Handball-Torwart Schmidt über Abschiedsspiel der Olympia-Helden
Porträt
Wieland Schmidt, ehemaliger Handball Torwart und Olympiasieger Moskau 1982, freut sich auf das "Abschiedsspiel" am 30. Juli in Nordhausen. Foto: Roland Obst
Genau 30 Jahre nach ihrem sensationellen Olympiasieg von 1980 tritt die legendäre DDR-Handball-Auswahl zum letzten Mal an. Am 30. Juli (19 Uhr) spielen die Helden von Moskau in Nordhausen gegen eine Prominenten-Mannschaft. Unser Zeitung sprach mit dem damaligen Torhüter Wieland Schmidt (56).
Ist das wirklich das letzte Spiel der Olympiasieger?Definitiv. Wir sind alle 30 Jahre älter geworden, da ist es Zeit. Aber wir freuen uns sehr auf eine volle Wiedigsburghalle in einer Woche in Nordhausen. Karten gibt es übrigens noch genug. Unseren ersten Auftritt hatten wir nach der Wende in Eisenach. Nun schließt sich für uns in Thüringen der Kreis. Werden die Fans Sie noch einmal im Tor sehen?Seit mir ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde, kann ich nicht mehr spielen. Aber die Fans können sich im Siebenmeterwerfen gegen mich beweisen. Sie wissen ja, da bin ich ein Killer. Nur bitte nicht auf den Herzschrittmacher zielen. Wer steht dann am 30. Juli in Nordhausen im Kasten?Da Siegfried Voigt auch nicht mehr so fit ist, wird Jürgen Rohde aus Rostock - die damalige Nummer drei - die aber nicht mit nach Moskau durfte, halten. Welche Erinnerungen haben Sie ans Finale 1980 in Moskau?Es war der Wahnsinn. Die sowjetischen Spieler waren fast alle zwei Meter und größer. Doch unser Trainer Paul Tiedemann, der aus Österreich wegen einer Erkrankung leider nicht nach Nordhausen kommen kann, hatte uns taktisch großartig eingestellt. So haben wir in der Verlängerung 23:22 gewonnen. Erklärt das Spiel den besonderen Geist dieser Truppe?Ja. Wir haben damals das Unmögliche erreicht und treffen uns jetzt immer wieder, um zusammen zu quatschen und zu spielen. Wir reißen immer noch mit den alten Kombinationen Lücken in die Deckung. Nur bei der "schnellen Mitte" kommen wir nicht mehr hinterher.
Wer spielt zum Abschied in der Prominentenauswahl?Da zieht sich der Eisenacher Frauen-Bundestrainer Rainer Osmann noch mal das Trikot an. Dazu kommen Nadine Härdter, Marielle Bohm und auch ein prominenter Überraschungsgast aus einer anderen Sportart. Aber eins ist klar, verlieren werden wir nicht. Welche Ihrer Kollegen sind denn noch richtig fit?Auf jeden Fall Rainer Höft und Frank-Michael Wahl. Ingolf Wiegert läuft immer noch seine Konter. Aber heute wartet er an der Mittellinie (lacht). Was tun Sie heute?Ich bin Kommunikationsberater bei der Postbank in Berlin und DHB-Trainer für die Torwartausbildung bei den Frauen. Muss man sich Sorgen um den deutschen Handball machen?Im Tor nicht. Aber der Erfolgsdruck im täglichen Bundesliga-Geschäft ist sehr hoch. Deshalb werden zu wenig junge deutsche Spieler eingesetzt. Da hat es Jogi Löw derzeit einfacher als Heiner Brand. Sie wollten mit Ihrer Truppe eigentlich erst aufhören, wenn Deutschland wieder Handball-Olympiasieger wird ...Dann müssten wir wahrscheinlich spielen, bis wir 85 sind. Aber ganz ehrlich, bei den Männern ist die Konkurrenz enorm stark und solche großen Erfolge wie das "Wintermärchen" mit dem WM-Titel 2007 im eigenen Land sind nicht so leicht zu wiederholen.