Generalsekretär des Zentralrats der Juden: Kein NPD-Verbot

  • Die Landrätin des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind (SPD), lud den Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan J. Kramer, nach Sondershausen ein. Im Carl-Schröder-Saal redete er auch über die NSU-Mordserie. Foto: Nico Kiesel Die Landrätin des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind (SPD), lud den Generalsekretär des Zentralrates der Juden, Stephan J. Kramer, nach Sondershausen ein. Im Carl-Schröder-Saal redete er auch über die NSU-Mordserie. Foto: Nico Kiesel
Klare Worte zum Kampf gegen Rechtsextremismus und rechtes Gedankengut fand Generalsekretär des Zentralrates der Juden Stephan J. Kramer am Mittwoch im Carl-Schroeder-Saal in Sondershausen. Gleichzeitig sprach er sich deutlich gegen ein NPD-Verbot aus.
Sondershausen. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden war auf Einladung von Landrätin Antje Hochwind (SPD) in den Kyffhäuserkreis gekommen, nachdem das "Bündnis gegen Rechts im Kyffhäuserkreis" im vergangenen November in Berlin mit dem Regine-Hildebrandt-Preis ausgezeichnet worden war. Kramer hielt damals die Laudatio.

"Es ist aber auch mein Anliegen, über Preise hinaus zu sehen, wie sich die Menschen vor Ort engagieren", sagte er im TA-Gespräch. Damit könne er sich auch neue Ideen und Impulse holen. "Es gibt im ganzen Land Bürger, die sich braunes Gedankengut nicht bieten lassen und der Zivilgesellschaft zu einem Gesicht verhelfen - diesen Leuten gebührt Dank und Anerkennung."

Anerkennung für die Landesregierung

Landrätin Antje Hochwind nannte das Bündnis "ein Gremium, das den Kreis geprägt hat". Zugleich mahnte sie zur Vorsicht: "Auch wenn die Rechten ihre Themen ändern, bleiben sie Nazis und gefährden die Sicherheit unseres Landes".

Stephan J. Kramer, dessen Großvater und Vater in Altenburg geboren wurden und der erst im Erwachsenenalter zum Judentum konvertierte, sparte vor den knapp 40 Gästen im Schroeder-Saal auch nicht an Kritik, vor allem in Hinblick auf die Mordserie der Terrorgruppe NSU: "Was jetzt als Naturkatastrophe dargestellt wird, wird auch immer gerne als ostdeutsches Phänomen gesehen", sagte Kramer. Dabei gehe es in Dortmund, Stuttgart oder der Schwäbischen Alb in manchen Plätzen noch viel wilder zu.

"Die ostdeutschen Länder sollten nicht zu Sündenböcken gemacht werden", betonte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Vielmehr solle man aufhören, sich gegenseitig die Verantwortung zuzuschieben.

Lob und Anerkennung drückte er den Bestrebungen der Thüringer Landesregierung aus, an der Aufklärung der NSU-Morde mitzuwirken. Dass alle Akten nach Berlin abgegeben worden, rechnet er den Verantwortlichen hoch an.

Im Vergleich mit anderen Bundesländern, namentlich nannte Kramer Sachsen, Bayern oder Baden-Württemberg, merkte der Generalsekretär an, dass sich dort niemand mit Ruhm bekleckert habe.

Auch ein Verbot der NPD griff Stephan J. Kramer während der Veranstaltung im Carl-Schroeder-Saal auf.

Während sich der Zentralrat der Juden für ein Verbot ausspreche, sei er strikt dagegen. "Das gibt eine Niederlage mit einer Ansage deluxe", so Stephan J. Kramer. "Rechtes Gedankengut lässt sich nicht verbieten, sondern nur bekämpfen", so Kramer.

Hintergrund zum Kramer-Besuch

  • Das "Bündnis gegen Rechts im Kyffhäuserkreis" hat im vergangenen November in Berlin für sein Engagement den Regine-Hildebrandt-Preis erhalten. Die Laudatio hielt Stephan J. Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland. Um den Landkreis und die Arbeit des Bündnisses näher kennenzulernen, ist Stephan Kramer zu Gast in Sondershausen und wird von Landrätin Antje Hochwind (SPD) empfangen.
  • Stephan J. Kramer, 1968 geboren, ist seit 2004 Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Direktor des Büros des European Jewish Congress in Berlin sowie Mitglied des Board of Governors im World Jewish Congress, New York. Neben zahlreichen weiteren Ämtern engagiert er sich im Beirat der Gedenkstätte Buchenwald. Seine Familie stammt aus Altenburg. Zum Judentum konvertierte er als Erwachsener.

Sebastian Garthoff / 14.02.13 / TA
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