Komplettes Saurierskelett im Wald zwischen Ilm und Schmücke
Porträt
Andree Amelang aus Stützerbach ist in seiner Freizeit als Paläontologe unterwegs und hat zwischen Ilm und Schmücke einen Saurierabdruck entdeckt. Geologen des Naturhistorischen Museums Schleusingen und der Bergakademie Freiberg haben das Skelett freigelegt. Foto: Ralf Ehrlich
Ein 1,20 Meter großer Fossil-Fund gilt als zweitgrößter in Thüringen und wird in die Zeit vor 298 Millionen Jahre datiert.
lmkreis. Dass es im Wald zwischen Ilm und Schmücke vor Millionen Jahren einen großen See gegeben hat, war Andree Amelang schon seit einer Weile bewusst: Immer wieder hat der gelernte Straßenbauer aus Stützerbach in seiner Freizeit als Paläontologe Abdrücke von Wasserbewohnern gefunden, hauptsächlich von Fischen. Doch diesmal gab das Erdreich eine echte Sensation frei. An der von Andree Amelang entdeckten Fundstelle legten Geologen des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg Schleusingen und der TU Bergakademie Freiberg das weitgehend vollständige Skelett eines Sauriers frei. Das krokodilähnliche Wesen mit einer Rumpflänge von 1,20 Metern hat in der Zeit des Rotliegenden gelebt - vor etwa 298 Millionen Jahren. Das Tier gilt nach dem Manebacher Saurier als zweitgrößter Fund im Thüringer Wald, ordnet Ralf Werneburg vom Naturhistorischen Museum in Schleusingen die Bedeutung ein. Derzeit werden die Puzzleteile des Schädels von einem Präparator zusammengefügt. Auf den winzigen Steinen daneben ist zu sehen, wie der Kopf des Raubtiers ausgesehen hat. Zwei Babyabdrücke hat das Gestein ebenso konserviert. Während der längst zu prähistorischem Ruhm erlangte Manebacher Saurier ein Landgänger war, lebten diese Tiere hier im Wasser. Der Vorteil der Seesedimente für die Wissenschaftler: Durch die Schlammschicht wurden die Überreste der Lebewesen schnell eingeschlossen. "Das ist ganz wichtig für ein Fossil, dass es schnell von Luft abgeschlossen ist", erklärt Ralf Werneburg.
Insgesamt wurden an der Fundstelle im Thüringer Wald bislang 30 000 Fossilien gefunden, womit sich die Grabungsstätte schon jetzt als wahre Schatzgrube erweist. Exkremente von Haifischen zählen ebenso dazu wie Fischschuppen und Insektenflügel. Allein mit diesem Repertoire gilt die Fundstelle als insektenreichste im Rotliegenden von ganz Europa. "Zwei Drittel der Funde gehören zu den Schaben mit mehr als zehn verschiedenen Arten von einem bis sieben Zentimetern Länge", beschreibt der Museumsdirektor. Am wissenschaftlich wertvollsten aber sind etwa 200 Funde von so genannten Blattinopsiden, einer ausgestorbenen und noch recht wenig bekannten Insektengruppe. Ihnen wird demnächst auch eine Doktorarbeit zuteil: Der Geologe Stephan Brauner vom "GeoPark Inselsberg Drei Gleichen" wird über diese Insektenfauna bei Professor Jörg Schneider von der TU Bergakademie Freiberg promovieren. Auch drei Spinnen gab das Gestein frei, "auch das ist etwas ganz Besonderes", schätzt Ralf Werneburg ein. Andree Amelang beschäftigt sich seit 1988 mit Ausgrabungen - und auch diesmal hatte er den richtigen Riecher. Ein bisschen Glück ist freilich auch dabei, denn erst ein umgestürzter Baum führte ihn auf die richtige Spur. Wo genau die Fundstelle im Thüringer Wald ist - dazu haben die Wissenschaftler noch Stillschweigen vereinbart. Der Erde würden sie gern noch ein paar Geheimnisse entlocken.