Wolfenbüttel. Die Bundesakademie für Kulturelle Bildung strebt nach einer Gemeinwohlökonomie-Zertifizierung. Was sich dahinter verbirgt, lesen Sie hier.

Die Bundesakademie für Kulturelle Bildung strebt bis zum Ende des Jahres eine Gemeinwohlökonomie-Zertifizierung an. Damit wäre sie die erste Organisation in Wolfenbüttel und die erste Kultureinrichtung im Großraum Braunschweig, die ein solches GWÖ-Prädikat erhält.

Was das bedeutet, erläutert die Direktorin der Akademie, Professorin Dr. Vanessa Reinwand-Weiss im Gespräch mit unserer Zeitung.

Kultureinrichtungen müssten sich auf den Weg machen, ihre Organisation von Grund auf neu zu denken, fordert sie. „Das muss als ein Prozess verstanden werden, der nie endet, sich immer weiterentwickelt.“

Transparent, ökologisch und fair

Die eigene Institution neu denken, weiterdenken, wie sieht das in der Praxis aus? Vanessa Reinwand-Weiss nennt Beispiele aus dem Alltag: Protokolle auch aus Leitungsrunden allen Mitarbeitenden zugänglich machen. „Transparenz ist einer dieser Bausteine.“ Oder die Lieferanten. Hier werde nach Geschäftspartnern vor Ort geschaut. „Dabei steht auch der ökologische Aspekt im Vordergrund, bei Erstellung von Druckerzeugnissen oder dem Kauf von Computern.“ Da würden dann auch Gespräche über Lieferketten geführt. Auch gebe es Ideen zu einer Mitfahrbörse für die vielen Veranstaltungsteilnehmenden, die aus der ganzen Republik nach Wolfenbüttel reisten. Aber nicht nur ökologische und ökonomische Perspektiven spielten in diesem Prozess eine Rolle, so die Direktorin, auch der soziale Gesichtspunkt sei entscheidend.

Die Bundesakademie, die zwar zum Teil vom Land gefördert wird, ist ein eigenständiger, 1986 gegründeter Verein. „Wir denken auch über eine bessere Bezahlung von Reinigungskräften als die nach Tarifvertrag nach oder über mobiles Arbeiten von zu Hause aus“, sagt Reinwand-Weiss.

„Wichtig zu wissen ist, die Hebel sind die Unternehmen. Nicht nur die einzelnen Haushalte. Wandel tritt nur ein, wenn er durch die Unternehmen geschieht. Wir als kulturelle Bildungsinstitution haben dabei eine Vorbildfunktion – und einen Auftrag.“

Alternative zum gegenwärtigen Wirtschaftsverständnis

„Nur wenn wir besser sind als Standard, erhalten wir die Punkte, die zur Zertifizierung führen“, so die Direktorin der Bundesakademie. Die Gemeinwohlökonomie-Zertifizierung baut als Alternative zum gegenwärtigen Wirtschaftsverständnis auf den Werten Menschenwürde, ökologische Verantwortung, Solidarität, soziale Gerechtigkeit, Transparenz und demokratische Mitbestimmung auf.

Die Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel richtet ihre Angebote in kulturellen Bereichen, wie Kunst, Musik und Literatur, bundesweit an Kulturschaffende und Kulturvermittelnde. Ihre Arbeit ist einem an Kunst und Kultur interessierten Publikum in Wolfenbüttel durch Vorträge, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen oder Workshops in ihrem Tagungshaus, der Schünemannschen Mühle oder ihren Werkstatträumen im Schloss bekannt.