Thüringer Skifahrer plant Guinness-Rekord auf Namibias Dünen

Skifahren in der Wüste - der in Thüringen geborene Henrik May plant einen Geschwindigkeitsrekord im heißen Sand von Namibia. Als Lohn für das Abenteuer winkt ein Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.
Erstmalig in der Geschichte des Skisports versucht Henrik May einen Geschwindigkeitsrekord in der Namib-Wüste. Also dann, Daumendrücken für den gebürtigen Thüringer. Foto: Artwork Erstmalig in der Geschichte des Skisports versucht Henrik May einen Geschwindigkeitsrekord in der Namib-Wüste. Also dann, Daumendrücken für den gebürtigen Thüringer. Foto: Artwork

Erfurt. Die Düne nahe Swakopmund ist beeindruckend. Rund 75 Meter ragt der gelblich-rötliche Sandberg in die Höhe. Die Sonne hat die Lufttemperatur auf über 35 Grad aufgeheizt, der feine, aufgewirbelte Sand verklebt jede Pore der Haut. Henrik May steht in der unberechenbaren Namib, der ältesten Wüste der Welt, mit schweren Skischuhen und ein Paar handelsüblichen Skiern. Immer wieder mustert er die rund 30 Grad steile Abfahrtsstrecke. "Rund 140 Meter ist sie lang, der Steilhang erinnert ein bisschen an die Alpen", erklärt der 34-Jährige.

Am 31. Mai (ab 7.30 Uhr) will sich der gebürtige Thüringer den Abhang hinunterstürzen - und den ersten Geschwindigkeitsrekord mit Skiern in der Wüste aufstellen. "Ich habe insgesamt 110 Meter Zeit, um zu beschleunigen, dann wird über eine Distanz von zehn Metern gemessen", erklärt er das Prozedere. Eine Jury überwacht das Abenteuer und entscheidet dann über den Eintrag ins Guinnessbuch. Extra für die Speed-Aktion wird in den nächsten Tagen eine hochempfindliche Messanlage aus Europa eingeflogen.

Seit zwei Jahren arbeitet May an der Umsetzung seiner Idee. Bei diversen Probeläufen raste er mit rund 60 Kilometern pro Stunde die Düne herab, dank eines Spezialwachses. Und es geht noch schneller, vermutet der Abenteurer. "Die größte Gefahr ist, die 1,84 Meter langen Riesenslalomski im Dünensand zu verkannten", verrät May. Dann gebe es kein Halten mehr und ein Sturz sei unausweichlich. "Ich bin mir des Risikos bewusst, habe immer wieder versucht, die Balance zu halten." Doch ob im Ernstfall Helm und Rückenpanzer wirklich Schutz bieten, weiß der einstige Nordisch-Kombinierer aus Zella-Mehlis nicht. Bei einem starken Aufprall wird der körnige Sand hart wie Beton.

Insgesamt eine Stunde hat May Zeit für seinen Rekordversuch. In diesen 60 Minuten muss er in zwei Gängen das Material auf die Spitze der Düne bringen. Die erste Abfahrt absolviert er mit Telemarkskiern, erst bei den folgenden Rekordversuchen nimmt er die aerodynamische Hockposition ein. "Der Aufstieg per Tourenski ist Teil des Ganzen, es geht für mich auch darum, sich mit der Natur auseinanderzusetzen." Trotzdem kommt es auf jede Kleinigkeit an: Sandbeschaffenheit, Wetter und Kondition

Die Idee, mit handelsüblichen Skiern die Sandhänge der etwa 80 Millionen Jahre alten Wüste herunterzukurven, ist an sich nicht neu. Schon seit dem Jahr 2004 betreibt der Thüringer May seinen Skiverleih in Namibia - den einzigen in einer Wüste überhaupt, wie er behauptet. Bei dem Rekord-Versuch geht es neben dem sportlichen Ehrgeiz auch darum, den Namibianern das Skifahren noch ein Stück näherzubringen. Denn obwohl der Thüringer schon vor geraumer Zeit die Namib zum Skigebiet erklärt hat, wissen viele der Einheimischen nicht, was den Reiz der Bretter ausmacht.

Peter Rathay / 20.05.10
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