Ottmar Doll vom Hauptamt schaute nicht umsonst auf die Uhr. Nach der ersten Kreistagssitzung mit Landrat Harald Henning und der 1. Beigeordneten Andrea Fritsche drängelten sich bereits die fein angezogenen Gäste für die Verabschiedung des Vorgängers Rüdiger Dohndorf. Fotos: Ina Renke
Harald Henning leitet als "Chef" erste Kreistagssitzung und hat es gleich mit heftigen Problemen zu tun. Andrea Fritsche (CDU) und Heinz Untermann (FDP) als 1. und 2. Kreisbeigeordnete gewählt.
Sömmerda. Wolfgang Drehmann ist noch immer ältestes Kreistagsmitglied. Und so kam dem 75-jährigen Abgeordneten der Fraktion der Linken gestern nach sechs Jahren erneut die Aufgabe zu, einen neuen Landrat zu vereidigen und in sein Amt einzuführen. Dazu gab Wolfgang Drehmann dem Landrat Harald Henning
(CDU) noch einige Wünsche mit auf seinen Amts-Weg. Dass er bei Diskussionen um Kreisgebietsreformen Sömmerda als Kreistagssitz erhalte. Dass er eine glückliche Hand, Kraft und Gesundheit habe, um Kreis und Kommunen bei immer geringer werdenden Finanzen zu stärken. Unterstützung wird er dabei bei allen Meinungsverschiedenheiten nicht nur bei den durch die Bank gratulierenden Fraktionschefs finden, sondern durch die neuen 1. und 2. Kreisbeigeordneten. Für seinen ersten Stellvertreter gab es mit Andrea Fritsche (CDU) nur diesen Vorschlag von CDU und FDP. Er wurde bei der Wahl auch mit übergroßer Mehrheit angenommen. Für den 2. Beigeordneten schlug die CDU-Fraktion in Abstimmung mit der FDP Heinz Untermann
(FDP) vor. Von der Fraktion der Linken kam als Vorschlag Tobias Steinkopf
(Linke). Diese Wahl war etwas spannender und ging mit 20 zu 16 Stimmen für Heinz Untermann
aus. Nun hat er zwei Stellvertreter hinter sich, aber keinen mit einem breiten Kreuz mehr vor sich, sagte Harald Henning
. Und die anschließenden Tagesordnungspunkte forderten schon einen Landrat mit Durchhaltevermögen.
Der durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erstellte Jahresabschluss der Verwaltungsgesellschaft des ÖPNV Sömmerda war noch "harmlos". Außer, dass VWG-Chef Wolfgang Kunz auf SPD-Nachfrage ankündigte, dass man bis Jahresende prüfe, ob eine Tarifangleichung notwendig werde. Bei den befürworteten außerplanmäßigen Ausgaben für die Instandsetzung des zur Kreisstraße heraufgestuften "schwarzen Weges" in Waltersdorf kündigen sich harte finanzielle Auseinandersetzungen mit der Stadt Weißensee an. Und bei der beschlossenen Verpachtung von Flächen der früheren Kreismülldeponie Michelshöhe zur Solarstromgewinnung taten sich große Probleme auf. "Die Geschichte kann einem Angst machen", gab Harald Henning
zu. Denn die SPD wies in einem letztlich in die Ausschüsse verwiesenen Änderungsantrag darauf hin, dass viele Kommunen mit Sanierungen ehemaliger Mülldeponien überfordert seien. Der Erlös der Verpachtung solle in einen Sicherungsfonds gehen, der damit diese Kommunen unterstützt. Es sei schon erschreckend, so der Landrat, wenn Kommunen Sanierungsaufforderungen von rund 400 000 Euro bekommen, für die es wahrscheinlich keine Fördermittel gebe. Die Kreisverwaltung solle jetzt zusammenstellen, welche Orte es im Landkreis mit welchen Forderungen betrifft.