Gemeindefusion: Tabarz und Emsetal nähern sich weiter an

  • Wohin steuern die Tabarzer? Foto: Alexander Volkmann Wohin steuern die Tabarzer? Foto: Alexander Volkmann
Die Diskussion über einen Gemeindezusammenschluss im Raum Tabarz/Emsetal greift immer mehr um sich. Am Dienstag hatte der Stadtrat Waltershausen sich des Themas angenommen, am Tag darauf stellte Matthias Klemm (SPD) eine von ihm ins Gespräch gebrachte Fusion mit Emsetal während einer Bürgerversammlung in Tabarz vor.
Tabarz. Der Bürgermeister nimmt für sich mit, dass von den Tabarzern im Raum ein Zusammenschluss mit dem Emsetal als sinnvoll erachtet werde. Allerdings hielt sich der Zuspruch mit etwa 30 Teilnehmern im Saal in Grenzen. Klemm betont, dass er das Thema nicht wegen der bevorstehenden Bürgermeisterwahlen am 22. April auf die Tagesordnung gerückt habe. Vielmehr handele es sich um ein Gebot der Zeit. Den Menschen müsse klar werden, welche Probleme auf die Gemeinden zukommen.

Der Bürgermeister sagt das mit Verweis auf Landesvorgaben. Danach solle in Zukunft eine Kommune mindestens 5000 Einwohner haben. Tabarz liegt mit gut 4000 Einwohnern darunter. Die Gemeinde Emsetal mit ihren Ortsteilen Fischbach, Winterstein, Schwarzhausen und Schmerbach habe die gesetzliche Untergrenze von 3000 Einwohnern zum Beibehalten der kommunalen Selbstständigkeit unterschritten.

Bei nahezu ähnlicher Größe bewertet Klemm einen Zusammenschluss von Tabarz und dem Emsetal als eine Verbindung auf Augenhöhe. "Wir möchten diesen Schritt gerne tun", sagt er Richtung Westen.

Er verhehlt nicht, dass sich die Kontaktaufnahme zu den Nachbarn bislang schwierig gestaltet. Umso mehr verwundere ihn, als er gestern der Zeitung entnehmen musste, dass die Emsetaler seit einigen Monaten bereits "intensive und konstruktive Gespräche" mit den Waltershäusern führen.

Zur jüngsten Stadtratssitzung hatte der Waltershäuser Amtskollege Michael Brychcy (CDU) mitgeteilt, dass Waltershausen und Emsetal in der Findungsphase sind.

Bürgerbefragung und Bad-Pläne

Beide Seiten prüfen bereits Verwaltungsstruktur, Satzungen, Kindergartenbetreuung und anderer Belange für ein Zusammengehen. Wenn Ergebnisse vorliegen, sollen die Bürger informiert und an der Diskussion beteiligt werden, hieß es im Stadtrat. Richtung Tabarz signalisieren die Waltershäuser, dass sie sich dem Verbund anschließen könnten.

Klemm sieht ein Zusammengehen mit Waltershausen als momentan nicht passend an. Mit 12.000 Einwohnern sei die Stadt für Tabarz eine Nummer zu groß. Es könnte sich hierbei nur um den übernächsten Schritt handeln. Ohnehin halte er nichts davon, dies auf politischer Ebene zu entscheiden. "Wir müssen die Bürger mitnehmen." Er plane eine Bürgerbefragung: Wohin soll die Reise gehen?

Einen Schritt dazu will der Gemeinderat Tabarz kommenden Mittwoch, 7. März, in die Wege leiten. Zur Sitzung im Bürgerhaus, der ehemaligen Rewe-Halle, soll den Abgeordneten ein Beschluss vorliegen, Emsetals Gemeinderäte zu einem Treffen einzuladen. Die Sitzung beginnt 18.30 Uhr.

Mehr als Zuschauer verfolgen Friedrichrodaer die Annäherungsversuche ihrer Nachbarn. Für Bürgermeister Thomas Klöppel (parteilos) ist in ferner Zukunft eine Allianz mit Tabarz vorstellbar. Er sagt das angesichts des gemeinsamen auf Tourismus ausgerichteten Profils. Die beiden Ferienorte könnten den Status Bad anstreben. Tabarz habe dazu die nötigen Kliniken, Friedrichroda die entsprechend großen Hotels dazu. Ein Zusammengehen mit Tabarz sei für Friedrichroda derzeit aber kein Thema.

Erst 2007 hatten Friedrichroda, Ernstroda und Finsterbergen ihre Verwaltungsgemeinschaft in eine Einheitsstadt umfunktioniert. Dieses kommunale Gebilde müsse erst einmal Festigkeit bekommen, sagt Klöppel. "Wir können die Menschen nicht dauernd mit was Neuem überrennen."


Wieland Fischer / 02.03.12 / TLZ
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