Thüringer Neonazis überfielen 1999 einen Geldboten in Pößneck
Porträt
Neonazi Uwe Mundlos (links) und Uwe Boehnhardt (Mitte) im Herbst 1996 in Erfurt. Foto: privat/dapd
Das Landeskriminalamt Thüringen ermittelt gegen fünf Männer, die bei einem Raubüberfall 1999 in Pößneck 70.000 D-Mark erbeutet haben sollen. Mindestens zwei gehörten zur rechten Szene.
Erfurt. Mitglieder der rechtsextremen Szene haben in Thüringen offenbar häufiger Raubüberfälle begangen, als bisher bekannt war. Die Polizei in Saalfeld konnte in dieser Woche den Überfall auf einen Geldboten in Pößneck aus dem Jahr 1999 aufklären. Als Verdächtige wurden fünf Männer im Alter zwischen 33 und 39 Jahren aus dem Raum Rudolstadt ermittelt. Gegen sie wurde Haftbefehl erlassen. Das teilte das Landeskriminalamt am Dienstag mit. Vor der Raiffeisen-Volksbank in Pößneck war am Abend des 5. Oktober 1999 ein Geldbote brutal überfallen und ausgeraubt worden. Die Täter erbeuteten rund 70.000 D-Mark und eine Pistole ungarischer Bauart. Deren Verbleib ist bislang unklar. Bei einem der Täter wurden allerdings zwei Messer, Waffenattrappen und Patronen sichergestellt. Einer der verdächtigen Männer sei Mitglied der rechtsextremen NPD. Er soll im Jahr 2000 sogar dem Landesvorstand der rechtsextremen Partei angehört haben, wie eine Sprecherin des Landeskriminalamts bestätigte. Ein weiterer Verdächtiger sei Mitglied des "Thüringer Heimatschutzes" gewesen. Dieser Neonazi-Organisation gehörten bis zu ihrem Untertauchen im Januar 1998 auch das rechtsextreme Terrortrio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an. Die drei sollen ihr Leben im Untergrund zwischen Oktober 1999 und November 2011 unter anderem durch mindestens 14 Banküberfälle finanziert haben, bei denen sie knapp 600.000 Euro erbeuteten. Im Zusammenhang mit dem Geldboten-Überfall von Pößneck wurden drei der fünf Verdächtigen gestern Vormittag festgenommen. Ein weiterer sitzt bereits in Haft. Mirko E., der fünfte Verdächtige, hält sich nach Informationen unserer Zeitung derzeit in der Schweiz auf. Dort wurde bereits um Rechtshilfe ersucht. Mit dem erbeuteten Geld sollen die Männer die damalige Nachtbar "blue velvet" in Rudolstadt finanziert haben.
Mirko E., der in der Schweiz als Software-Entwickler arbeitet, wies gegenüber unserer Zeitung alle Vorwürfe zurück. "Ich bin an dem Überfall in Pößneck und dem Geldraub nicht beteiligt gewesen", betonte der 33-Jährige. Zugleich kündigte er an, sich in der kommenden Woche den Behörden stellen zu wollen, um Akteneinsicht nehmen zu können. Dies habe er der Staatsanwaltschaft bereits mitgeteilt. Mirko E. räumte ein, in seiner Jugend beim "Thüringer Heimatschutz" und in der NPD aktiv gewesen zu sein. Darüber hinaus habe er bereits eine Haftstrafe wegen Autoschieberei verbüßt. Von seiner kriminellen Vergangenheit und dem rechtem Gedankengut will er sich "ein für alle mal losgesagt" haben. Alle Verdächtigen seien seit dem Jahr 2000 "polizeibekannt" gewesen, bestätigte das Landeskriminalamt. Die Behörde hatte im Mai dieses Jahres die Ermittlungen wieder aufgenommen, nachdem sich neue Anhaltspunkte ergeben hatten.
Militärischer Abschirmdienst bat Uwe Mundlos um Zuarbeit
Schon früh, nämlich zwischen 1994 und 1995, hatte der Militärische Abschirmdienst MAD, der Geheimdienst der Bundeswehr, Uwe Mundlos im Visier. Das spätere Mitglied der Neonazi-Terrorzelle NSU war damals Wehrdienstleistender. Mehr noch: 1995 wurde Mundlos gefragt, ob er Informationen aus der Szene an den MAD weiterreichen wolle. Die Akten dazu waren offenbar lange verschwunden, jetzt tauchten sie beim Bundesamt für Verfassungsschutz wieder auf. Gestern wurde MAD-Chef Ulrich Birkenheier vor den NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag geladen.
Thüringer Neonazis überfielen 1999 einen Geldboten in Pößneck
Kommentare
12.09.12 - 11:34
uwe ostertag
Jepp, wenn der Verfassungsschutz zu wenig finanzielle finanzielle Schützenhilfe dem Neonationalismus gibt, so haben diese Jungs wohl auch keine andere Alternative gehabt, mit kriminellen Mitteln ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, So wie jeder andere arbeitstscheue Kriminelle auch. Allerdings diesen "Gelderwerb" als rechtsradikale Aktion zu deklarieren, des wäre wohl zu überzogen. Es war eine rein kriminelle Tat.