Problemzonen: Klimaneutrale Weihnachten

Elena Rauch über die Weihnachtsbaumscham.

Elena Rauch

Elena Rauch

Foto: Andreas Wetzel

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Kürzlich las ich in einer Zeitung das schöne Wort „Streamingscham.“ Ja, auch unser bequemes digitales Leben hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Flugscham, Plastikscham, Fleischscham: Scham ist der neue Trend. Wer heutzutage noch ein halbblutiges T-Bone Steak beim Kellner ordert ohne zu erröten, ist raus. Und jetzt ist neuerdings auch auch Weihnachtsbaumscham angesagt. Schließlich, auch ein Weihnachtbaum war einmal ein Baum. Weil ein Plastikbaum auch keine Lösung ist, er ist schließlich aus Plastik, bieten Baumärkte und Gärtnereien neuerdings Mietbäume an. Nadelbäumchen im Topf, die der Natur zurückgegeben werden.

Über die Folgen für das ohnehin krisenbehaftete männliche Selbstbild können wir nur spekulieren. Bekanntlich gehört das eigenhändige Fällen des Weihnachtsbaumes zu den letzten großen Abenteuern des Mannes im domestizierten Alltag. Hier darf er noch ein echter Kerl sein, kann mit bloßen Händen und Willensstärke für die Familie tun, was ein Mann tun muss. Romantisch ist es auch.

Aus diesem Grund sind auch wir einst vor Jahren zu einem einschlägigen Event in eine Baumplantage gefahren. Der baumfällende Mann hatte sich mit einer rostigen Laubsäge ausgestattet, das Erlebnis hat ihn nachhaltig verstört.

Seitdem kaufen wir den Baum im Topf. Der muss auch nicht angespitzt und arretiert werden, das entspannt die familiäre Atmosphäre. Das Problem ist, dass kein Baum seine Rückführung in die Natur überlebt hat, der Wärmeschock. Für wirklich klimaneutrale Weihnachten müssten wir die Bescherung auf den Balkon verlegen. Warten wir den Wetterbericht ab.

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