Helios Kliniken GmbH will Rhön Klinikum AG übernehmen
Porträt
Die kommunalen Krankenhäuser appellierten an das Bundeskartellamt, die Übernahme der Rhön Klinikum AG durch die Helios Kliniken GmbH (Fresenius-Konzern) zu verhindern. Archivoto: Mario Vedder/dapd
Der Mutterkonzern Fresenius hat ein Übernahmeangebot für den konkurrierenden Krankenhaus-Betreiber vorgelegt. Auch in Thüringen entstünde damit ein klarer Marktführer - der schon vor seiner Entstehung Befürchtungen weckt.
Erfurt. Diese Nachricht überraschte alle. Die Helios Kliniken GmbH will den Krankenhaus-Betreiber Rhön Klinikum AG übernehmen. Der Helios-Mutterkonzern Fresenius teilte dies am Donnerstag mit. Der Medizintechnik- und Gesundheitskonzern würde damit zum klaren Marktführer unter den deutschen Privatkliniken aufsteigen. Auch in Thüringen wäre das Unternehmen nicht nur der größte Klinik-Betreiber sondern die größte Privatfirma überhaupt. Mit mehr als 6200 Beschäftigten würde man sich an die Spitze der Liste vor Edeka, Bahn und Post setzen. Rein regional würden sich die Thüringer Kliniken der beiden Betreiber größtenteils ergänzen. Die drei Helios-Krankenhäuser in Erfurt, Gotha und Blankenhain konzentrieren sich in Mittelthüringen. Die vier Rhön-Kliniken befinden sich abgesehen von der Zentralklinik in Bad Berka mit Hildburghausen, Friedrichroda und Meiningen mehr im Süden des Landes. Doch noch ist es nicht so weit. Fresenius hat erst einmal nur ein Übernahmeangebot abgegeben. Gemeinsam mit Helios solle ein Verbund mit einem Jahresumsatz von sechs Milliarden Euro entstehen, teilte der DAX-Konzern mit. Dadurch entstünde ein nahezu "flächendeckender Klinikbetreiber mit mehr als 120 Kliniken". Der Zusammenschluss mit dem Rhön-Klinikum biete große Chancen, sagte Helios-Geschäftsführer Francesco De Meo. "Wir können nicht nur von den Stärken des anderen lernen und weitere Qualitätsverbesserungen und Kostenvorteile realisieren." Der Finanzvorstand vom Rhön-Klinikum, Erik Hamann, zeigte sich dagegen überrascht vom Fresenius-Angebot und wollte es nicht bewerten. "Ich habe das in dieser Form erst heute morgen erfahren", sagte er am Donnerstag. Die Thüringer Sozialministerin Heike Taubert
(SPD) reagierte zurückhaltend. Sie nehme die Absicht von Fresenius "zur Kenntnis", sagte sie unserer Zeitung. Sie hoffe, dass sich durch den Zusammenschluss nichts an der "hochwertigen und wohnortnahen medizinischen Versorgung" ändere.
Kritischer äußerte sich der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Hartung. Es drohe "ein riesiger Konzern" zu entstehen, der den Markt beherrsche, sagte er. Dies gelte auch für Thüringen, wo das Unternehmen im Extremfall in der Lage sein werde, "das Land zu erpressen". Für Hartung ist es jetzt wichtig, dass das Land keine weiteren Krankenhäuser privatisiere. Dies gelte insbesondere für das Universitätsklinikum in Jena. Hier stünden CDU und SPD laut ihrer Koalitionsvereinbarung in der Pflicht. Die kommunalen Krankenhäuser appellierten an das Bundeskartellamt, die Übernahme zu verhindern. "Die Gewichte würden sich dadurch weiter zulasten der öffentlichen Träger verschieben", sagte der Vorsitzende des Interessenverbandes.
Betriebsräte reagieren skeptisch
Auch die Betriebsräte mehrerer Thüringer Kliniken reagierten skeptisch und warnten vor Stellenabbau. Ähnlich äußerte sich auch die Gewerkschaft Verdi. "Ich bin dagegen, dass aus den Mitteln der Krankenversicherung die Rendite von Aktionären bezahlt wird", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke. Die Rhön-Klinikum Aktie reagierte auf das Angebot mit einer Kursexplosion. Nachdem der Handel zunächst ausgesetzt wurde schnellte der Kurs zwischenzeitlich um 50 Prozent nach oben. Gegen 14 Uhr notierte das Papier bei 21,58 Euro, nahe des Angebotspreises. Fresenius büßten dagegen 3,3 Prozent auf 71,53 Euro ein. Dafür bietet Fresenius den Aktionären vom Rhön-Klinikum insgesamt 3,1 Milliarden Euro für ihr Unternehmen - und damit 52 Prozent mehr, als es zu Börsenschluss am Mittwoch wert war.Korrektur: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde das Sophien- und Hufeland-Klinikum in Weimar der Helios-Gruppe zugeordnet. Das ist falsch. Das Sophien- und Hufeland-Klinikum wird von den Stiftungen "Stiftung Sophienhaus Weimar" und "Marienstift Arnstadt" getragen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.