Finanzsorgen beim FC Carl Zeiss Jena

  • Der FC Carl Zeiss Jena ist in Geldnot: Mit 1,50 Euro allein ist die Liquiditätslücke nicht zu stopfen, die sich nach dem Abstieg aus der dritten Liga aufgetan hat. Der FC Carl Zeiss Jena ist in Geldnot: Mit 1,50 Euro allein ist die Liquiditätslücke nicht zu stopfen, die sich nach dem Abstieg aus der dritten Liga aufgetan hat.
Fußball-Regionalligist ist mit Gehältern im Rückstand, weil einige Sponsoren ihre Verträge bislang nicht erfüllt haben. Aber auch die Verbindlichkeiten der Vergangenheit drücken den Club.
Jena. Finanzielle Schwierigkeiten ja, interner Transferstopp nein. Auf diesen Nenner bringt Vereinssprecher Andreas Trautmann die aktuelle Lage des FCC Jena. Der Fußball-Regionalligist kämpft vor der neuen Saison mit seinen Altlasten. Das bekommen die Spieler der abgelaufenen Saison zu spüren, deren Mai-Gehälter ausstehen.

Bis zum 20. Juni sollten die Gelder auf den Konten der Fußballer eingetroffen sein - doch der FC Carl Zeiss blieb sie bislang schuldig. "Ein Grund dafür sind ausstehende Sponsorenzahlungen", sagt Trautmann. Die Höhe des Defizites beziffert er nicht genau, sondern umschreibt es mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag, der an liquiden Mitteln fehle. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung des Problems, die bis zum Wochenende vorliegen soll", versichert der Vereinssprecher. Gestern Abend jedenfalls tagten Präsidium und Aufsichtsrat.

Schwierig macht es für den FCC vor allem, dass ein sonst gern genutzter Mechanismus, der in der dritten Liga landauf, landab praktiziert wird, nach dem Abstieg nicht greift. In den Jahren zuvor hat der Verein in der Zeit ohne Zuschauereinnahmen nach Ende der Saison im Vorgriff aufs neue Spieljahr gelebt. Sponsorenverträge oder Einnahmen aus dem Dauerkartenverkauf wurden in den Mai und Juni vorgezogen, um die Liquiditätslücken zu stopfen. Das Geld fehlte damit aber in der eigentlich vorgesehenen Saison. Und in Erwartung der ersten Rate der 730.000 Euro Fernsehgeld ließ sich so mancher Gläubiger auf Juli vertrösten. All' das greift in dieser Saison nicht, da in der Regionalliga kein Fernsehgeld zu erwarten ist. Und auch etliche Sponsoren zögern, was nicht zuletzt an den recht starren und verhältnismäßig teuren Vermarktungspaketen liegt, die der neue Vermarkter Sportfive absetzen will. Zudem läuft der Dauerkartenverkauf zögerlich an, da der FC Carl Zeiss mit den nicht deutlich genug gesenkten Preisen etliche treue Anhänger verärgert hat.

Hinzu kommt eine andere Belastung. Die vorherige Vereinsführung unter Hartmut Beyer musste Kredite aufnehmen, um die finanziellen Fehlleistungen der Vergangenheit auszubügeln und die dritte Liga wirtschaftlich zu erhalten. Diese Verbindlichkeiten in Höhe von 600.000 Euro bei der Thüringer Aufbaubank und der Sparkasse Jena-Saale-Holzland sind noch bis Ende des Monats tilgungsfrei, müssen dann aber abgetragen werden. Das wird jedoch angesichts der mageren Einnahmesituation in der Regionalliga schwierig, weshalb es Gespräche gibt.

Doch welche Möglichkeiten bleiben, falls die Jenaer keine Verhandlungslösung erreichen? Der FC Carl Zeiss Jena ist ein eingetragener Verein. Den Profibereich betreute aber die Fußball-Spielbetriebs GmbH und bezahlte die Kicker der ersten und zweiten Mannschaft sowie der A-Junioren. Diese Kapitalgesellschaft vereint auch die Verbindlichkeiten auf sich. Dem Präsidium um Rainer Zipfel ist soviel Cleverness zuzutrauen, die Spielerlaubnis für die Regionalliga über den Verein und nicht die GmbH beantragt zu haben und somit auch im Falle einer Insolvenz der GmbH nicht den Zwangsabstieg zu riskieren. So oder so befördern die neuerlichen finanziellen Schwierigkeiten sicher nicht die Personalplanungen. Die jedoch laufen weiter, sagt Trautmann. Abschlüsse sollen noch vor dem Trainingsstart am nächsten Montag erfolgen.

Einer der Wunschkandidaten, Innenverteidiger Sascha Herröder, hat sich derweil für Drittligist Alemannia Aachen entschieden. Der ist gerade von der Stadt dank eines millionenschweren Rettungspaketes am Leben erhalten worden.


Tino Zippel / 26.06.12 / OTZ
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Kommentare
26.06.12 - 22:13
Kellerkind
Nur für die Vergesslichen. Es war einmal, vor nicht so langer Zeit, da kam eine Fee namens Lieberknecht und lies 500.000, damals noch DM, vom Himmel fallen. Und wenn ich mich nicht ganz irre, war es gar ein Geschenk für die Nachwuchsabteilung. Ach waren das noch seelige Zeiten. Andere die keine so liebe Fee kennen, gehen zur "bösen"Bank und nehmen einen Kredit auf und zahlen sogar Zinsen,also zusätzliches "Strafgeld".Also, immer schön die kleine Trommel nehmen.
26.06.12 - 21:42
Guerti
Schön, dass der Herr Zippel die Insolvenz der GmbH, natürlich einschließlich der Verluste des Kredites der Sparkasse und der Mittel der TAB, auch noch als "Cleverness" tituliert. Was ist nur aus den Thüringer Printmedien geworden?
26.06.12 - 14:11
Schattenparker
Da hat der gute Max Recht (obwohl er selbst das gar nicht möchte): Das neue Stadion schafft den Rahmen für die Wirtschaftsfähigkeit. – Eine Ballet Company, die in einer Baracke auftritt, in die's reinregnet und in der nur die ersten zwei Reihen Zuschauer freie Sicht haben, kann ich schließlich auch nicht allein dafür verantwortlich machen, wenn's nicht läuft. Schon gar nicht wenn die konkurrierenden Companys in der Nachbarschaft in mit öffentlichen Geldern errichteten Glamour-Palast auftreten.
26.06.12 - 13:29
max
Da sollte man unbedingt noch schnell das Stadion mit Landesmitteln finanzieren.
26.06.12 - 13:17
Quovadis Göschwitz
In Göschwitz gehen die Lichter aus!
26.06.12 - 11:55
Schrotti
also ich steck mein hart verdientes geld lieber in den club, als das ich irgendwelche sozialschm...ähm sozial bedürftige durchfüttere!
26.06.12 - 11:12
Harry
Eigentlich schade, dass es jetzt in die Insolvenz geht. Gibt es denn schon Konzepte was dann mit dem Abbe Sportplatz geschieht?
26.06.12 - 10:48
Balltreter
@Martin: Genau so wird es kommen, damit in Liga 4 weiter unter Profibedingungen gestümpert werden kann.
26.06.12 - 10:02
Michael
Immer das gleiche, erbärmliche Geheule bei solchen Meldungen. Wird euch das nicht langsam peinlich?!?
26.06.12 - 08:22
Martin
Warum macht es die Stadt nicht wie immer. Das kostenlose Mittagessen für sozial bedürftige streichen oder irgendeiner Sozialleistung kürzen damit die gutverdienenden Fußballer weiter ihre Verluste machen können - sorry kein Verständnis für Pleitefußball in Jena!!
26.06.12 - 08:01
beobachter
was ist denn das für eine primitive antwort... einfach frei irgendwelchen müll raus hauen... ohh man!!!
26.06.12 - 07:33
der Aufmerksame
Tja, die Stadionbauer.
 
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