Erste Studentin zum praktischen Jahr im Hainich-Klinikum

  • Der Test der Funktionsfähigkeit gehören zu den Aufgaben von Lydia Baumann. Foto: Daniel Volkmann Der Test der Funktionsfähigkeit gehören zu den Aufgaben von Lydia Baumann. Foto: Daniel Volkmann
Lydia Baumann ist die erste Studentin, die am ökumenischen Hainich-Klinikum ihr praktisches Jahr absolviert. Für vier Monate arbeitet sie in der Neurologie und der Psychiatrie.
Pfafferode. Neurologie ist für Lydia Baumann (24) das spannendste medizinische Fachgebiet schlechthin. "Ist ein Arm gebrochen, funktioniert nur der Arm nicht mehr. Stimmt etwas mit dem Gehirn nicht, dann ist aber gleich der Mensch als Funktionseinheit betroffen", begründet sie. Seit einer Woche absolviert die junge Frau, die aus Meuselwitz in Ostthüringen stammt, als erste Medizinstudentin das praktische Jahr, den letzten Ausbildungsabschnitt vor Abschluss des Medizinstudiums, in der Klinik für Neurologie am ökumenischen Hainich-Klinikum.

Seit anderthalb Jahren, so erklärt Professor Mark Jauß, der Chefarzt der neurologischen Klinik, ist das Klinikum Ausbildungsstätte und beteiligt sich an der praktischen ärztlichen Ausbildung des Universitätsklinikums Jena. Seit wenigen Tagen könnten auch Studenten anderer Hochschulen dort praktische Erfahrungen sammeln. Famulanten - das sind Studenten, die vier Wochen lang Einblick in die Arbeit bekommen - betreut man dagegen schon lange.

Auch Lydia Baumann kam als Famulant 2009 schon nach Pfafferode. "Es war einfach toll, also bin ich jetzt wiedergekommen", sagt sie. Einen Vorteil des Hainich-Klinikums gegenüber den großen Uni-Kliniken hat sie schnell erkannt: "Hier bin ich die einzige Studentin; und es gibt auch genug Arbeit für mich. In großen Häusern mit vielen Studenten bleiben oft nur kleine Aufgaben", meint sie.

So gehört die Visite, das Aufnehmen der Patienten, das Besprechen der Röntgenbilder, die wöchentliche Weiterbildung auch mit den Psychologen ebenso zu ihren Aufgaben wie eine Lumbalpunktion und das Legen von Flexülen.

"Kurz vor Abschluss des Studiums werden Studierende der Medizin mit der praktischen Tätigkeit am Patienten konfrontiert und haben Gelegenheit, ihr in langen Jahren erworbenes Wissen unter ärztlicher Anleitung am Krankenbett einzusetzen. Das ÖHK bietet mit seinen Patienten, die mit ihren Krankheiten das gesamte Spektrum neurologischer und psychiatrischer Krankheiten abdecken, gute Voraussetzungen, um den Transfer von Lehrbuchwissen in ärztliches Handeln zu verinnerlichen", wirbt Jauß für sein Haus.

Erst wenige Stunden bevor sie ihre Arbeit in Mühlhausen antrat, war Lydia Baumann übrigens aus Peru zurückgekehrt. Dort arbeitete sie, im ersten Teil ihres praktischen Jahres, auf der inneren Station und in der Notfallaufnahme eines Krankenhauses in einer Großstadt. "Die Bedingungen dort sind mit denen hier nicht zu vergleichen. Da müssen die Angehörigen sich um die Pflege kümmern, aber auch Spritzen und Verbandsmaterial besorgen", beschreibt sie. Viele Verletzte nach Verkehrsunfällen waren zu behandeln, Menschen mit Schusswunden und nach übermäßigem Drogenkonsum.

Am Klinikum in Pfafferode - dort bekam sie auch gleich eine Wohnung - wird sie nicht nur mit den Patienten arbeiten. Sie muss sich auf die Abschlussprüfungen - im Studentenjargon "Hammerexamen" genannt - vorbereiten. Die elektronische Anbindung des Klinikums an Universitätsbibliotheken ermöglichen es ihr, dass sie an ihrer Doktorarbeit über die Untersuchung von Magnetfeldern im Gehirn weiterarbeiten kann.


Claudia Bachmann / 23.06.12 / TA
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