Bei Rot-Weiß Erfurt schwindet nach Pleite in Münster die Zuversicht

  • Nach der Niederlage gegen Preußen Münster marschierte die Mannschaft des FC Rot-Weiß Erfurt frustriert vom Platz. Im Bild von links: Marcus Rickert, Tommy Kind, Phil Ofosu-Ayeh, Maik Baumgarten, Andreas Sponsel, Patrick Göbel, Nils Pfingsten-Reddig und ganz rechts Thomas Ströhl. Foto: Frank Steinhorst Nach der Niederlage gegen Preußen Münster marschierte die Mannschaft des FC Rot-Weiß Erfurt frustriert vom Platz. Im Bild von links: Marcus Rickert, Tommy Kind, Phil Ofosu-Ayeh, Maik Baumgarten, Andreas Sponsel, Patrick Göbel, Nils Pfingsten-Reddig und ganz rechts Thomas Ströhl. Foto: Frank Steinhorst
Beim Fußball-Drittligisten Rot-Weiß Erfurt schwindet die Zuversicht. Nach der 2:3-Niederlage bei Preußen Münster beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer schon fünf Punkte. Die Ampelkarte für Czichos war für viele der Knackpunkt der Partie. Trainer Alois Schwartz hat genug von Lippenbekenntnissen und fordert aus den nächsten beiden Heimspielen zwei Siege.
Münster. Als das Spiel in Münster abgepfiffen wurde, ging noch einmal ein kräftiger Guss über dem Preußen-Stadion nieder. Und die Erfurter standen nicht nur sportlich im Regen. Das 2:3 beim Tabellenzweiten bedeutete das jähe Ende des zarten Aufschwungs, der nach dem Trainingslager in Bad Wörishofen eingesetzt und unter anderem den Derbysieg im Pokal in Jena eingebracht hatte.

"Ich bin bitter enttäuscht", erklärte Trainer Alois Schwartz. "Vor allem, wie die Niederlage zustande kam, tat weh." Wieder schlug sich seine Mannschaft praktisch selbst. Das 0:1 konnte Kirsch nach einem Eckball unbedrängt per Kopf erzielen (16.). Obwohl es eine klare Zuteilung gab. "Wir predigen das und trainieren das ständig. Aber unter Druck scheinen wir alles zu vergessen", schimpfte Schwartz.

Dem 0:2 durch Grote (35.) ging ein kapitaler Fehlpass Marco Engelhardts im Zentrum voraus. Und in der Phase nach der Pause, als der FC Rot-Weiß auf den Ausgleich drängte, sah Rafael Czichos die Gelb-Rote Karte. Zweimal wusste er sich gegen den flinken Siegert nur mit einem Foul zu behelfen.

  • Der eingewechselte Smail Morabit wird von Münsters Patrick Kirsch unsanft gebremst. Foto: Frank Steinhorst Der eingewechselte Smail Morabit wird von Münsters Patrick Kirsch unsanft gebremst. Foto: Frank Steinhorst
"Wer den Gegner derart hilft und förmlich zu Toren einlädt, für den wird es schwer", bekannte der Trainer und klagte an: "In manchen Situationen scheint einigen gar nicht bewusst zu sein, um was es hier geht. Wir müssen für die Thüringer Landeshauptstadt den Profifußball erhalten. Das geht nur mit Kampf, Leidenschaft und Konzentration." Zumindest Kampfgeist konnte man seinen Akteuren gegen abgezockte und spielstarke Münsteraner nicht absprechen. Nachdem Thomas Ströhl per Kopf (40.) und Engelhardt nach Klasse-Konter über Mahmut Temür und Mijo Tunjic (78.) jeweils die Anschlusstore markiert hatten, wankte der Favorit mächtig.

Weil er aber nicht fiel und die Konkurrenz im Tabellenkeller punktete (Wehen, Babelsberg, Darmstadt) war Rot-Weiß der große Verlierer des Spieltages. Der Rückstand auf das rettende Ufer wuchs auf fünf Punkte an. Selbst ein Sieg im Nachholspiel gegen Babelsberg (13. November, 19 Uhr) würde nicht mehr reichen, um die Abstiegsplätze zu verlassen. Dementsprechend niedergeschlagen schlichen die Erfurter vom Feld. Ein gehöriges Stück Hoffnung schien draußen im strömenden Regen weggespült worden zu sein.

Tunjic gab zu: "Wenn wir die beiden Heimspiele nicht gewinnen, dann wird es ganz schwer." Sein Trainer wird noch deutlicher: "Wir sind jetzt zum Siegen verdammt." Lippenbekenntnisse und Absichtserklärungen hätte es genug gegeben. Auf dem Platz käme es an. Und so forderte er sechs Punkte aus den Partien gegen Chemnitz (Samstag, 14 Uhr) und Babelsberg.

Das bedarf allerdings einer erheblichen Steigerung in fast allen Bereichen. Gegen Münster standen beide Außenverteidiger (Phil Ofosu-Ayeh, Czichos) völlig neben sich, kam das Team eine Halbzeit nicht in die Zweikämpfe, trabte stattdessen nebenher und schenkte den Ball schneller wieder her, als er erkämpft werden konnte.

Ströhl meldet sich mit Tor zurück

Bis kurz vor dem Anpfiff hatte Alois Schwartz gegrübelt, wen er anstelle des erkälteten Dominick Drexler auf der linken Seite aufbieten soll. Statt Patrick Göbel oder Mahmut Temür gab er Thomas Ströhl eine Chance, weil dieser "sich reinhaut und ein belebender Typ" ist. Für den 24-Jährigen, der es wegen eines Mittelfußbruches in der Saisonvorbereitung erst auf einen Kurzeinsatz in Unterhaching gebracht hatte, war es das erste Spiel von Beginn an seit dem 7. April. Damals spielte Rot-Weiß auch in Münster - und verlor ebenfalls mit 2:3.

An Ströhl lag es diesmal aber nicht. Das Eigengewächs bewies, dass er sich in der Offensive deutlich wohler fühlt als in der Viererkette. Dort hatte ihn Ex-Trainer Rainer Hörgl einst hin beordert. Der Linksbeiner köpfte nicht nur das zwischenzeitliche 1:2, sondern empfahl sich mit einigen gefährlichen Aktionen für weitere Einsätze.

Schade nur, dass er über seine ordentliche Leistung selbst nicht reden wollte. "Weshalb wir nach dem Derbysieg so ängstlich waren, kann ich nicht begreifen", sagte Trainer Schwartz, der kurzfristig auf Jens Möckel verzichten musste. Der Abwehrchef hatte am Freitag im Abschlusstraining eine Wadenprellung erlitten und wurde von Bernd Rauw ersetzt.

Stabiler stand die Defensive aber auch mit dem Routinier nicht. Zum vierten Mal in den jüngsten fünf Liga-Partien kassierten die Erfurter drei Gegentore. Eine erschreckende Serie, die - sollte sich nicht schleunigst etwas ändern - mit einem enden wird: dem Abstieg.

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Marco Alles / 05.11.12 / TA
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Kommentare
06.11.12 - 11:24
Arni
Ganz schön überheblich, gegen den Tabellenzweiten auswärts einen Sieg zu erwarten! Hochmut...
05.11.12 - 17:07
amiku
Seht Euch mal die Bilder vom Trainer an. Mit so ratlosem Gesichtsausdruck kann er mir nur leid tun. Ich denke er täte gut daran aufzuhören hier in Efurt. Seine Reputation geht, durch Fehler in der Schaltzentrale (von Präsidenten bis zum Sportmanager), völlig dahin. Wenn man die Spieler spielen sieht, dann ist zu erkennen, dass Sie nicht für die 3. Liga tauglich sind. Als Thüringer und als Erfurter möcht ich mich ausdrücklich bei Herrn Schwartz bedanken. Er hat richtig erkann worum es geht Es geht hier wirklich um das Land Thüringen. Im kommenden Jahr wird es durch Fehlentwicklungen in den Vereinsführungen keinen Profifußball geben. Thüringer Betriebe schämt Euch. Der Fußball bringt für gewöhnlich Geld in die Firmen. Man muss es nur richtig anstellen. Wir brauche Macher und keine Tagträumer die vom Stadion und anderen schönen Dingen träumen.
05.11.12 - 16:31
Ich auch
In guter wie in schlechter Zeit! Mensch "iche" zieh dir nen Rock an und heul doch.
05.11.12 - 13:58
RWE ole
Ich kann mach nur "iche" anschließen. Wenn RWE absteigt, dann wars das mit der 3. Liga für die nächsten Jahre. Aber dafür haben wir dann ein Superstadion in der 4. Liga!!!
05.11.12 - 12:00
iche
Gar keine Schadenfreude Hr. Alles??? Was ist denn los...Sie haben sich wohl eines besseren erinnert??? Der erste vernünftige Artikel seit langen. Zum Spiel: ich weiss gar nicht wieso hier immernoch diskutiert wird. Findet Euch damit ab: der Abstieg ist jetzt schon verdammt nah. Ich traue dieser Mannschaft keinen Sieg mehr in dieser Liga zu. Und personell anschließend so aufzurüsten...dazu fehlt das Geld. Die Unaussprechlichen haben es letztes Jahr vorgemacht und wir machen die selben Fehler in diesem. Traurig..aber nächstes Jahr wird es keinen Profifussball mehr aus Thüringen geben m.M...
05.11.12 - 10:53
Holger
@Peter: Das Thema "Nachwuchs" wurde ja hier schon oft diskutiert. Auch wenn es immer wieder Stimmen dagegen gibt (warum eigentlich), muss man doch sagen, dass Spieler, wie Kammlott, Möhwald, mit Abstrichen Baumgarten und Ahrens durchaus 3. Liga spielen können, auch körperlich (!). Wieso lässt dann der Trainer nicht mal noch 1-2 weiter Spieler auch der Reserve ran ? Schlimmer kann´s doch nicht werden.
05.11.12 - 09:29
Hihi
Köstlich, köstlich ... Hihihi. Huhuhu. Hooohohohhooho. Haaahhahahaaahahhaaaa....
05.11.12 - 07:37
Peter
Desolate Leistung unserer Akteure. Ich vermisse hier jeden Willen zum Sieg, es fehlt einfach das letzte Quentchen. Note Engelhardt: 6 Da sollte der Trainer lieber einmal Jüngeren Spielern den Vortritt geben, warum nicht einmal einem bisher sehr gut aufspielenden Langner aus der Reserve ?
04.11.12 - 22:55
Zubsi
Warum kriegt man das nicht in den Griff, daß man immer wieder nach Standardsituationen Gegentreffer kassiert? Das muß man doch trainieren können. Und Engelhardt hat zwar ein Tor geschossen, aber in der Verfassung ist er keine Verstärkung für Rot-Weiss. Es kann doch nicht sein, daß ein Ex-Nationalspieler das Fußballspielen verlernt hat.
04.11.12 - 20:57
Wilhelm
Mit der Defensive wird es wohl nix mehr mit dem Klassenerhalt. Selbst Jena hat mehrmals bewiesen wie leicht die Erfurter Abwehr auszuspielen ist. Wenn man auswärts zwei Tore schießt muss man mindestens einen Punkt mitnehmen! Und lieber Herr Schwartz: geben sie doch bitte dem Ex-Nationalspieler eine Denkpause, der kann nicht einmal einen fünf-Meter Pass spielen, und dann führt der auch noch zum Gegentor, das kann einfach nicht sein. Vielleicht reicht es ja doch noch für die dritte Liga, wenn dem ein oder anderen Verein die Lizenz verweigert wird, aber an den Strohhalm sollte sich der RWE erst klammern wenn sportlich nichts mehr gehen sollte...
 
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