Kupfernagel fühlt sich als Spielball missbraucht

  • Hanka Kupfernagel besaß als "Solistin" keine echte Chance. Foto: Hennes Roth Hanka Kupfernagel besaß als "Solistin" keine echte Chance. Foto: Hennes Roth
Thüringerin fährt starke deutsche Rad-Meisterschaft, wird aber bei Arndt-Sieg nur Fünfte und muss Olympia abhaken.
Grimma. Mit zitternden Händen hielt sich Hanka Kupfernagel im Ziel an der Bande fest. "Ich habe in diesem Rennen völlig neue Grenzen meines Körpers kennengelernt", stöhnte die Thüringerin. Der Magen rebellierte, die Beine krampften. Zuvor hatte die Ausnahme-Radsportlerin im deutschen Titelrennen von Grimma eine starke Leistung gezeigt, kam aber in einem ungleichen Kampf nur auf Rang fünf ein.

"Das Ziel der beiden Teams Specialized und GreenEdge war es, Hanka aus dem Olympia-Kader zu kicken - und das ist ihnen großartig gelungen", brachte es Kupfernagels Sportlicher Leiter Jochen Dornbusch ironisch auf den Punkt. "Jeder Radsport-Halbgebildete hat gesehen: Hanka ist derzeit die zweitbeste Deutsche hinter Judith Arndt", fügte der Sportchef der Rusvelo-Mannschaft an.

Fürwahr: Viele unter den 10 000 Zuschauern am attraktiven, aber harten Rundkurs schüttelten den Kopf: Kupfernagel wurde bereits nach 15 der 115 km wechselseitig von den Teams attackiert. Die Ex-Weltmeisterin ging immer wieder mit, fand sich kurz vor "Halbzeit" in einer Spitze mit Arndt, Claudia Häusler (beide Green

Egde), Charlotte Becker, und Trixi Worrack (beide Specialized) wieder. Dann ging das Wechselspiel verschärft weiter.

"Ich bin sechsmal mitgegangen, bin aber keine Maschine. Ich kam mir allerdings vor wie ein Spielball", verglich die 38-Jährige. Bei der siebten Attacke zogen Arndt und Becker entscheidend davon. Die Leipzigerin Arndt setzte sich 5 km vor dem Ziel von der Bahnfahrerin ab und feierte nach dem Zeitfahrsieg ihren zweiten Titel als Solistin. "Wir haben gut harmoniert", so die 35-Jährige.

Form stimmt für Giro und Thüringenrundfahrt

Kupfernagel, die im Trio dahinter zunächst sämtliche Nachführ-Arbeit verrichtet hatte, unterlag im Bergan-Sprint der ausgeruhteren Cottbuserin Worrack (3.) und Häusler mit 12:51 min Rückstand zur Siegerin.

"Specialized hat aus lauter Angst vor Hanka den Titel verschenkt", fand Dornbusch, der bedauerte, dass seine zweite Starterin Romy Kasper durch eine Magen-Darm-Grippe geschwächt im entscheidenden Moment der Thüringerin nicht helfen konnte.

Ist die Neustadt/Orlaerin enttäuscht über die Fahrweise der anderen Teams? "Ich bin stolz darauf, so lange gegengehalten zu haben", entgegnet Kupfernagel, die bis zum Jahr 2000 fünfmal gewonnen hatte. Als Einzelstarterin habe sie die DM dann als Farce betrachtet und oft verzichtet. "Nun habe ich alles versucht."

Trotz verpasstem Olympia-Start und Sturz im Zeitfahren will sie "positiv denken: Denn die Form stimmt". Sie freue sich auf ihr Debüt beim Giro d'Italia ab 29. Juni und dann auf die Thüringenrundfahrt ab 16. Juli. Dann mit ihrem russischen Team - "einem starken" - will sie sich für die WM empfehlen.


Michael Voss / 25.06.12 / TA
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