dieser Stätte des Grauens von "kreativem Genie", von herausragender kultureller Tradition, von außergewöhnlicher Naturschönheit oder brillanter Ingenieurskunst?" Zwar habe die Aufnahme des Konzentrationslagers Auschwitz bewiesen, dass man Orten des Grauens und dem Erinnern an massenhaften Mord ein Denkmal setzen kann. Aber: "Mit der Erinnerung an den Holocaust sollte man es sich nicht so leicht machen wie mit der Erinnerung an Goethe und Schiller", meint die FAZ und wird noch schärfer: "Es sollte vor allem nicht so getan werden, als gehöre das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus zu den Höhepunkten eines Katalogs ästhetischer Attraktionen. Man könnte sagen: Weltkulturnippes. Denn was in der Unesco-Liste getrieben wird, ist bei allen hehren Ansprüchen nichts anderes als der emotionsgeladene Anschub von Gedenktourismus. Das ist zu einfach. Es ist Kitsch."
Auch der "Tagesspiegel" aus Berlin bezieht eindeutig Stellung: "Buchenwald als Weltkulturerbe - das löst Befremden aus. Goethe-Nationalmuseum und Buchenwald sind kein Ensemble." Die Zeitung fragt, ob Weimar, Thüringen und die Bundesrepublik nicht genug Möglichkeiten hätten, Menschen an den Schreckensort zu führen und Weimar nicht bloß als Schmuckkästchen zu verkaufen. Die Antwort gibt sie prompt selbst: "Es gibt in Deutschland eine ausgeprägte offizielle Erinnerungskultur, dazu bedarf es nicht der Hilfe von der Unesco aus Paris."
Bei einer Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar haben am Sonntag mit, auch mit Blumen, mehr als 700 Menschen an die Opfer der NS-Diktatur und die Befreiung des Konzentrationslagers erinnert.
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Bei einer Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald nahe Weimar haben am Sonntag mehr als 700 Menschen mit Blumen, Fahnen, Kränzen und Reden an die Befreiung des Lagers und die Opfer der NS-Diktatur erinnert.
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