Sperrung noch nicht vom Tisch

  • Volkmar Petzoldt von der Kreis-Verkehrsbehörde (rechts) und Polizeioberkommissar Thomas Günzelmann waren am Sonntagnachmittag im Einsatz, um an der Biker-Oase am Fuße der 36 Doppelkurven der B85 über den Kyffhäuser Aufklärungsarbeit bei den Motorradfahrern zu leisten. Foto: Renate Rusche Volkmar Petzoldt von der Kreis-Verkehrsbehörde (rechts) und Polizeioberkommissar Thomas Günzelmann waren am Sonntagnachmittag im Einsatz, um an der Biker-Oase am Fuße der 36 Doppelkurven der B85 über den Kyffhäuser Aufklärungsarbeit bei den Motorradfahrern zu leisten. Foto: Renate Rusche
Für die Unfallkommission des Kreises ist die Sperrung der kurvenreichen Bundesstraße 85 über den Kyffhäuser für Motorräder noch lange nicht vom Tisch. Die Unfälle von Zweirädern würden zunehmen. Auch traue sich an sonnigen Wochenenden wie dem 29. April kaum noch ein Einheimischer aus der Region mit seinem Pkw auf den Kyffhäuser, weil er aus Erfahrung wisse, dass ihm Motorradfahrer auf seiner Seite entgegenkommen könnten, heißt es.
Sondershausen. In der Unfallkommission sitzen auch Vertreter aus Sachsen-Anhalt, weil am Stadtrand von Kelbra die 36 Doppelkurven der B 85 über den Kyffhäuser beginnen. Die Angst wollen sich viele nicht mehr antun, hörte man Sonntagnachmittag immer wieder von Polizeihauptkommissar Thomas Günzelmann und dem Chef der Kreisverkehrsbehörde, Volkmar Petzoldt. Beide hatten sich mit einige Kollegen an der Biker-Oase am Zollhaus positioniert, um Aufklärungsarbeit in Sachen "Sicher über den Kyffhäuser" zu leisten. Auf Gesprächspartner mussten sie nicht lange warten, denn an der Biker-Oase war viel Betrieb. Zweiradfahrer aus ganz Deutschland hörten den Beamten interessiert zu, teilten aber oft ihre Argumente nicht. Man könne nicht super aufgerüstete Maschinen bauen und verkaufen, die man im Anschluss kaum richtig nutzen könne.

Zudem seien die meisten Zweiradfahrer hier am Berg gar nicht zu schnell. Manche seien halt nur zu schnell für die Kurven. Und solche, die sich nicht an die Verkehrsspielregeln hielten, gebe es immer und überall. "Das darf nicht einfach dazu führen, dass man solch eine attraktive Strecke für alle sperrt", hörten Petzoldt und Günzelmann von Motorradfahrern aus ganz Thüringen, Hessen und Sachsen-Anhalt, die allesamt mit tollen Maschinen unterwegs waren. Allein das Zuschauen macht da schon Laune. Die Biker ließen sich derweil kaum von den Gästen stören, nicht mal von dem direkt an der Strecke postierten Polizeiwagen. Dabei waren sich Günzelmann und Petzoldt sicher, dass einige von ihnen zu schnell unterwegs waren, als sie Anlauf für die 36 Kurven nahmen. Doch an diesem Sonntag wurde aufgeklärt und nicht kontrolliert. Zumindest nicht die Geschwindigkeit.

Denn ein Messgerät gibt es dennoch. Eines, das eine Woche lang die Zahlen der Kraftfahrer erfasst, die den Berg ansteuern. Aufgestellt wurde es auf Betreiben von Landrat Peter Hengstermann (CDU): "Die Unfallkommission erzählt mir immer, dass die Unfallzahlen am Berg ständig steigen. Aber sie können mir bis heute nicht sagen, wie diese im Verhältnis zu der Zahl der Motorradfahrer aussehen. Ich habe den Eindruck, und da bin ich nicht allein, dass jedes Jahr mehr Zweiradfahrer aus ganz Deutschland und halb Europa hier zu uns an den Kyffhäuser kommen." Mit der kurvenreichen Kyffhäuser-Strecke habe man ein Pfund, mit dem man in Sachen Tourismus wuchern müsse. Die Biker-Oase, der Biker-Treff am Kyffhäuserhotel und der Biker-Biergarten am Burghof hätten längst erkannt, dass die Kradfahrer ein Standbein seien, mit dem sie ihre gastronomischen Einrichtungen noch attraktiver machen könnten. Und zwar für alle Gäste.

"Von den Arbeitsplätzen, die damit erhalten und noch geschaffen werden können, ganz zu schweigen", so Landrat Hengstermann. Wo er mit Polizei und Verkehrsbehörde übereinstimmt, ist die Forderung nach mehr Sicherheit für die Strecke. Tempobegrenzungen wurden verfügt, das Aufbringen von Rüttelstreifen soll das Straßenbauamt Nordthüringen erledigen. Für vier große Aufsteller "Runter vom Gas" fehlte bisher das Geld. Fündig geworden ist der Landrat jetzt bei Thüringens Bauminister Christian Carius (CDU): Der überwies dem Kreis 2900 Euro für vier Aufsteller nahe der Biker-Oase aus Richtung Kelbra, am Abzweig der B85 zum Kyffhäuser, an der langen Geraden nach der Ententeichkurve vor der Kulpenbergabfahrt und am Ortsausgang Bad Frankenhausen. Bis zum 10. Mai sollen sie stehen, versprach Petzoldt am Sonntag, als ihm der Landrat das Geld übergab.

Dazu waren extra Vertretern des Verbandes deutscher Motorradfahrer aus Hamburg angereist. Auch sie sind interessiert, diese für Zweiradfahrer so attraktive Strecke über den Kyffhäuser für alle offen zuhalten. Verkehrsbehörde und Polizei sehen die Sperrung auch nur als letztes Mittel, wenn alles andere nicht greift. 2011 betrieben sie an 60 Prozent der Wochenenden Aufklärungsarbeit oder verkehrsüberwachende Maßnahmen am Berg. Das wollen sie auch diese Saison beibehalten und machten nach der Geldübergabe gleich weiter damit.


Renate Rusche / 02.05.12 / TA
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Kommentare
02.05.12 - 16:36
Ratbiker666
Absoluter Irrsinn die Strecke zu sperren!!! Typisch Deutschland,alles verbieten...
 
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