Bad Blankenburg. Insolvenzverwalter Kai Dellit hat seit März um den Fortbestand der Liquidität gekämpft. Das Ergebnis ist ernüchternd, die Konsequenz bitter.

Die ausgesprochenen Kündigungen für 25 Mitarbeiter und den Geschäftsführer ließen nichts Gutes ahnen. Jetzt ist es amtlich: Insolvenzverwalter Kai Dellit stellt den Geschäftsbetrieb der Efbe Elektrogeräte GmbH Bad Blankenburg voraussichtlich zum 31. Juli 2024 ein. Damit endet die Firmengeschichte eines traditionsreichen Unternehmens der Fröbelstadt sechs Jahre vor dem 100. Geburtstag.

Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt der Anwalt die Gründe für diesen bitteren Schritt. Efbe, ein Einzel- und Großhändler für elektrische Haushaltsgeräte sowie Designprodukte, musste im März 2024 Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit stellen. Hierzu sei es insbesondere aufgrund eines im Jahr 2022 beginnenden Umsatzeinbruchs gekommen, heißt es. „Dieser war zum einen auf die Kaufzurückhaltung der Kunden, zu denen namhafte Unternehmen des deutschen Elektroeinzelhandels gehören, infolge der deutlich gestiegenen Inflation nach Beginn des Ukrainekrieges zurückzuführen“, so Dellit.

Trotz Personalabbau Verluste in Millionenhöhe

Zum anderen sei aber auch ursächlich gewesen, „dass sich die Kunden während der COVID-19 Pandemie aus Sorge vor Lieferengpässen erhebliche Lagerbestände aufgebaut hatten, die zunächst wieder abgebaut werden mussten. Einige Kunden lieferten zudem einen Teil der bezogenen Ware an die Schuldnerin zurück, was deren Liquidität aufgrund der Rückvergütungsverpflichtung zusätzlich belastete“.

Die Geschäftsführung habe es ungeachtet der eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen einschließlich Personalabbau nicht vermocht, Verluste in Millionenhöhe zu verhindern. Letztlich hätten Efbe die für den Einkauf neuer Ware erforderlichen finanziellen Mittel nicht mehr zur Verfügung gestanden. Deren belgische Muttergesellschaft, die TKG SRL vermochte das Tochterunternehmen in Thüringen nicht zu unterstützen, da sie selbst Insolvenzantrag gestellt hatte.

Versuche zur Rettung sind fehlgeschlagen

Während der Mitte März 2024 angeordneten vorläufigen Insolvenzverwaltung führte der vorläufige Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb fort und bemühte sich um den Aufbau einer für dessen Fortbestand hinreichenden Liquidität und um einen Investor. Beides gelang aufgrund des schwierigen Marktumfeldes nicht.

Wörtlich heißt es: „Da die für die Betriebsfortführung im eröffneten Insolvenzverfahren erforderlichen liquiden Mittel, insbesondere zur Bezahlung der Mitarbeiter, aber auch zum Einkauf neuer Ware nicht verfügbar waren, trafen die Geschäftsführung und der vorläufige Insolvenzverwalter die Entscheidung, den Geschäftsbetrieb einzustellen und den Mitarbeitern die Kündigung auszusprechen“.

Sozialplan sieht Abfindungen für Mitarbeiter vor

Das Insolvenzverfahren wurde sodann mit Beschluss des Amtsgerichts Gera am 30. Mai 2024, 7.30 Uhr, eröffnet und Rechtsanwalt Kai Dellit zum Insolvenzverwalter bestellt. Anschließend musste Dellit allen Mitarbeitern (25) und dem Geschäftsführer die Kündigung aussprechen. Um die Kündigungen für die Arbeitnehmer so sozial wie möglich zu gestalten, wurde zuvor ein Sozialplan verhandelt, der Abfindungen vorsieht. Derzeit laufe der Geschäftsbetrieb eingeschränkt weiter. Es werden Fertigungsaufträge für eigenproduzierte Ware fertiggestellt und Lagerware verkauft. Ende nächsten Monats ist auch damit Schluss.

1930 gründete Franz Baumgartner (daher die Firmenbezeichnung eFBe) eine Spezialfabrik für Heizkissen und elektrische Apparate in Bad Blankenburg. Durch staatliche Verordnung wurde 1952 das Vermögen des Unternehmens beschlagnahmt und unter vorläufige Verwaltung der DDR-Regierung genommen. Nur wenige Tage später wurde der VEB (K) Elektro - Heiz - Geräte gebildet und Rechtsträger des gesamten bilanzierten Betriebsvermögens der Firma Franz Baumgartner. In den folgenden Jahren wurde der Betrieb vergrößert und in VEB (B) Elektrogeräte- und Armaturenwerk Bad Blankenburg umbenannt.

Wechselhafte Firmengeschichte nach der Wende

Mit dem neuen Gesellschafter Bernd Heinze privatisierte sich das Unternehmen am 1. Januar 1993 und der Kauf der Produktionseinrichtungen und Werkzeuge der in Konkurs gegangenen „Schott Elektrogeräte GmbH“ Groß Ippener bildeten die Grundlagen des Unternehmens.

2009 kam die belgische Kalorik Group ins Spiel. Als einer der führenden belgischen Produzenten von Fritteusen, Toastern und anderen Elektro-Kleingeräten dominiert Kalorik nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten den belgisch-holländischen Markt.

Für Efbe Elektrogeräte wurden unlängst noch etwa 65 Mitarbeiter weltweit angegeben, davon knapp 40 in Bad Blankenburg. Der Jahresumsatz soll sich im zweistelligen Millionenbereich bewegt haben. Um die europaweite Logistik zu bewältigen, verfügt Efbe über drei Lager. Neben dem am Hauptsitz in Thüringen, gibt es jeweils eines in Antwerpen, Belgien, sowie ein Lager in Krakau, Polen.

Zahlreiche nationale und internationale Patentanmeldungen zeugen von der Innovationsfreude des Unternehmens wie zum Beispiel die ersten Glaswasserkocher, der Multipresso, der kabellose Eierkocher oder Gesichtsbräuner mit acht Röhren.

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