TA-Phon: Sonja S. kann Kohlen zum Sommerpreis kaufen
Wie das Jobcenter Mühlhausen den Antrag einer Kammerforster Hartz-IV-Empfängerin auf Heizkosten plötzlich ganz flugs bearbeitete, erfahren Sie in unserem aktuellen TA-Phon-Fall von Redakteurin Britta Hinkel.
Porträt
Die meisten Menschen genießen derzeit die sommerlichen Temperaturen. Sonja S. aus Kammerforst indes treibt eine große Sorge den Schweiß auf die Stirn: Der nahende Winter. Seltsam, mag man meinen. Doch mit dem Winter verbindet die Frau nun einmal die Notwendigkeit, heizen zu müssen. Und das wiederum kostet Geld. Woran es Sonja S. als Hartz-IV-Empfängerin mangelt. Gemeinsam mit ihrem Sohn bildet sie eine Bedarfsgemeinschaft. Das Haus, das sie besitzt, kann sie kaum unterhalten. So erklärt es sich auch, dass sie nach wie vor mit Kohle heizt: Für eine Umrüstung der Heizung fehlt schlichtweg Geld. Doch ganz egal, welchen Brennstoff sie nutzt, sie muss ihn irgendwie bezahlen. Hartz-IV-Empfänger bekommen dafür Hilfen vom Jobcenter. Auf Antrag. Die sogenannte "Übernahme der Heizkosten" muss alljährlich neu beantragt werden. Und genau damit schlägt sich Sonja S. seit einigen Wochen herum. Vergeblich. Ende April wandte sie sich ans Jobcenter Mühlhausen. Nunmehr, Ende Mai, hieß es nach mehrmaligem Nachfragen, der Antrag sei noch nicht bearbeitet, sie möge sich gedulden. Das würde die Frau gern tun. Aber da gibt es ein kleines Problem: "Wenn ich jetzt die Sommerpreise für Kohle nutzen könnte, würde ich für denselben Betrag wesentlich mehr bekommen. Denn je länger ich warte, umso mehr steigen die Kohlepreise wieder an. Am Ende bekomme ich für das gleiche Geld weit weniger." Das ist nachvollziehbar, sodass wir der Leserin gern den Gefallen tun, im Jobcenter in Mühlhausen nachzufragen: Was ist mit dem Antrag von Sonja S. passiert? Warum wurde er bislang nicht bearbeitet?
Siehe da, am frühen Nachmittag wird unsere Zeitung vom Jobcenter informiert: "Der Antrag von Sonja S. ist heute beschieden worden. Wir haben sie auch schon angerufen, sie weiß Bescheid." Ist es Zufall, dass ausgerechnet am Tag unserer Nachfrage die Akte bearbeitet wird? Oder wäre das ohnehin passiert, nachdem Frau S. am Tag zuvor mal wieder am Servicetelefon nachgefragt hatte? Dazu will man sich im Jobcenter nicht äußern. Viele Zuständigkeiten, viele Akten, mehrere Verfahren, heißt es. Da braucht es eben etwas Zeit, bis so ein Antrag auf dem richtigen Schreibtisch landet und erledigt werden kann. "Aber die Sommerpreise gelten ja auch noch eine Weile", erklärt eine freundliche Mitarbeiterin des Jobcenters. Noch müsse Frau S. also nicht ins Schwitzen kommen. Egal, wie auch immer das schnelle "Ja" zum Antrag zustande kam. Für Sonja S. zählt nur das Ergebnis: Sie kann nunmehr noch zum Sommerpreis ihre Kohlen kaufen.Am Mittwoch von 9 bis 10 Uhr: Hilfe am TA-Phon unter 0361/ 227 55 55
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