Weimar. Das experimentelle Festival am DNT Weimar lockt mit Sasha Waltz & Guests sowie einem Ensemble lokaler Helden.

Thüringer Tanztheater-Fans frohlocken: Sasha Waltz & Guests gastieren am DNT Weimar. Die international renommierte Grande Dame der Choreografie, soeben mit dem Deutschen Tanzpreis bedacht, und ihre Compagnie treten am ersten Wochenende des kleinen, experimentellen Festivals „Passion :Spiel“ auf (31. Mai bis 8. Juni), das DNT-Operndirektorin Andrea Moses und Dramaturg Michael Höppner nun zum dritten Male kuratieren.

„Oper für alle!“ lautet dann das Motto in der Redoute, der DNT-Nebenspielstätte in der Ettersburger Straße, und verbindet mithilfe dreier Klassiker des zeitgenössischen Musiktheaters auf hintersinnige Weise eine gehörige Volkstümlichkeit mit viel Prominenz. Die Frage, wie er denn Sasha Waltz nach Weimar habe locken können, beantwortet Höppner ganz trocken: „Ich habe sie gefragt, und es hat gepasst.“

Von der Redoute Weimar geht‘s in die Pariser Philharmonie

Waltz hat ihre Choreografie zu Terry Rileys „In C“ (1964) während der Pandemie 2021 entwickelt und reist seitdem mit dieser Produktion quer durch Europa; gleich zwei Wochen nach den beiden Weimarer Auftritten (1./2. Juni) sind sie und ihre Truppe damit in der Pariser Philharmonie zu Gast. Das Stück liegt ihr am Herzen, weil es Individualität und Diversität in eine demokratische Gemeinschaft einbindet.

Riley, ein Pionier der Minimal Music, notierte für „In C“ 53 musikalische Patterns, die nach improvisatorischem Prinzip live von der Staatskapelle Weimar unter Leitung Dominik Beykirchs absolviert und simultan von den Tänzerinnen und Tänzern mit Leben erfüllt werden. „Das Stück macht eigentlich nur Sinn“, sagt Höppner, „wenn es aus dem Moment heraus entsteht.“ Jede Aufführung gewinnt einzigartigen Charakter.

Sasha Waltz & Guests spielen „In C“ am DNT Weimar.
Sasha Waltz & Guests spielen „In C“ am DNT Weimar. © Yanina Isla | Yanina Isla

Lokale Prominenz bildet ein improvisiertes Ensemble

Als zweiter Top-Act (7./8. Juni) ist Karlheinz Stockhausens Musikdrama „Originale“ (1961) programmiert, ein Schlüsselwerk der Fluxus-Bewegung. Was vor 60 Jahren als Angriff auf die heilige Ordnung des Theaters noch Skandal machte, schöpft heute Reiz aus anderer Quelle. Stockhausen verlangte nämlich, örtliche Prominenz in die Aufführung miteinzubinden.

Und so versammeln Moses und Höppner ein improvisiertes Ensemble aus Profis und Laien: Angeführt vom Musiktheater-Jugendclub des DNT geben sich Thomas Thieme, Dominique Horwitz und Elke Wieditz, die beiden Konzertmeister Ursula Dehler und Gernot Süßmuth, der Straßenmusiker Moritz Rabe, Bauhaus-Präsident Peter Benz, der Kutscher Gunter Grobe und viele, viele andere, die in Weimar lokale Helden sind oder dafür gehalten werden, ein kurioses Stelldichein. „Von Weimar, für Weimar“, frohlockt Moses, „eine Oper für alle!“

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Den Rahmen für „Passion :Spiel“ stiften zwei Aufführungen von Cornelius Cardews „The Great Learning“ (1971) am 31. Mai und 8. Juni. Der Brite, der mit Stockhausen und John Cage zusammenarbeitete, schuf als soziale Skulptur ein Chorwerk, das an die Arbeiter-Singe-Bewegung anknüpft. Für die Weimarer Performance setzt die lettische Regisseurin Margo Zālīte vier Chöre aus Weimar und Erfurt in Szene. Auch eine inklusive Trommelgruppe aus Saalfeld ist mit von der Partie, wenn es darum geht, nach einem Text von Konfuzius den Sinn fürs Gemeinschaftliche einzuüben. Der Eintritt zu diesen beiden Vorstellungen ist frei.

Tickets/Infos: www.nationaltheater-weimar.de