Erfurt. Die Band Supergrass reist Anfang der Nullerjahre ins All und trifft auf ihre musikalischen Helden. Christian Werner über das Album „Life on other Planets“.

Als musikaffiner Mensch denkt man bei den Stichworten „Südfrankreich“, „Villa“ und „Albumproduktion“ natürlich sofort an die Rolling Stones, die 1971 in der Villa Nellcôte an der Côte d’Azur mit „Exile on Main Street“ eine ihrer berühmtesten Platten aufgenommen haben. Deren britische Landsleute von Supergrass wagten genau dreißig Jahre später das gleiche Experiment, allerdings nicht wie die Stones aus Steuergründen, sondern freiwillig.

Sänger Gaz Coombes und Co. empfängt bei ihrem Ausflug an die südfranzösische Küste jedoch kein Urlaubswetter. Und so bleibt mehr Zeit für die Fokussierung auf die Musik. Mit „Life on other Planets“, ihrer vierten Platte und 2002 veröffentlicht, gelingt Supergrass unbeabsichtigt ein für die Popmusik nicht ganz unübliches Paradoxon: Band und Musik werden immer reifer, ja, auch besser, um diese etwas ungenaue Begrifflichkeit zu verwenden.

Traditionspflege britischer Musikkultur

Der Erfolg aber nimmt weiter ab. Die Single „Grace“ erinnert in ihrer Beschwingtheit und den für die Gruppe immer noch typischen etwas albernen Grundstimmung an „Alright“ vom Debütalbum oder „Pumpin on your Stereo“ vom Vorgänger. Ein übergroßer Hit aber wird sie nicht.

Das Cover des Albums „Life on other Planets“ (2023 Remaster) von Supergrass.
Das Cover des Albums „Life on other Planets“ (2023 Remaster) von Supergrass. © BMG

Coombes feilt weiter an seiner Version der Traditionspflege vorrangig britischer Musikkultur. Der erste Song „Za“ ist nicht die einzige Verbeugung vor David Bowie und Marc Bolan auf dem Album, „Run“ kann sich auf eine gelungene Art und Weise nicht entscheiden zwischen Beach Boys und Pink Floyd.

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„Never done nothing like that before” kratzt mit unter zwei Minuten Spielzeit stilecht an der Punk-Historie. Und mit „Evening of the Day“ empfehlen sich die Musiker als veritable Kinks-Erben.

Weltraum als Thema des Albums

Die Themen Weltall und Science Fiction evoziert nicht nur der Titel, sie ziehen sich durch die ganze Scheibe. Immer wieder fiept und piept es zwischen und in den Songs, wie in einem utopischen Hörspiel. Die Weltraum-Reminiszenz stammt zum Großteil von Coombes Bruder Rob (Keyboards), der Astronomische Spektroskopie studiert hatte. Und auf dem Album das erste Mal offiziell als viertes Bandmitglied gelistet wird.

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Indes der Titelsong, ein Instrumentalstück, es nur in Auszügen an den Anfang und das Ende der Platte geschafft hat. Auf der aktuell erschienenen Deluxe Edition des Albums ist der Track als Bonus in voller Länge zu hören. Das Instrumentalstück ist Teil des Soundtracks „Dark Star“ zu einem nicht existenten Film, den Gaz Coombes und Bassist Mick Quinn während der Aufnahmen nebenher eingespielt haben, angefixt von dem Vangelis-Score zu „Cosmos“.

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Die Neuveröffentlichung gibt es als Einfach-Vinyl und als farbiges Vinyl mit einer ebenfalls farbigen Single sowie als Deluxe-Edition auf drei CDs. Diese listet neben dem remasterten Album eine zweite CD mit 20 Tracks auf: B-Seiten wie das krachend eingespielte Neil-Young-Cover „The Loner“ sowie Demos und Outtakes, die auch mal Titel wie „Stinkfinger“ tragen. Auf der dritten Scheibe gibt es Live-Versionen der Songs des Albums, auch als Akustik-Varianten.

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Wir stellen in #langenichtgehört vergessene, verkannte oder einst viel gehörte Alben vor.