Jugendhotel soll in Gotha fehlende Jugendherberge ersetzen

  • Die ehemalige Jugendherberge in Gotha steht zwar unter Denkmalschutz, aber seit ihrer Schließung Ende 2000 leer. Foto: Claudia Klinger Die ehemalige Jugendherberge in Gotha steht zwar unter Denkmalschutz, aber seit ihrer Schließung Ende 2000 leer. Foto: Claudia Klinger
Seit fast zwölf Jahren fehlt diese Übernachtungsmöglichkeit. Die Stadt hat zwar einen Standort, aber noch keinen Investor gefunden.
Gotha. Die Stadt Gotha hatte mal eine Jugendherberge an der Ecke Mozartstraße, Schöne Allee, günstig gelegen: Der Bahnhof, Sehenswürdigkeiten wie Schloss Friedenstein und die Altstadt waren von dort aus gut zu erreichen. Am Ende des Jahres 2000 wurde die Herberge geschlossen. Die Stadt konnte sich die Unterhaltungskosten nicht mehr leisten.

Damit ging eine fast 80-jährige Tradition zu Ende: Am 24. September 1922 war anlässlich der vierten Jahreshauptversammlung des Verbandes Deutscher Jugendherbergen die Gothaer Einrichtung an der Emminghausstraße im ehemaligen Militär-Exerzierhaus hinter der alten Kaserne eingeweiht worden. Heute steht dort der Neubau des Landratsamtes. Nach kriegsbedingter Schließung eröffnete das Haus mit 60 Betten am 30. Januar 1949 wieder seine Pforten. Doch dies sollte nicht von langer Dauer sein; zwei Jahre später zog die Jugendherberge in das frühere Kavaliershaus neben dem Prinzenpalais, dem späteren Jugendklubhaus an der Mozartstraße. In Glanzzeiten hatte die Jugendherberge, die auch in DDR-Zeiten immer wieder saniert worden war, 150 Betten.

Die Auslastung des Hauses lag allerdings zuletzt im Jahresdurchschnitt bei 7 bis 8 Prozent - dies stand in keinem Verhältnis zu den Kosten. Der Versuch, das Haus an den Jugendherbergsverband abzugeben, scheiterte, die Sanierungskosten in zweistelligem Millionenbetrag wären zu hoch gewesen. So beschloss der Stadtrat die Schließung - und Gotha hat seit 2001 keine Jugendherberge mehr.

Allerdings wird eine solche relativ preiswerte Übernachtungsmöglichkeit nicht nur von Jugendlichen, sondern auch von Familien mit Kindern, und Städte- und Kulturtouristen jeden Alters seit ein paar Jahren wieder nachgefragt. Deshalb stellte auch die Fraktion von SPD und Bündnis 90/Die Grünen in der letzten Stadtratssitzung eine Anfrage an die Stadtverwaltung: Gibt es Pläne, wieder eine Jugendherberge anzusiedeln? Wenn ja, was wurde unternommen und wie sind die Erfolgsaussichten?

Verwaltung will Jugendherberge in der Stadt

"Die Stadtverwaltung ist sehr interessiert, wieder eine Jugendherberge in Gotha zu haben", antwortete Bürgermeister Werner Kukulenz (CDU). Allerdings seien die Erfolgsaussichten nicht gut. Denn der Jugendherbergsverband habe zwar ebenfalls Interesse am Standort Gotha, "und wir haben auch zahlreiche Vorschläge gemacht, welche Gebäude oder Grundstücke sich eignen würden", so Kukulenz. Das reichte vom ehemaligen Gefängnis über Internate in der Eisenacher Straße bis zum Eon-Gebäude in der Neubauerstraße. Es seien Kontakte zu Grundstückseigentümern und Bauträgern hergestellt worden. "Aber die Entscheidungsfreudigkeit des Thüringer Jugendherbergsverban- des hält sich in Grenzen, und es darf nicht viel kosten", fasst Kukulenz zusammen.

Weil es auf diesem Wege mit einer Jugendherberge wohl nichts wird, wurde das Referat Wirtschaftsförderung in der Stadtverwaltung Gotha beauftragt, eine Alternative zu finden. "Wir haben Hostel-Gruppen angesprochen, aber die gehen nach ihren Aussagen nur in größere Städte, die eine Uni haben", sagt Martina Grauel, Mitarbeiterin im Referat Wirtschaftsförderung.

Eine Alternative zu einer Jugendherberge für Gotha wurde inzwischen dennoch gefunden - ein Jugend- und Gruppenhotel. "Es wird gerade eine Bedarfsanalyse gemacht", so Martina Grauel. Fest stehe schon, dass bei Städtepartnerschafts-, Kultur- und Schüleraustauschen eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit in Gotha fehle.

Parallel zu der Bedarfsanalyse seien mögliche Standorte untersucht worden, "und wir haben einen gefunden, der richtig gut geeignet ist sowohl von der Lage her als auch vom Platz, denn es ist auch ein großes Außengelände vorgesehen". Für Gotha gebe es sogar schon einen potenziellen Betreiber, der so etwas anderswo bereits laufen habe. Ein Investor, der das Jugendhotel baut, müsse allerdings noch gefunden werden.

Beispielhaft hatten sich die Wirtschaftsförderer aus Gotha das Jugendsporthotel in Naumburg angeschaut. "Es hilft uns, die Erfahrungen, die dort gemacht wurden, zu berücksichtigen", sagt Martina Grauel.


Claudia Klinger / 11.08.12 / TA
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